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Aktuell Amerika

Romney hat gewählt

Die Würfel sind gefallen: Der republikanische Bewerber um das US-Präsidentenamt, Mitt Romney, geht mit dem Haushaltspolitiker Paul Ryan in das Rennen um das Weiße Haus. Gewählt wird am 6. November.

Der Ort war klug gewählt: Romney gab seine Entscheidung während einer Wahlkampfveranstaltung in Norfolk im US-Bundesstaat Virgina bekannt, an Bord des US-Kriegsschiffes "USS Wisconsin" aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Aus dem gleichnamigen Bundesstaat stammt Ryan. Der musste übrigens wie alle anderen Kandidaten eine Liste mit 80 Fragen bentworten, von Steuern und Strafmandaten bis hin zur Intimspäre, ob sie Ehepartner betrogen haben.

Romneys peinlicher Fehler

Ryan habe feste Prinzipien, die er in die Praxis umsetzen könne, sagte Romney bei der Vorstellung. Er verstehe die finanziellen Herausforderungen des Landes und sei ein "intellektueller Führer der Partei". Dann unterlief Romney ein peinlicher Fehler. Er stellte Ryan als den "nächsten Präsidenten der USA" vor. Später ging er erneut ans Mikrofon und korrigierte sich.

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Paul Ryan soll Romneys Vize werden

Er wolle einen Vizepräsidenten "mit Visionen für das Land, der etwas zum politischen Diskurs über den künftigen Kurs des Landes beiträgt", hatte der designierte Präsidentschaftskandidat Romney im Vorfeld der Nominierung gesagt. Schon bei bisherigen gemeinsamen Wahlkampfauftritten vermittelten Romney und Ryan ein harmonisches Bild. Sowohl auf professioneller als auf privater Ebene scheint die Chemie zu stimmen.

Den Wahlkampf polarisieren

Der 42-jährige Ryan gilt als neuer Politstar der Republikaner. Er sitzt seit 1999 für den Bundesstaat Wisconsin im US-Repräsentantenhaus. Der Vorsitzende des einflussreichen Haushaltsausschusses soll Romney in dem von der schwächelnden US-Wirtschaft und dem wachsenden Haushaltsdefizit geprägten Wahlkampf den Rücken stärken. Seine Rezepte: weniger Staat, niedrigere Steuern, durchgreifende Reformen des Sozialsystems. Zuletzt hatte Ryan mit Vorschlägen für radikale Kürzungen in staatlichen Gesundheitsprogrammen für arme und ältere Menschen von sich reden gemacht.

Mit der Wahl Ryans als "Running Mate" will Romney aus Sicht von US-Kommentatoren den Wahlkampf um das Präsidentenamt noch stärker polarisieren. Romney und Ryan wollen sich den Wählern als klare Alternative zu US-Präsident Barack Obama und seinem Vize Joe Biden empfehlen. Ryan gilt auch als Liebling der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung, die mit Romney nie richtig warm geworden ist.

Haushaltsexperte Ryan (l.) nach seiner Vorstellung als designierter Vize-Kandidat durch Mitt Romney (Foto: rtr)

Ryan (l.) und Romney hoffen auf einen Sieg

Angriffsfläche für die Demokraten

Allerdings birgt eine Berufung Ryans auch Risiken für Romney: Der Budgetplan, den Ryan im März durch das Repräsentantenhaus brachte, sieht Kürzungen von mehr als fünf Billionen US-Dollar im kommenden Jahrzehnt vor, darunter bei Lebensmittelhilfen und der Krankenversicherung für Arme. Die Steuern dagegen sollen sinken, auch für Reiche. Das passt genau in Obamas Botschaft, mit Romney drohe der soziale Kahlschlag.

Die Nominierung des republikanischen Vizekandidaten war mit Spannung erwartet worden. Die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt ermöglicht es Romney, Ryan auf eine wichtige Wahlkampftour durch die Bundesstaaten Virginia, North Carolina, Florida und Ohio mitzunehmen. In diesen Staaten hatte Obama bei den Wahlen 2008 gewonnen. Entsprechend hart umkämpft sind sie in diesem Jahr. Und natürlich verspricht sich Romney auch einen Sieg in Wisconsin. Auch dieser Bundesstaat ging vor vier Jahren an Obama.

Romney selbst soll Ende August auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa im Bundesstaat Florida offiziell zum Herausforderer von Obama gewählt werden.

gmf/pg/se (afp, dpa dapd, rtr)

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