1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Top-Thema – Podcast

Roma am Rand von Stadt und Gesellschaft

Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 90 Prozent, Kinder gehen zur Sonderschule, Armut, Drogen und Prostitution gehören zum Alltag. Viele Roma in Tschechien leben in ghettoähnlichen Verhältnissen.

default

Wer kein tschechisch kann, kommt auf die Sonderschule

Zwischen verrosteten Schaukeln, verdorrten Sträuchern und überquellenden Mülleimern spielen ein paar Roma-Jungen Fußball. Der trostlose Park liegt mitten im Prager Viertel Karlin, umgeben von herunter gekommenen, grauen Gebäuden und leer stehenden Geschäften: "Viele Wohnungen haben weder Strom- noch Wasseranschluss, die Arbeitslosigkeit liegt zwischen 90 und 100 Prozent und Kinder werden wegen mangelnder Sprachkenntnisse auf Sonderschulen abgeschoben.

Wie den Prager Stadtteil Karlin gibt es in Tschechien über 300 ghettoähnliche Viertel, in denen Roma auf engstem Raum leben, in Armut, isoliert und seit Jahren von der Politik ignoriert. Die Mehrheit der rund 250.000 Roma in Tschechien gehört zu den Verlierern der Transformation in Osteuropa: Tausende Roma hatten während des Kommunismus im Bergbau gearbeitet; diese Arbeitsplätze gingen nach 1989 verloren. Die tschechische Gesellschaft entwickelte sich weiter, doch die Roma erlebten den sozialen Abstieg.

In der ostmährischen Stadt Vsetin hat der Bürgermeister Jiri Cunek eine schnelle Lösung der Ghetto-Problematik gefunden: In einer Nacht- und Nebelaktion ließ er rund 100 Roma auf ein Gelände außerhalb der Stadt zwangsumsiedeln. Auf erste scharfe Kritik von Parteikollegen sagte er, er sehe sich als "Arzt, der ein Geschwür entfernt" und die Anerkennung seiner Bürger folgte prompt: Mit großer Mehrheit wurde er kurz danach in den tschechischen Senat gewählt.

"Die meisten Tschechen denken, Roma seien faul, kriminell und wollten nicht arbeiten", zitiert Jarmila Balážová eine Umfrage. Sie ist selbst Roma und erlebt Vorurteile und Diskriminierung häufig am eigenen Leib - obwohl sie zu den bekanntesten TV-Moderatorinnen Tschechiens gehört. "Mit meinem Job und einem Uni-Abschluss geht es mir besser als den meisten Roma, trotzdem werde ich zum Beispiel oft nicht in die Disco gelassen, weil ich Roma bin."

GLOSSAR

Sonderschule, die - spezielle Schule für Kinder, die Schwierigkeiten beim Lernen haben

ghettoähnlich - so wie in einem Ghetto

verrostet - angegriffen; alt

verdorrt - vertrocknet

überquellend - so voll, dass der Inhalt über den Rand hinübergeht

trostlos - hässlich; trist

jemanden abschieben - jemanden abwälzen

isoliert - von der Außenwelt abgeschnitten

ignoriert - nicht beachtet

Verlierer, der - hier: jemand, der durch äußere Umstände nichts mehr oder nur noch wenig hat

Abstieg, der - der Niedergang; die Verschlechterung

Nacht- und Nebelaktion, die - eine geheime, schnelle Handlung

jemanden zwangsumsiedeln - jemanden vorschreiben, wo er oder sie hinziehen soll

scharf - hier: stark

Geschwür, das - eine Entzündung oder ein Gewächs am Körper

prompt - sofort; direkt

kriminell - verbrecherisch

Fragen zum Text

Wie viele ghettoähnliche Viertel gibt es in Tschechien?

  1. über 300
  2. über 500
  3. weniger als 300

    Warum gehören viele Roma in Tschechien zu den Verlierern der Transformation in Osteuropa?

    1. weil sie eine schlechte Schulbildung haben
    2. weil sie durch Vorurteile diskriminiert werden
    3. weil sie während des Kommunismus im Bergbau arbeiteten und diese Arbeitsplätze nach 1989 verloren gingen

      Welche vermeintliche Lösung fand der Bürgermeister Jiri Cunek für die Ghetto-Problematik?

      1. er ließ rund 100 Roma auf ein Gelände außerhalb der Stadt zwangsumsiedeln
      2. er setzte sich für eine komplette Sanierung der Viertels ein
      3. er organisierte einen Jugendtreff für junge Romas

        Arbeitsauftrag

        Den Müll einsammeln, die Häuser anstreichen oder ein Café gründen - was könnte man tun um den Prager Stadtteil Karlin wieder schöner und attraktiver für seine Bewohner zu gestalten? Bilden Sie Arbeitsgruppen und erstellen Sie gemeinsam einen Plan. Präsentieren Sie Ihre Ideen anschließend der Klasse.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads