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Filme

"Romy Schneider wollte mehr sein als das brave Mädchen"

Zum 25. Todestag erwacht Romy Schneider in den deutschen Medien als Ikone - befreit von Sissi. Wie diese Figur ihr den Weg in Deutschland versperrte, erklärt Filmkritiker Wolfgang Martin Hamdorf im Gespräch mit DW-WORLD.

Eine Bildhauerin legt letzte Hand an einer Wachsfigur von Romy Schneider an (Quelle: dpa)

So sieht die Welt und vor allem Deutschland Romy Schneider am liebsten: als Sissi

DW-WORLD.DE: 25 Jahre nach dem Tod von Romy Schneider spricht man hierzulande gerne von der "letzten deutschen Diva". Halten Sie diese Bezeichnung für angemessen?

Wolfgang Martin Hamdorf: Ich halte den Ausdruck für etwas unglücklich, weil ich Romy Schneider in erster Linie für eine große Schauspielerin halte. Das Wort "Diva" ist dagegen ein Schlagwort, mit dem ich selber wenig anfangen kann. Romy Schneider war zwar eine deutsche Schauspielerin. Aber man darf nicht vergessen, dass sie überwiegend in einer anderen Filmkultur groß wurde, die immer noch reichhaltiger als die deutsche ist: der französischen.

Musste Romy Schneider denn unbedingt nach Frankreich gehen? Hätte sie nicht auch in Deutschland weiter Karriere machen können?

Filmszene

Romy Schneider in "Mädchen in Uniform"

Ich glaube nicht. Kurz nach "Sissi" drehte Romy Schneider "Mädchen in Uniform". Sie sah sich deshalb einer unglaublichen Welle des Hasses gegenüber, weil es natürlich ein Bruch war - wenn auch ein relativ harmloser. In dem Film geht es um die homo-erotischen Tendenzen zwischen einer Lehrerin und einer Schülerin in einer preußischen Schule, und das stand natürlich in Kontrast zu dem Bild, das die Filmindustrie mit den "Sissi"-Filmen von ihr aufgebaut hatte. Ich glaube nicht, dass für Romy Schneider eine Möglichkeit bestanden hätte, in dieser Situation in Deutschland wirklich eine große Schauspielerin zu werden. Auch eine große Schauspielerin wie Marlene Dietrich hatte in Deutschland nie wieder Fuß gefasst, weil es einfach keine kulturelle Atmosphäre dafür gab.

Hat ihr etwa das deutsche Publikum nicht erlaubt, sich schauspielerisch weiter zu entwickeln?

Wolfgang Martin Hamdorf

Wolfgang Martin Hamdorf

Genau. Man muss bedenken, dass der deutsche Film damals das war, was später "Opas Kino" genannt wurde. Aus dieser Zeit stammt dieser etwas ranzige deutsche Nachkriegsfilm der Förster; diese Heimatfilme, die man heute mit einem gewissen Spaß angucken kann. Aber man muss sich vorstellen: So war damals die deutsche Kinolandschaft - einfach unglaublich traurig und öde. Es war, böse gesagt, eine Fortsetzung der NS-Unterhaltungsfilms, nur schlechter gemacht.

Später wehte dann aber mit Regisseuren wie Fassbinder und Schlöndorff ein frischer Wind durch die deutsche Kinolandschaft - das brachte keine Änderung?

Natürlich, es gab den jungen deutschen Film, der ganz bewusst gegen diese Form angegangen ist. Aber für die jungen Filmemacher, die damals angefangen haben, war natürlich Romy Schneider auch eine Figur die, durch ihre "Sissi"-Rolle, in eben dieser Tradition stand.

Würde Romy Schneider denn heute eine Chance im deutschen Film haben?

Auf jeden Fall. Man kann ein anderes Beispiel nennen: Hanna Schygulla, die in Fatih Akins Cannes-Film "Auf der anderen Seite" eine bedeutende Rolle hat. Es ist auch eine Art Comeback. Und eine junge Romy Schneider hätte heute bestimmt große Chancen, denn die Landschaft des Kinos hat sich - Gott sei Dank - in den letzten Jahren sehr geändert.

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