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Fokus Südosteuropa

Roma werden in Europa ausgegrenzt

Die Roma sind die größte Minderheit in Europa. Obwohl sie seit 1000 Jahren hier leben, werden sie immer noch diskriminiert. Zahlreiche Roma-Organisationen und Regierungen wollen ihre Lage verbessern - mit wenig Erfolg.

Dreiköpfige Roma-Familie aus dem Kosovo (Foto: DW)

Roma sind in Europa häufig in einer prekären Lage

Nedjo Osman ist Schauspieler. Seit 20 Jahren lebt und arbeitet er in Köln. Der gebürtige Mazedonier hat in Serbien eine Schauspielausbildung gemacht, spielte im Ensemble eines Roma-Theaters in der mazedonischen Hauptstadt Skopje und im serbischen Subotica und gastierte bei zahlreichen Theaterfestivals von Athen bis Mexiko Stadt. Er ist beruflich erfolgreich -und kämpft immer noch gegen Vorurteile. Denn er ist ein Rom. "Ich dachte, ich muss das Bild von uns bei Nicht-Roma verändern, dem zufolge wir für Schule und Beruf ungeeignet sind. Ich habe alles unternommen, um dieses Bild zu verändern. Und auch wenn ich nicht der bettelnde Roma von der Straße bin und mich in intellektuellen Künstlerkreisen bewege, fühle ich mich dennoch diskriminiert", sagt Osman.

Unterschwellige Diskriminierung

Porträt von Nedjo Osman (Foto: DW)

Nedjo Osman fühlt sich auch als "mustergültiger" Roma diskriminiert

Allein in Europa leben zwölf Millionen Roma. Auch wenn sie die größte Minderheit in Europa sind, werden sie oft als Bürger zweiter Klasse behandelt und leiden häufiger an Armut und Perspektivlosigkeit als andere Teile der Bevölkerung.

Nedjo Osmans merkt das auch bei seiner Arbeit als Schauspieler. Wegen seines Aussehens, schwarzhaarig und leicht dunkle Haut, bekomme er meistens die Rolle des Verbrechers oder Mörders, sagt er. Das sei eine versteckte Form des Rassismus und der Diskriminierung, die viel gefährlicher sei als öffentliche Angriffe, Verfolgungen und Schikanen, denen die Roma in ganz Europa ausgesetzt sind. Der Kampf gegen diese versteckte Diskriminierung sei sehr schwierig und die Menschen würden unterschwellig negativ gegen die Roma eingestimmt, so Osman.

Integration durch Bildungsprogramme

Ein kleiner ungarischer Junge sitzt barfuß auf dem schmutzigen Boden inmitten von alten Lappen und anderem Unrat und spielt mit einem weggeworfenen Gummistiefel (Foto: dpa)

Roma leben noch heute häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen wie dieser Roma-Junge aus Ungarn

Zur Verbesserung der Lage der Roma wurde vor fünf Jahren auf Anregung der Weltbank die erste "Dekade der Roma" (2005 - 2015) ins Leben gerufen. In Südosteuropa beteiligen sich zehn Länder daran, in denen viele Roma leben. Und es sind Länder, in denen die wirtschaftliche Lage besonders schlecht ist. Wenn es Ländern wirtschaftlich schlecht geht, seien die Roma besonders von Armut betroffen, sagen Soziologen. Die zehn südosteuropäischen Staaten haben sich daher verpflichtet, auf nationaler Ebene Programme und Reformen durchzuführen, um die Lage der Roma zu verbessern und sie in die Mehrheitsgesellschaft zu integrieren. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Beschäftigung und Unterbringung.

Der finanzielle Arm der Roma-Dekade ist der "Roma Education Fund". Seine Aufgabe ist es, durch innovative Bildungsprojekte die Integration der jungen Roma zu fördern. Bislang sind 30.000 Roma-Kinder und -Studenten so finanziell unterstützt worden. Das Projekt zeige Erfolge, sagt der Direktor des Fonds, Tobias Linden. "Das Verhältnis der einzelnen Regierungen zu den Roma hat sich merklich verbessert. Bis vor fünf Jahren fanden Roma keine Erwähnung und heute spricht man über sie." Doch ein Problem bleibe bestehen: "Die Regierungen in den Ländern mit hohem Roma-Anteil haben zahlreiche Beschlüsse gefasst und viele Abkommen unterzeichnet, sie setzen sie jedoch in der Praxis nicht um", bedauert Tobias Linden.

Der 8. April gilt weltweit als Internationaler Tag der Roma. An diesem Tag fand vor 39 Jahren der erste Internationale Kongress der Roma statt. Damals wurde festgelegt, dass die Menschen, die bislang Zigeuner genannt wurden, offiziell Roma heißen.

Autorinnen: Selma Filipovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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