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Amerika

Romney ist dem Sieg einen Schritt näher

Wie erwartet hat Mitt Romney die Präsidentschaftsvorwahl der Republikaner in New Hampshire gewonnen. Anders als in Iowa war sein Vorsprung dieses Mal groß. Gute Voraussetzungen für die nächste Runde.

Mitt Romney (l.) vor Anhängern (Foto: dapd)

Ein komfortabler Sieg für Mitt Romney

Für Mitt Romney war es ein Heimspiel in New Hampshire. Der 64-Jährige ist in dem US-Bundesstaat bekannt, besitzt hier ein Ferienhaus und war von 2002 bis 2006 Gouverneur des benachbarten Massachusetts. So war eigentlich nur die Frage, wie hoch der Sieg Romneys ausfallen würde. Mit 39 Prozent fiel der Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Ron Paul, der auf 23 Prozent kam, sehr komfortabel aus.

Jubelnde Mitt Romney-Anhänger (Foto: dapd)

Heimspiel für Romney in New Hampshire

Mitt Romney war am Abend bei seiner Siegesrede denn auch sichtlich zufrieden: "Heute haben wir Geschichte geschrieben", rief er seinen jubelnden Anhängern zu. In der Tat: Seit 1976 hat kein republikanischer Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur sowohl Iowa als auch New Hampshire gewonnen.

Dass Romneys Sieg in Iowa ganze acht Stimmen umfasste, spielt dabei keine Rolle mehr. Mit den beiden Siegen hat er nun erheblichen Rückenwind für die nächsten Vorwahlen in South Carolina. Und wenn er dort auch gewinnt, "dann hat er praktisch die Nominierung in der Tasche," erklärte Andrew Smith, Politikwissenschaftler der Universität New Hampshire in einer Telefonkonferenz mit ausländischen Journalisten.

Staatsmännische Rede des Siegers

So gab sich Romney auch ganz präsidial und hielt sich in seiner Rede nicht mit seinen Konkurrenten im eigenen Lager auf. Er griff Präsident Obama an: "Dieser Präsident lässt sich von den Hauptstädten Europas inspirieren, wir lassen uns von den Städten und Dörfer in ganz Amerika inspirieren", sagte er und fuhr fort: "Dieser Präsident glaubt an die Regierung, wir glauben an die Amerikaner." Romney wiederholte das konservative Mantra, den Einfluss der Regierung in Washington auf das Leben der Amerikaner sowie die Staatsschulden verringern zu wollen.

Romney sprach aber auch die Außenpolitik an: "International hat Präsident Obama eine Strategie der Beschwichtigung eingeführt, er glaubt, Amerikas Rolle als Führer der Welt gehört der Vergangenheit an." Er sei dagegen der Ansicht, so Romney: "Amerika muss und wird die Zukunft führen" und er werde "auf einem Militär bestehen, dass so mächtig ist, dass niemand auch nur daran denkt, es herauszufordern."

Der Zweitplatzierte hofft auf Einfluss

Ron Paul schüttelt in Manchester, New Hampshire, Hände seiner Anhänger (Foto: Reuters)

Gibt sich zuversichtlich: Ron Paul

Doch noch ist das Rennen nicht entschieden, Romneys Herausforderer bleiben alle im Rennen. Der Zweitplatzierte Ron Paul war ebenfalls sichtlich begeistert von seinem guten Abschneiden. In Iowa hatte der Kongress-Abgeordnete aus Texas den dritten Platz belegt. Doch sein Schwung könnte spätestens nach der nächsten Wahl in South Carolina verpuffen, wenn die Wahlkampfmaschine von den kleinen in die großen Bundesstaaten zieht und statt begeisterten Anhängern, auf die Paul sich stützen kann, das Geld zählt.

Doch dem Libertären Paul geht es wohl vor allem darum, seinen Ansichten Gehör zu verschaffen. Er rief seinen Anhängern in New Hampshire am Wahlabend zu: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass unsere Bemühungen nicht unbemerkt blieben werden." Paul setzt sich wie die anderen Kandidaten für eine Beschneidung des Einflusses des Staates ein, ist in seinen Ansichten allerdings noch radikaler. Und er will - anders als die anderen - auch den Militäretat kürzen und die Einsätze amerikanischer Truppen auf ein Minimum reduzieren.

Der Dritte im Bunde

Jon Huntsman (Foto: dapd)

Zuletzt Obamas Botschafter in China, jetzt einer seiner Herausforderer: Jon Huntsman

Über den dritten Platz konnte sich Jon Huntsman freuen, der zuletzt als Präsident Obamas Botschafter in China diente. Er war in Iowa mehr oder weniger nicht präsent, sondern hatte ganz auf New Hampshire gesetzt. Eine Strategie, die sich auszahlte. Auch er gab sich zufrieden: "Ich würde sagen, der dritte Platz ist die Fahrkarte für South Carolina!" Doch auch für ihn gilt: Es ist unwahrscheinlich, dass er den Kampf gegen den finanzstarken Romney länger durchhält. Experten gehen davon aus, dass er sich nur für den Präsidentschafts-Wahlkampf 2016 warmläuft - oder für einen Kabinettsposten, sollte ein Republikaner in diesem Jahr ins Präsidentenamt gewählt werden.

Nahezu gleichauf dahinter lagen Rick Santorum, der Überraschungszweite von Iowa, und Newt Gingrich. Während das Ergebnis für Santorum, den christlich-konservativen ehemaligen Senator aus Pennsylvania ein Achtungserfolg ist, ist es für Gingrich die logische Folge einer strategischen Entscheidung: Er hatte beschlossen, seine Kräfte gleich auf die nächste Wahl in South Carolina am 21. Januar zu konzentrieren. In dem Südstaat werden dem ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses wesentlich größere Chancen eingeräumt. Das gleiche gilt für Rick Perry, den Gouverneur von Texas.

So könnte Mitt Romney in South Carolina noch einmal ein heftiger Wind entgegen wehen. Sicher hat er die Präsidentschaftskandidatur noch nicht. Doch die republikanischen Wähler scheinen sich an den Gedanken zu gewöhnen, ihre Stimme für den Mann abzugeben, der im Feld der Bewerber zwar nicht der konservativste ist, aber als derjenige gilt, der Präsident Obama am gefährlichsten werden könnte.

Autorin: Christina Bergmann, Washington, DC
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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