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Fokus Osteuropa

Roma in der Vojvodina vollkommen marginalisiert

Die Roma sind eindeutig die ärmste Gesellschaftsgruppe in der Vojvodina. Dies ist das Ergebnis eines Runden Tisches, an dem Vertreter von NGOs und der Behörden von Serbien sowie der Vojvodina teilnahmen.

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Vor allem Kinder leiden

Gründe für die schwierige Lage der Roma sind die hohe Arbeitslosenquote, der sehr niedrige Bildungsstand sowie offene oder verdeckte Diskriminierung. Dies stellten diverse Nicht-Regierungsorganisationen in ihren Untersuchungen fest. Bei einer Diskussion am Runden Tisch im Vojvodina-Parlament hieß es, die Roma hätten kaum Gesundheitsschutz und ihr Lebensstandard sei äußerst niedrig. Sie lebten überwiegend in isolierten Siedlungen, die häufig in der Nähe von Mülldeponien gebaut würden und seien oftmals nicht an die Wasser- und Abwasserversorgung angeschlossen. Jede zehnte Roma-Siedlung in Serbien verfüge nicht einmal über Strom. Die Geburtenrate sei bei den Roma sehr hoch, aber auch die Sterberate.

Geringer Gesundheitsschutz

Die Direktorin des Fonds für die Entwicklung des Non-Profit-Sektors in der Vojvodina, Ljiljana Milosevic, sagte: "Das größte Problem stellt heutzutage dar, dass weiterhin die meisten Geburten zuhause stattfinden – ohne gesundheitliche Kontrolle. Damit wird die Gesundheit sowohl der Gebärenden als auch des Neugeborenen gefährdet." Zudem seien zahlreiche Kinder nicht geimpft, was später zu großen gesundheitlichen Problemen führe. In den letzten Jahren trete unter den Roma auch häufiger Tuberkulose auf. Bei den Kindern seien Hautkrankheiten sehr verbreitet. Sowohl Kinder als auch Erwachsene litten ständig unter Atemwegserkrankungen beziehungsweise unter Asthma.

Opfer sind vor allem Kinder

Roma seien zudem von der Mehrheitsbevölkerung tätlich angegriffen worden. Zahlreiche Roma-Kinder seien allein auf der Straße, ohne elterliche Aufsicht. Somit seien sie häufig Opfer von Ausbeutung und von sexuellem Missbrauch. Äußerst negative Vorurteile kursierten ebenfalls gegen die Roma. "Ich glaube, es ist auch wichtig zu erwähnen, dass auch unter den Roma gegen die Menschenrechte verstoßen wird. Dies wird vor allem bei den Frauen deutlich, die unterdrückt werden. Und bei den Kindern wird gegen ihr Recht auf Bildung und gesunde Entwicklung verstoßen," so Ljiljana Milosevic.

Stille Diskriminierung

Der stellvertretende Sekretär für Arbeit und Beschäftigung in der Vojvodina, Miroslav Vasin, sagte, bei Einstellungen werde gegen Roma stille Diskriminierung betrieben. Denn häufig wollten Arbeitgeber keine Roma einstellen. Ferner würden sich die Roma selten arbeitslos melden. und wenn sie es täten, dann vermieden sie es meist, sich als Roma zu bezeichnen. Sie gäben eher an, Serben, Ungarn oder Rumänen zu sein.

Sytematische Lösungen gefordert

An der Diskussion nahmen Vertreter der Behörden von Serbien und der Vojvodina, der Roma-Organisationen sowie internationaler Organisationen teil. Abschließend wurde erklärt, dass diese Institutionen sowie die Roma-Organisationen den Augenblick nutzen sollten, um nun im internationalen Jahrzehnt der Roma die Probleme der Roma systematisch zu lösen.

Dinko Guhonjic, Novi Sad
DW-RADIO/Serbisch, 27.4.2005, Fokus Ost-Südost