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Bücher

Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis (1916-1918)

Rosa Luxemburg (Porträt: AP, Montage: Philip Kleine / Peter Steinmetz)

"…ich lief gerade wie ein Tier im Käfig den gewohnten 'Spaziergang' an meiner Mauer entlang, hin und zurück, und mein Herz krampfte sich zusammen vor Schmerz, daß ich nicht auch fort von hier kann, oh, nur fort von hier! Aber das macht nichts, mein Herz kriegte gleich darauf einen Klaps und mußte kuschen; es ist schon gewöhnt, zu parieren wie ein gut dressierter Hund. Reden wir nicht von mir."

Die Autorin

Rosa Luxemburg (Foto: picture-alliance)

Rosa Luxemburg

Geboren am 5. März 1871 in Zamosc, Polen
Ermordet am 15. Januar 1919 in Berlin

"Es stimmt, ich habe verdammte Lust glücklich zu sein..." schreibt die junge Sozialistin Rosa Luxemburg an ihren Parteifreund und Lebensgefährten Leo Jogiches. Aber ihr persönliches Glück fand sie letztendlich nur in ihrer politischen Karriere, nicht im privaten Leben. Die Sehnsucht nach Zwischenmenschlichem blieb: "Ich fühle mich nur in einer Welt zuhause, wo es Wolken, Vögel und Menschentränen gibt."

Rosalia (Rosa) Luxemburg wächst in einer jüdischen Familie auf. Ihr Vater ist Holzhändler. Als sie zwei Jahre alt ist, zieht die Familie nach Warschau. Mit fünf Jahren erkrankt Rosa an einem Hüftleiden. Monatelang muss sie liegen, eine Tortur für ein aufgewecktes, lebendiges Mädchen wie sie. Zum Trost bringt die Mutter ihr Lesen und Schreiben bei.

Auf Grund ihrer jüdischen Herkunft, der Geh-Behinderung und ihrer außergewöhnlichen Intelligenz hat sie es schwer auf dem Mädchengymnasium: Sie wird schnell zur Außenseiterin. Schon in der Schulzeit verkehrt sie in verbotenen sozialistischen Zirkeln. Im Winter 1888 kann sie nur knapp einer Verhaftung entgehen und nach Deutschland fliehen. Von dort schlägt sich die Siebzehnjährige bis in die Schweiz durch. Frauen sind da zum Studium zugelassen, und so schreibt sie sich 1890 an der Philosophischen Fakultät Zürich ein: Staatswissenschaft, Geschichte und Nationalökonomie – für eine Frau des 19.Jahrhunderts eine ungewöhnliche Wahl. 1897 promoviert sie mit "magna cum laude".

Sie will weiter politisch arbeiten. Mit Hilfe einer Scheinehe bekommt sie die deutsche Staatsbürgerschaft und tritt sofort nach ihrer Ankunft in Berlin in die Sozialdemokratische Partei ein. Die Großstadt behagt ihr allerdings nicht: "Berlin macht auf mich allgemein den widrigsten Eindruck: kalt, geschmacklos, massiv – eine richtige Kaserne." Sie bestimmt schnell die Linie der Partei mit. Als brillante Rednerin kann sie nicht nur die Parteigenossen, sondern auch das einfache Volk begeistern. "Die Göttliche" wird sie genannt. Für Genosse Lenin ist sie "der Adler der Revolution".

Als führende Theoretikerin ihrer Generation geht sie mit der Parteilinie schwer ins Gericht und setzt sich als politische Journalistin radikal für die Rechte der Arbeiterklasse ein. 1904 wird sie zu drei Monaten Gefängnis verurteilt – wegen Majestätsbeleidigung des Kaisers Wilhelm II.

Rosa Luxemburg / Rede in Stuttgart 1907 (Foto: picture-alliance / akg-images)

August 1907: Rosa Luxemburg auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Stuttgart

Mit ihrer bedingungslos pazifistischen Haltung provoziert sie 1914, zusammen mit ihren Genossen August Mehring, Karl Liebknecht und Clara Zetkin, die Spaltung der SPD. Am 20. Januar wird sie erneut zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Noch während der Haft strengt die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Hochverrats gegen sie an. Die Sozialdemokraten, die bei den Reichstagswahlen als stärkste Fraktion hervorgegangen waren, stimmen am 4. August 1914 für die Kriegskredite: "In der Stunde der Not lassen wir unser Vaterland nicht im Stich", verkündet der Parteivorsitzende August Bebel. Rosa Luxemburg ist tief enttäuscht über den Verrat an den sozialistischen Zielen.

Sie bleibt nur wenige Monate in Freiheit: Der Berliner Polizeipräsident hält sie für ein Sicherheitsrisiko und lässt sie in Schutzhaft nehmen. Sie wird in die Festung Wronke bei Posen gebracht, im August 1918 nach Breslau. Trotzdem kann sie in dieser Zeit, dank der Vermittlung von Freunden, aus dem Gefängnis weiterhin Artikel für verschiedene Zeitungen schreiben – und Briefe, was ihr Lebensmut und Kraft erhält.

Am Tag ihrer Entlassung erlebt sie im November 1918 die Ausrufung der Weimarer Republik mit. Überall im Land organisieren sich bewaffnete Arbeiter- und Soldatenräte. Die politische Stimmung ist aufgeheizt, es kursieren Gerüchte um eine linksradikale Verschwörung. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die im Januar 1919 die Gründung der "Kommunistischen Partei" (KPD) vorangetrieben haben, gelten als Unruhestifter. Rosa läuft Gefahr, erneut verhaftet zu werden, wechselt ständig ihre Wohnung, entscheidet sich aber in Berlin zu bleiben. Trotzig schreibt sie am 14. Januar: " Ich war, ich bin, ich werde sein." Einen Tag später ist sie tot: gewaltsam verschleppt, verhört und gefoltert. Auf dem Weg ins Untersuchungsgefängnis werden sie und Karl Liebknecht erschossen – aus dem Hinterhalt. Die Leiche von Rosa Luxemburg werfen die Attentäter in den Landwehrkanal. Erst fünf Monate später wird sie geborgen.

Rosa Luxemburg / Beisetzung in Berlin-Friedrichsfelde am 13. Juni 1919 (Foto: ullstein bild)

Juni 1919: Beisetzung der ermordeten Rosa Luxemburg in Berlin-Friedrichsfelde

Der Text

Die "Briefe aus dem Gefängnis" schrieb Rosa Luxemburg während ihrer Haft vom Juli 1916 bis November 1918 in der Festung Wronke bei Posen und dann in Breslau. Das Schreiben erhält ihr den Kontakt zu ihren Freunden und politischen Weggefährten. Ihr Mitstreiter Karl Liebknecht war zu ihrem Entsetzen am 23. August zu 49 Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Erst später kommen beide auf Grund einer Amnestie der Preußischen Regierung frei.

Diese Sammlung von Briefen ist ein literarisches Zeugnis von Seltenheitswert: Sie enthalten sehr persönliche und ungewohnt poetische Texte der Journalistin Rosa Luxemburg. Hier erlebt man eine junge Frau, hin- und hergerissen zwischen politischen Idealen, ihrer Kräfte raubenden Radikalität und einer sehr weiblichen Sehnsucht nach Geborgenheit und Angenommen-Sein. Und man bekommt beim Zuhören ein Gefühl von der Stärke dieser kompromisslos mutigen Frau und ihrer ungebrochenen Zuversicht.

Die Sprecherin

Die Schauspielerin Isis Krüger

Isis Krüger

Die Schauspielerin Isis Krüger schätzt literarische Texte von mutigen Frauen, die sich selbst die Welt erobern. Eigensinnige, nicht-konformistische Rollen sind ihr auch auf der Bühne am liebsten. Sie geht bei der Interpretation solcher Texte bis hart an die Grenze, klare Regieanweisungen, wann es "drüber" und zu extrem war, sind ihr da enorm wichtig.

Isis Krüger, Jahrgang 1961, stammt aus Berlin. Ihre künstlerische Ausbildung absolvierte sie an der berühmten Lee-Strasberg-Schauspielschule in New York. Danach spielte sie in Turin, Como und Houston/ Texas Theater, bevor sie ans Berliner Renaissance-Theater ging. Nach Bonn kam sie vom Kasseler Staatstheater zusammen mit Intendant Manfred Beilharz. Mittlerweile arbeitet sie freischaffend, viel in künstlerischen Musik-Projekten, wo sie ihre farbkräftige Stimme auch als Vokalistin einsetzen kann. Sie spielt außerdem in Fernseh-Produktionen und Kinofilmen.

Die Klassiker - Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis
Sprecherin: Isis Krüger
Produktion: interface studios, Köln
Regie: Heike Mund
Online-Realisation: Claudia Unseld
Redaktion: Gabriela Schaaf

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