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Sport

Ronaldinho: Es wird Brasiliens WM

Weltfußballer Ronaldinho ist zuversichtlich, dass Brasilien zum sechsten Mal den WM-Titel holen kann. Trotzdem warnt er im DW-WORLD-Interview vor Übermut seiner Mannschaft.

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DW-WORLD: In weniger als zwei Monaten beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Haben Sie bereits Angst vor der deutschen Abwehr?

Ronaldinho [grinst]: Auf keinen Fall. Ich bin sehr motiviert und versuche, mich gut vorzubereiten.

In Deutschland und Brasilien sind alle bereits im WM-Fieber. Hat Sie dieses Fieber auch bereits angesteckt?

Ich denke, es hat bereits die ganze Welt angesteckt. Alle sind schon sehr gespannt. Und ich bin auch schon im WM-Fieber. Weil man so viel darüber hört und sieht, ist es unmöglich, nicht an die WM zu denken.

Und was erwarten Sie von der WM in Deutschland insgesamt?

Da ich bereits bei einer WM dabei war, kenne ich die Dimension einer solchen Teilnahme. Was die Organisation angeht, glaube ich, dass sie sehr gut organisiert sein wird. Ich habe das beim Confederations Cup erlebt, der ja eine Vorschau auf die WM sein sollte. Und, wie immer, ist es der größte Fußballwettbewerb der Welt.

Der brasilianische Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira glaubt, dass die WM 2006 ein "Krieg aller Mannschaften gegen Brasilien" sein wird, da Brasilien als Topfavorit gehandelt wird. Welche Mannschaften, welche Gegner schätzen Sie als die Schwierigsten bei der WM ein?

Ich denke, alle Spiele werden sehr kompliziert sein, vom ersten bis zum letzten. Es wird schon schwierig sein, die erste Phase zu überstehen, denn alle sehen Brasilien als Topfavoriten. Und das führt dazu, dass alle gegen Brasilien eine Extra Motivation haben. Ich denke, alle Gegner verdienen die gleiche Aufmerksamkeit.

Von den drei Vorrunden-Gegnern Kroatien, Australien und Japan - welcher ist der Schwierigste?

Die drei müssen alle gleich ernst genommen werden, weil es drei schwierige Spiele werden. Alle bereiten sich sehr gut auf die WM vor. Alle drei verdienen viel Respekt. Es werden drei sehr komplizierte Spiele.

Wird Deutschland eine Chance zur Revanche für das Finale von 2002 gegen Brasilien bekommen?

[lacht]. Könnte sein. Man weiß ja nicht, was passieren wird. Mich kümmert aber nicht sehr, gegen wen wir spielen. Das Wichtigste ist, dass Brasilien ins Finale kommt und gewinnt. Das ist das Ziel. Ich orientiere mich nicht so sehr nach den Gegnern, sondern nur nach meiner Mannschaft.

Wie sehen Sie die Vorbereitungen der jungen deutschen Mannschaft, die ja noch ihre Probleme hat. Wie verfolgen Sie das?

Ich verfolge es wie jemand, der Fußball mag - und die Sache von sich fern hält. Ich beschäftige mich wirklich nur mit meinem Land, mit meiner Mannschaft. Ich konzentriere mich auf eine gute Vorbereitung, um bei der WM gut zu spielen, ohne mir um irgendeine andere Mannschaft Sorgen zu machen. Ich denke, wir müssen unseren Fußball spielen, um zu siegen.

Wenn Sie die brasilianische Nationalelf von 2002 mit der heutigen vergleichen, was hat sich geändert - außer dem Trainer und einigen Spielern?

Die Motivation ist anders. Wer 2002 gesiegt hat, weiß wie gut es ist, eine WM zu gewinnen und kommt sehr motiviert. Und wer noch nie an einer WM teilgenommen hat, hört die ganze Zeit, wie toll es ist, eine WM zu gewinnen. Also, alle sind sehr motiviert. Einige Spieler haben bereits viel Erfahrung, andere kommen mit großem Willen. Und wenn das zusammenkommt, wie das der Fall ist, bei einer Gruppe mit sehr erfahrenen und sehr jungen Spielern, dann denke ich, ist das der Unterschied, den wir im Vergleich zu 2002 haben.

Ist die heutige Selecao stärker als die von 2002?

Es sind zwei verschiedene Mannschaften. Ich kann nicht sagen, welche die Stärkere ist, denn es sind zwei unterschiedliche Stile. Aber es sind zwei starke Mannschaften.

Was halten Sie von der Kritik, die zurzeit an Ronaldo geübt wird?

Ich denke, dass ein Spieler mit seinem Niveau, ein Spieler, der an jedem Wochenende seine Rolle erfüllt, ein bisschen mehr Respekt oder mindestens ein bisschen mehr Ruhe verdient hat. Aber für uns Brasilianer ist das gut, denn er wird mehr als motiviert zur WM kommen. Und ich glaube, dass er einer der großen Namen der WM sein wird.

Parreira hat bereits angekündigt, dass es für Sie aufgrund der Doppelbelastung in der spanischen Meisterschaft und in der Champions League ein spezielles Programm zur Regenerierung geben wird, während andere Spieler intensiver trainieren werden. Was halten Sie von diesem Plan? Ist diese Regenerierung für Sie notwendig?

Ich finde sie unentbehrlich. Er hat auch noch andere Spieler genannt, die bis kurz vor der WM noch um ihre jeweiligen Meisterschaften kämpfen. Ich denke, dass es bei jedem Spieler eine spezielle Arbeit geben wird, damit sie ihre beste Leistung bei der WM abrufen können. Die einen brauchen mehr Arbeit, die anderen mehr Erholung. Ich denke, diese differenzierte Arbeit mit jedem Spieler wird unentbehrlich sein.

Was denken Sie über brasilianische Spieler und Trainer, die für Nationalmannschaften anderer Länder spielen - inklusive für welche, die Ihre Gegner bei der WM werden könnten?

Das ist eine sehr private Angelegenheit. Es geht dabei um die Chance, beim größten Wettbewerb der Welt, bei der WM dabei zu sein. Manchmal ist es dann für ein anderes Land, weil man glaubt, dass man keine Chance bekommen würde, sein eigenes Land zu vertreten. Ich konnte mich nie im Trikot eines anderen Landes vorstellen, aber ich respektiere die Entscheidung jedes Einzelnen.

Im Vorfeld der WM haben Schiedsrichterskandale im deutschen und brasilianischen Fußball für Wirbel gesorgt hat. Die Fifa hat eigens eine Firma gegründet, die Ergebnismanipulation bei der WM vermeiden soll. Was denken Sie über Spieler und Schiedsrichter, die sich an die Wett- und Lottomafia verkaufen?

Das ist so fern von dem, was ich lebe, dass es schwierig ist, etwas dazu zu sagen. Als man mir von den Fällen in Brasilien und Deutschland erzählte, dachte ich, dass es so etwas nicht gibt. Für jemanden, der den Fußball liebt und sich ihm widmet, ist das eine Schande.

Sie sind bereits seit 1999 bei der Selecao dabei. Welche waren bisher Ihre schönsten Momente?

Alle, alle waren schön. Der Weg war nicht nur mit Siegen gepflastert, aber alle Momente sind unvergesslich: Die Copa America Cup 1999, die Olympischen Spiele in Sydney 2000, die Qualifikation für die Olympiade. Alle Momente sind unvergesslich, nicht nur die mit der A-Mannschaft, schließlich spiele ich seit meinem 15. Lebensjahr im Trikot der Seleção.

Die WM 2002 war Ronaldos WM. Wird die Weltmeisterschaft 2006 Ronaldinhos WM sein?

Ich denke, dass es Brasiliens WM sein wird. Ich denke nicht daran, selbst herauszuragen, mehr oder weniger der Beste zu sein. Ich will einfach das Beste tun, damit Brasilien Weltmeister wird.

Im zweiten Teil des DW-WORLD-Interviews spricht Weltfußballer Ronaldinho über seine "große Liebe", den FC Barcelona, Rassismus und die "Familie" - wie er seine Fans nennt.