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Amerika

Romney vor dem nächsten großen Test

In das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ist Bewegung geraten. Iowa wurde zugunsten von Rick Santorum korrigiert, Rick Perry schied aus. Und der Vorsprung des Favoriten Mitt Romney bröckelt.

Mitt Romney (l.) (Foto: Reuters)

Sein Sieg scheint nicht mehr ganz so sicher - Mitt Romney

Nun ist er Mitt Romney also doch nicht gelungen, der Doppelschlag in Iowa und New Hampshire. Am Donnerstag wurde das Ergebnis der Vorwahlen von Iowa offiziell korrigiert. Und danach gewann nicht Romney, sondern Rick Santorum, der ehemalige Senator aus Pennsylvania, die Wahl, und zwar mit 34 Stimmen Vorsprung. Allerdings fehlen die Ergebnisse aus acht Wahlbezirken. Doch selbst wenn sie noch auftauchen: Sie werden nicht mehr mitgezählt, das jetzige Ergebnis ist das endgültige.

Rick Santorum spricht in Mikrofone (Foto: dpa)

Rick Santorum ist um einen Publicity-Sieg betrogen

Für die tatsächliche Stimmverteilung, die für die Präsidentschafts-Nominatur zählt, ist diese Änderung unerheblich. Doch das Ergebnis von Iowa hat Gewicht - und so darf sich Rick Santorum, der als Außenseiter ins Rennen ging, zu Recht um einen großen Publicity-Sieg betrogen sehen. Und für Mitt Romney, den derzeitigen Favoriten im Rennen um die Kandidatur, sieht es auf einmal nicht mehr ganz so nach einem Durchmarsch aus, trotz des eindeutigen Sieges in New Hampshire.

Der superreiche Kandidat in der Defensive

Bereits in den letzten Tagen befand sich Mitt Romney verstärkt in der Defensive. So hat er sich bisher geziert, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Auf massiven Druck erklärte er jetzt, er werde es eventuell tun und ließ wissen, dass sein Steuersatz rund 15 Prozent beträgt. Zum Vergleich: Der maximale Steuersatz für einen Angestellten liegt bei 35 Prozent. Romney bezieht sein Einkommen aber offensichtlich vor allem aus Kapitalvermögen, was niedriger besteuert wird. Viel Gewinn hat er auch während seiner Tätigkeit bei Bain Capital gemacht, einer Private-Equity-Firma. Das kommt bei den Wählern nicht gut an.

Eric Lawson (Foto: DW)

Eric Lawson unterstützt "Occupy Boston"

So befürchtet Eric Lawson, dass Romney durch seine Tätigkeit bei Bain Capital "abgestumpft" ist, dass er politisch wie finanziell zu den "ein Prozent Insidern gehört", und nicht mehr weiß, was die Menschen wirklich bedrückt. Der 50-jährige Molekularbiologe, der bei der staatlichen Lebensmittelbehörde FDA arbeitet, ist in die Emmanuel Kirche im Herzen Bostons zu einem der regelmäßigen Treffen von "Occupy Boston" gekommen.

Romney gegen Gingrich

Lawson weiß noch nicht, ob er für Romney stimmen würde, sollte er der Kandidat werden. Dabei glaubt er sich zu erinnern, ihn als Gouverneur 2002 gewählt zu haben. Romney habe mit der Korruption und Verschwendung in Massachusetts nicht genügend aufgeräumt, sagt er jetzt. Zwar hält Lawson ihn für einen "feinen Kerl", aber der ehemalige Gouverneur sei in letzter Zeit zu sehr nach rechts gerückt, zu sehr in die Nähe von Newt Gingrich. Das gefällt Lawson gar nicht. Denn was Gingrich sagt, regt ihn auf, etwa, dass die Leute von "Occupy" "erst einmal duschen" sollten: "Ich hatte mehrere Leute in meinem Haus, nachdem die Zeltlager abgebrochen werden mussten, und die haben mich als erstes gefragt: Sir, darf ich Ihre Dusche benutzen?" erzählt Lawson.

Newt Gingrich (Foto: AP)

Geht zum Angriff auf Romney über: Newt Gingrich

Es ist vor allem Newt Gingrich, der Romney zusetzt. In einer Debatte der Kandidaten im konservativen Sender Fox News wiederholte Gingrich, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, seine Vorwürfe, Romney habe bei Bain Capital nicht Arbeitsplätze geschaffen, sondern zerstört. "Es gab ein Muster, einige der Firmen mit großen Schulden zurückzulassen und in ein, zwei oder drei Jahren Pleite gehen zu lassen." Das müsse Romney erklären, forderte Gingrich. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts rechtfertigte sich: "Vier der Firmen, in die wir investiert haben, beschäftigen heute 120.000 Menschen, einige der Firmen, in die wir investiert haben, waren nicht erfolgreich und Arbeitsplätze gingen verloren." Insgesamt sei er aber auf seine Erfahrung stolz.

Kampf mit (fast) allen Mitteln

Und auch Romneys Wahlkampfteam schlägt zurück. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten meldeten sich am vergangenen Mittwoch zwei republikanische Abgeordnete zu Wort, die Gingrich in seiner Zeit als Sprecher des Repräsentantenhauses erlebt haben. Der frühere Senator Jim Talent erklärte: "Der Sprecher präsentiert sich als verlässlicher konservativer Anführer, der unsere Gruppe und unsere Partei repräsentieren kann, aber das ist er nicht, denn er ist nicht verlässlich." Gingrich würde Dinge sagen, und zwar "in einer empörenden und zerstörerischen Weise, die die konservative Bewegung unterlaufen." Und die frühere Abgeordnete Susan Molinari erklärte: "Ich kann seine Arbeitsweise nur als 'Führung durch Chaos' beschreiben."

Newt Gingrich könnte Romney in South Carolina tatsächlich gefährlich werden. Der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses gilt als gewiefter Taktiker. Er kam zwar in Iowa und New Hampshire nur auf den vierten Platz, hat aber im konservativen Süden viele Anhänger und seinen Wahlkampf darauf konzentriert. In den letzten Tagen hat er in den Umfragen gegenüber dem führenden Romney in South Carolina aufgeholt. Und er konnte am Donnerstag noch einen anderen Sieg verbuchen.

Rick Perrry tritt ab und unterstützt Gingrich

Rick Perry (M.) verkündet bei einer Pressekonferenz im Beisein seiner Frau Anita (r.) und seines Sohnes Griffin (l.) den Rückzug von der Präsidentschaftskandidatur (Foto: dpa)

Gibt auf und stärkt Gingrich den Rücken: Rick Perry (M.)

Am Donnerstag erklärte Rick Perry, der Gouverneur von Texas, das Ende seines Wahlkampfes. Bereits nach dem schlechten Abschneiden in Iowa - Perry kam hier nur auf den fünften Platz - hatte er kurz über ein Ausscheiden nachgedacht, war dann aber im Rennen geblieben. Doch nach einem enttäuschenden Abschneiden in New Hampshire und schlechten Vorhersagen für die nächste Vorwahl in South Carolina mehrten sich die Stimmen, die ihn zum Aufhören drängten. So trat er zurück und empfahl seinen Anhängern, ihre Stimme Newt Gingrich zu geben. Er sei ein "konservativer Visionär, der das Land verändern könne: "Ich habe keine Zweifel, dass Newt das Herz eines konservativen Reformators hat, die Fähigkeit, die konservative Bewegung zu motivieren und zu sammeln, den Mut, den Washingtoner Interessensgruppen zu sagen, sie sollen nach Hause gehen, wenn das im besten Interesse unseres Landes ist."

Doch selbst Rick Perry wies darauf hin, dass Gingrich "nicht perfekt" ist - wer sei das schon, war seine Devise, dem reuigen Sünder werde schließlich vergeben. Aber es bleibt abzuwarten, ob die konservativen Wähler in South Carolina, die am Samstag ihre Stimme abgeben, ebenso nachsichtig sind. Am Donnerstag Abend jedenfalls strahlte der Fernsehsender ABC ein Interview mit Gingrichs zweiter Frau Marianne aus, in der sie unter anderem erklärte, der konservative Politiker habe sie um eine "offene Ehe" gebeten - oder die Scheidung. Gingrich hatte damals eine Affäre mit seiner jetzigen, dritten, Frau Callista. Gingrich bezeichnete die Aussagen seiner Ex umgehend als "falsch".

Es wird also spannend am Samstag in South Carolina. Noch im Rennen ist neben Romney, Gingrich und Santorum Ron Paul, der libertäre Abgeordnete aus Texas, der in New Hampshire einen zweiten Platz erringen konnte. Doch für alle drei Herausforderer von Mitt Romney gilt: nach dieser Vorwahl wird der Wettkampf schwerer. Als nächstes folgt mit Florida ein großer Bundesstaat, in dem nicht mehr der persönliche Handschlag wie in Iowa oder die konservative Gesinnung wie in South Carolina zählen. Hier kommt es vor allem auf eines an: Geld - für Fernsehspots und Werbekampagnen. Und davon besitzt ohne Frage Mitt Romney am meisten.

Autorin: Christina Bergmann, Boston/Washington, DC
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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