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Welt

Romney bei Vorwahl ganz knapp vorn

Zwei Kandidaten hauchdünn auseinander, ein dritter dichtauf: Das ist das Ergebnis der ersten Präsidentschaftsvorwahl der Republikaner in den USA. Mit gerade einmal acht Stimmen Vorsprung holte sich Mitt Romney den Sieg.

Einer der Kandidaten der Republikaner, Mitt Romney (Foto: Reuters)

Mitt Romney

Newt Gingrich, der Viertplatzierte, brachte es auf den Punkt: "In den letzten Wochen in Iowa ist deutlich geworden, dass wir in der republikanischen Partei eine wichtige
Debatte führen werden, bevor wir bereit sind, eine wichtige Debatte mit Barack Obama zu führen." Denn das Ergebnis von Iowa zeigt, dass die republikanische Partei sich nicht einig ist, mit welchen Kandidaten sie den jetzigen Präsidenten herausfordern will: Mit einem konservativen wie Rick Santorum, einem gemäßigten wie Mitt Romney oder einem Exoten wie Ron Paul.

Alle drei Politiker können das Ergebnis von Iowa als Erfolg verbuchen. Rick Santorum, der ehemalige Senator aus Pennsylvania, lag nur acht Stimmen hinter Mitt Romney, dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts, im Rennen um den ersten Platz in der Gunst der republikanischen Wähler. Für Santorum ist der zweite Platz dennoch ein Sieg und die Frucht harter Arbeit: Er hat alle 99 Bezirke des Bundesstaates besucht und 381 Wahlveranstaltungen abgehalten. Dabei betont er stets seine konservative Einstellung: Er lehnt gleichgeschlechtliche Ehe ebenso ab wie Abtreibung und hebt die Bedeutung der Familie und seinen Glauben an Gott hervor.

Santorum – der Konservative

In seiner Siegesrede am Dienstag Abend in Johnston gab sich ein strahlender Santorum aber auch siegessicher im Hinblick auf einen möglichen Zweikampf mit dem amtierenden Präsidenten. Als ehemaliger Senator in Pennsylvania kann er auf einen Wahlsieg in einer Gegend verweisen, in der die Menschen in der Stahlindustrie arbeiten und zum großen Teil traditionell demokratisch wählen. "Ich trat in einem schwierigen Wahljahr an, als Präsident George Bush senior die landesweite Wahl verlor, auch in meinem Bezirk, aber ich bekam 60 Prozent der Stimmen, denn ich teile die Werte der arbeitenden Bevölkerung," sagte er vor seinen Anhängern.

Rick Santorum (Foto: ap)

Rick Santorum

Santorums Argument: Wenn die Republikaner einen Kandidaten aufstellen, der in traditionell demokratischen Staaten wie Pennsylvania, Ohio, oder Michigan die Wähler anspricht, "die von einer demokratischen Partei im Stich gelassen wurden, dann werden wir diese Wahl gewinnen."

An die Fähigkeit Santorums, landesweit zu siegen, glaubt auch Nathan Arnold. Der 21-jährige Student trat als dessen Fürsprecher bei dem Caucus im Bezirk 48 in Des Moines, der Hauptstadt Iowas, auf. In der Aula der Roosevelt High School erklärte er, Santorum könne die Wechselwähler, die Fabrikarbeiter in den Industriegebieten, die Farmer im Herzen Amerikas gewinnen, und darauf käme es an. Santorum kam hier auf den zweiten Platz. "In diesem Klima wird die konservative Alternative gewinnen, mit weniger geben wir uns nicht zufrieden."

Paul - der Libertäre

Gewinner des Caucus in der Aula der Schule in Des Moines war an diesem Abend Ron Paul. Der libertäre Abgeordnete aus Texas verspricht seinen Wählern eine radikale Reduzierung des staatlichen Einflusses inklusive der US-Notenbank Federal Reserve. Sein Unterstützer Chris Hern gab sich zuversichtlich: "Iowa wird ein Signal an New Hampshire und South Carolina senden, und dann sehen wir, was passiert." Doch in Iowa insgesamt kam Paul nur auf den dritten Platz – eine Enttäuschung für seine Anhänger, die mit einem besseren Abschneiden gerechnet hatten.

Ron Paul (Foto: ap)

Ron Paul

Ron Paul versuchte, sie zu trösten. Diese Bewegung werde weiter erfolgreich sein, erklärte er: "Wir machen weiter, wir werden das Geld dafür sammeln, und ich habe keinen Zweifel daran, dass sich genug Freiwillige finden." Paul ist bekannt für seine loyalen Unterstützer, die in Iowa eine umfangreiche Kampagne für ihn geführt haben. Ob er aber tatsächlich die Ausdauer für eine längere Kampagne hat, ist genauso fraglich wie die landesweite Attraktivität seiner außenpolitischen Vorstellungen. Er fordert mehr oder weniger den globalen Rückzug der Amerikaner. Konkurrent Newt Gingrich erklärte am Abend: "Tatsache ist, seine außenpolitischen Ansichten sind ausgesprochen gefährlich für das Überleben der USA."

Romney – der Gemäßigte

Vielleicht entscheiden sich die republikanischen Wähler angesichts der Extreme Santorum und Paul dann doch für die langweilige, aber konstante Alternative: Mitt Romney, den ehemaligen Gouverneur von Massachusetts. Er kann das gute Abschneiden in Iowa ebenfalls als Erfolg verbuchen. Er hat hier zwar viel Geld ausgegeben, aber nur einen kurzen Wahlkampf betrieben. Er setzt auf Wählerinnen wie Amy Reynolds, die ihm im Caucus der Roosevelt High School ihre Stimme gaben: "Er ist derjenige, der Obama am wahrscheinlichsten schlagen kann, er hat Erfahrung in der Wirtschaft, er hat den Einfluss der Regierung zurückgefahren, und er sorgt sich um das hohe Haushaltsdefizit."

Für sie ist attraktiv, was andere konservative Wähler an Romney abschreckt: "Ich bin nicht extrem konservativ, gleichgeschlechtliche Ehe und christliche Werte sind für mich kein Thema, mir ist wichtiger, wie das Land regiert wird."

US-Präsident Obama (Foto: ap)

Herausforderer gesucht: US-Präsident Obama

So gab sich Romney selbst an dem Abend in Des Moines versöhnlich. Er gratulierte seinen beiden Konkurrenten Santorum und Paul und erklärte: "In dieser Wahlkampfnacht hat Amerika gewonnen, wir werden einen Wechsel im Weißen Haus bewirken und Amerika wieder auf den richtigen Weg bringen." Er griff nicht seine Konkurrenten, sondern Präsident Obama an. "Vor vier Jahren hat Obama eine Siegesrede gehalten, er hat in diesem Staat alle möglichen Versprechen gemacht, aber die Kluft zwischen seinen Versprechen von vor vier Jahren und seiner Leistung ist so groß, wie es noch nie in meinem Leben gesehen habe."

Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Iowa ist erst der Auftakt der Kandidatenkür. Die nächste Vorwahl ist in New Hampshire am 10. Januar, Mitt Romney ist der Favorit.

Ein Ergebnis hat Iowa immerhin schon gebracht, das Feld der Kandidaten schrumpft. Rick Perry, der Gouverneur von Texas, konnte lediglich zehn Prozent der Stimmen holen und landete auf dem 5. Platz. Er erklärte seinen Anhängern, er werde nach Texas zurückgehen, die Ergebnisse analysieren und überlegen, "ob es eine Zukunft für mich in diesem Rennen gibt". Das sah zunächst ganz danach aus, als ob er aufgeben wollte. Inzwischen ist aber klar, dass er erst mal weitermachen will.

Michele Bachmann, die mit fünf Prozent ein noch magereres Ergebnis erzielte, hat dagegen bereits ihren Rückzug bekannt gegeben. Sie wolle aber ihren Kampf gegen Präsident Obama und dessen Gesundheitspolitik gemeinsam mit dem künftigen Kandidaten der Republikaner für das Präsidentenamt fortsetzen, sagte sie.

Autorin: Christina Bergmann, USA
Redaktion: Marko Langer

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