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Sport

Rooney im Gentleman-Test durchgefallen

Die Engländer glauben, dass sie zu Unrecht die Heimreise antreten müssen. Man habe besser gespielt als Portugal. Bissige Kommentare muss Stürmerstar Rooney nach seiner Roten Karte einstecken.

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Rooney sieht Rot

Im Mutterland des Fußballs herrscht nach dem insgesamt fünften Elfmeter-K.o. bei großen Turnieren Untergangstimmung. "Das Ende der Welt", klagte der "Sunday Express". Das Massenblatt "The Sun" titelte "Es ist vorbei" und stellte Wayne Rooney an den Pranger: "Unsere Träume in Ruinen."

Ausgerechnet der 20-jährige Stürmerstar von Manchester United, der nach ausgeheiltem Fußbruch Englands Titelhoffnungen trug, ist zum Spielverderber in den eigenen Reihen geworden. "Mit Rooneys Platzverweis nahm das Unglück seinen Lauf", sagte Geoff Hurst, Schütze des legendären Wembley-Tors beim WM-Triumph 1966 der "Sun".

Beckham hat Verständnis

Einziger Trost für Rooney: Die Spieler machen ihm keinen Vorwurf. "Wayne steckt das weg. Er ist unsere Zukunft", meinte Beckham, der in der 58. Minute wegen einer Knieblessur vom Platz musste und auf der Reservebank in Tränen ausbrach. "Wir alle sind am Boden zerstört", sagte der Superstar nach seinem womöglich letzten WM-Spiel.

Die Rote Karte für Rooney rund 30 Minuten vor dem normalen Spielende wurde in Kommentaren meist als bedauerlich, aber gerechtfertigt bewertet. "Er hat den Fitness-Test bestanden, aber nicht den Gentleman-Test", sagte ein BBC-Kommentator. Rooney sei Opfer seines Ungestüms", schrieb der "Guardian". "Er muss noch viel lernen, aber er hat immer noch eine glänzende Karriere vor sich."

Abrechnung mit dem Trainer

Doch nicht überall herrschte die berühmte britische Fairness vor. Selbst seriöse Zeitungen wie die "Times" nahmen den bitteren WM-Abschied zum Anlass für eine Abrechnung mit Trainer Sven-Göran Eriksson. Der Schwede habe die England-Elf zu einer "Langball-Sekte" verkommen lassen. "Schwere Fehler bei der Auswahl" der Spieler seien ihm anzulasten.

Boulevardzeitungen wie "News of the World" gingen weiter und fragten, wie der britische Fußballverband "einem solchen Halsabschneider insgesamt 25 Millionen Pfund" zahlen konnte (37 Millionen Euro). Die englischen "Drei Löwen", schimpfte die liberale Zeitung "Independent" seien "von einem Esel geführt worden".

Cristiano Ronaldos Blinzeln

Fußball, WM 2006, England - Portugal, 01.07.2006

Hat sich auf der Insel unbeliebt gemacht: Cristiano Ronaldo (Mitte)

Ganz weit ging es bei Blättern unter die Gürtellinie, die im portugiesischen Stürmer Cristiano Ronaldo den eigentlichen Schuldigen ausmachten. Der Jungstar, der sein Geld - genau wie Rooney - bei Manchester United verdient, habe England "doppelt betrogen", befand die "Times". Er habe beim Schiedsrichter um die Rote Karte für Rooney geradezu gefleht und dann auch noch das letztlich entscheidende Elfmeter-Tor geschossen.

Fast alle britischen Zeitungen brachten das Szenenfoto, auf dem Ronaldo kurz nach dem schlimmen Foul von Rooney an Ricardo Carvalho scheinbar verschwörerisch mit dem rechten Auge blinzelt. "Er zwinkert - Es ist alles vorbei", schrieb "News of the World" in einer Schlagzeile über einem weiteren Bild, das neben Ronaldo weinende Englandstars zeigt. (stl)

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