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Politik

Romeo und Romeo in Kalifornien

Eine Homo-Ehe in den USA zu erwirken setzt einen ähnlich erbitterten Kampf voraus, wie eine Familienfehde im 16. Jahrhundert. Nur, dass die Schwerter von früher heute durch Paragraphen und Gerichte ersetzt werden.

Fernschreiber-Grafik

Fast kommt es einem vor wie die Geschichte von Romeo und Julia: Liebe gegen Tradition, zwei alleine gegen viele. Arthur Smelt und Christopher Hammer sind seit vielen Jahren ein glückliches Paar. Seit 1997 tragen sie Ringe. Aber offiziell dürfen sie sich nicht Eheleute nennen.

Die Bundesstaaten entscheiden

Eigentlich haben Smelt und Hammer einen mächtigen Verbündeten auf ihrer Seite: Schon zu Zeiten seiner Kandidatur versprach US-Präsident Barack Obama, die Rechte der gleichgeschlechtlichen Paare in den USA stärken zu wollen. Deshalb will er jetzt das so genannte DOMA, das "Defense of Marriage Act", ein Gesetz zum Schutz der Institution Ehe, abschaffen. Es besagt, dass kein US-Bundesstaat eine gleichgeschlechtliche Ehe anerkennen muss. Außerdem darf die Bundesregierung gleichgeschlechtliche Beziehungen niemals wie eine Ehe behandeln. Das heißt: Heteros werden vom Staat bevorzugt.

Was Ehe ist und was nicht, entscheidet allein der Bundesstaat. Nur Massachusetts, Connecticut, Iowa, Vermont, Maine, New Jersey und New Hampshire erlauben homosexuelle Ehen oder zumindest die so genannte "Civil Union", die eingetragene Partnerschaft. In Kalifornien - wo Hammer und Smelt sich gerne offiziell ihre Ringe anstecken würden - gibt es nur die häusliche Partnerschaft, die so genannte Domestic Partnership. Aber das auch nur für Paare, bei denen ein Partner mindestens 62 Jahre alt ist. Hammer und Smelt sind beide erst Ende 40. Und sie wollen nicht warten, bis sie an Gehstöcken vor den Altar treten müssen.

In New York und Washington D.C. werden "same-sex marriages" aus anderen Bundesstaaten zumindest anerkannt. Eine magere Ausbeute bei 50 Bundesstaaten.

Gegenwind für Obama

Präsident Obama stößt mit seinem Versuch, das DOMA abzuschaffen, nicht gerade auf offene Ohren. Das Unterfangen ist wohl etwa so beliebt wie eine Verdoppelung der Benzinpreise. Aber nicht nur von den Bundesstaaten kommt Obama ein starker Gegenwind entgegen. Selbst innerhalb der eigenen Reihen muss er kämpfen.

Das Justizministerium sieht das DOMA nicht als diskriminierend an. Es handele sich lediglich um einen zusätzlichen Vorteil für traditionelle Ehen. Außerdem dürfe der Bund die Autorität der einzelnen Staaten nicht einschränken. Sie müssten selbst entscheiden können, welche Form der Ehe sie anerkennen und welche nicht.

Happy End in weiter Ferne

Ob Smelt und Hammer in Kalifornien also jemals offiziell als Ehepaar gelten werden, ist fraglich. Aber sie wollen kämpfen. Vor dem kalifornischen Landgericht haben sie angefangen. Aber für ihre Liebe werden sie bis zum Obersten Gerichtshof gehen, wenn es sein muss. Und auch, wenn Smelt und Hammer juristisch gesehen nicht gewinnen, so setzen sie zumindest ein wichtiges Zeichen für die Öffentlichkeit und die kommenden Generationen - ganz wie Romeo und Julia eben.

Autorin: Isabelle Schaefers
Redaktion: Kay-Alexander Scholz