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Aktuell Kultur

Rom im Bann der Heiligsprechungen

Es ist eine Premiere in der rund 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche: Gleich zwei Päpste werden heiliggesprochen. Hunderttausende Gläubige sind nach Rom gekommen.

Papst Franziskus wird am Sonntag im Vatikan zwei seiner Vorgänger heiligsprechen: Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Bis zu eine Million Menschen werden in der italienischen Hauptstadt erwartet, unter ihnen viele Verehrer von Johannes Paul II. aus Polen. Die Hotels in Rom und der näheren Umgebung sind seit Wochen weitgehend ausgebucht.

Die Stadt hat rund um den Vatikan eine Sicherheitszone eingerichtet. Der Bereich zwischen Petersdom und Tiber-Ufer wurde zur Fußgängerzone erklärt. Außerdem wurden an mehreren Stellen Großbildschirme aufgestellt, damit die Menschen auch abseits des Petersplatzes die Zeremonie der Heiligsprechung zweier Päpste mit verfolgen können.

Die Päpste Johnnes Paul (l.) und Johannes XXIII. auf dem Titelblatt einer katholischen Zeitschrift (Foto: Getty Images)

Die Päpste Johnnes Paul (l.) und Johannes XXIII. auf dem Titelblatt einer katholischen Zeitschrift

Auch Politiker kommen

Anreisen werden zudem zahlreiche Staatsoberhäupter und Regierungschefs, etwa Polens Präsident Bronislaw Komorowski und seine Vorgänger Aleksander Kwasniewski und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa. Für Deutschland werden Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) an der Messe auf dem Petersplatz teilnehmen. Nach Angaben des Vatikan wird der emeritierte Papst Benedikt XVI. an der Heiligsprechungsmesse für seine Vorgänger teilnehmen und konzelebrieren.

Wunder sind Voraussetzung

Die Heiligsprechung ist in der römisch-katholischen Kirche eine feierliche Erklärung des Papstes über das vorbildlich christliche Leben eines Menschen und über dessen endgültige Aufnahme zu Gott. Nach dieser "Kanonisation", die im Rahmen eines Festgottesdienstes vollzogen wird, darf die betreffende Person von den Gläubigen weltweit verehrt werden. Der Heiligsprechung geht ein kirchlicher Prozess über mehrere Instanzen voraus. Dabei muss nachgewiesen werden, dass auf Fürsprache des Verstorbenen ein Wunder geschehen ist.

Papst des Konzils

Der Norditaliener Angelo Giuseppe Roncalli wurde im Oktober 1958 vom Konklave der Kardinäle zum Nachfolger des gestorbenen Pius XII. gewählt. Er nahm den Namen Johannes XXIII. an und wurde zu einem der großen Erneuerer der katholischen Kirche. 1962 berief er das Zweite Vatikanische Konzil ein, um Reformen in der Kirche voranzutreiben. Johannes XXIII. starb 1963 im Vatikan. Johannes Paul II. (1978-2005), der erste nicht-italienische Papst nach 455 Jahren, hat maßgeblich zum Ende des Ostblocks beigetragen. Bei 105 Auslandsreisen hatte er die christliche Botschaft in 140 Länder der Welt gebracht. Mit fast 27 Jahren war sein Pontifikat das zweitlängste der Kirchengeschichte.

Bundeskanzler Kohl im Jahre 1982 mit Papst Johannes Paul (Foto: dpa)

Bundeskanzler Kohl im Jahre 1982 mit Papst Johannes Paul

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl würdigte die Lebensleistung des aus Polen stammenden Kirchenoberhaupts: "Papst Johannes Pauls II. Beitrag am Zusammenbruch des Kommunismus bleibt unvergessen", schrieb Kohl in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung. Johannes Paul habe ganz wesentlichen Anteil daran gehabt, dass die friedliche Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas in den Jahren 1989/90 möglich wurde. Der Katholik Kohl, der von 1982 bis 1998 Kanzler war, fuhr fort: "Wir Deutsche und Europäer und mit uns viele Menschen in der Welt haben allen Grund, diesem großartigen Mann Dank zu sagen." Johannes Paul II. sei "der größte Papst seit langer Zeit" gewesen.

wl/uh (dpa, kna, epd)