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Rolle

Etwas spielt keine Rolle oder jemand fällt aus der Rolle – es scheint, als sei es ein weiter Weg von hier beispielsweise zur Rindsroulade oder zum Purzelbaum. Doch weit gefehlt, wie unser Stichwort zeigt.

Charlie Chaplin in Modern Times

Eine von Chaplins berühmtesten Rollen

Es ist merkwürdig, wie schnell und wie viel vergessen wird. Da können sich selbst Minister an ziemlich wichtige Vorgänge nicht mehr erinnern. "Die Dinge", sagen sie dann, "seien völlig aus der Luft gegriffen." Welche das im Einzelnen sind, ist unerheblich. Halt mal wieder ein Skandal oder eine Affäre. Welche Rolle hat dabei Herr X oder Frau Y gespielt? Nein, wir gehen nicht ins Theater und wollen auf keinen Fall das, was auf der politischen Bühne gespielt wird, mit der ehrenhaften Arbeit derer vergleichen, die auf den richtigen Bühnen stehen. Bei Schauspielern weiß man, woran man ist, und es steht sogar im Programm, welche Rollen sie spielen. Apropos Theater: Weshalb heißt die Rolle, die eine Schauspielerin oder ein Schauspieler spielt, Rolle?

Theater, Theater

Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde das, was der einzelne Schauspieler zu sagen beziehungsweise zu spielen hatte, auf einen Papierstreifen geschrieben. Es versteht sich von selbst, dass je nach Stück und Umfang der Rolle, diese Streifen recht lang sein konnten. Was lag näher, als sie zusammenzurollen. Bei den Proben wurde dann praktischerweise die jeweils benötigte Stelle aufgerollt und damit sicht- und lesbar. Der übrige Text blieb noch zusammengerollt. So konnte jeder seine Rolle auch bequem mit nach Hause nehmen und den Text, der auf ihr geschrieben stand, auswendig lernen.

Bald war Rolle nicht nur das Wort für den aufgerollten Papierstreifen, sondern auch für den Text, den die Schauspieler auf der Bühne vortrugen. Wenn wir heute sagen jemand fällt aus der Rolle, so ist damit in aller Regel schlechtes Benehmen oder Schlimmeres gemeint. Früher war dieses Aus-der-Rolle-Fallen Schauspielerjargon, wenn einer auf der Bühne plötzlich nicht mehr weiterwusste, den Text vergessen hatte und in seiner Verzweiflung etwas anderes spielte und sagte als er sollte.

Was nicht alles rollt

Nun aber schauen wir uns so eine Papierrolle etwas genauer an. Angenommen sie wäre perfekt gerollt, ergäbe sich als Rollenquerschnitt die Form eines Kreises. Und jetzt basteln wir uns eine Rolle. Wir schneiden einen Streifen Papier, rollen ihn sorgfältig auf und kleben am Ende ein Stückchen Tesa auf, damit er sich nicht aufrollen kann. Nun stellen wir unsere Rolle auf ein schräg gehaltenes Küchenbrett und lassen sie los. Was passiert? Sie rollt.

Damit ist klar: Alles was rollt, muss rund und rollenähnlich sein. Räder rollen. Die Rollen an unserem Bürostuhl rollen ebenfalls. Der Rollladen rollt rauf und runter. Das Rolltor ist in aufgerolltem Zustand eine Rolle mit rundem Querschnitt. Wie der Rollladen. Eine Rolle ist etwas, das zu einer Walze zusammengerollt oder zusammengewickelt ist.

Von der Erdbeerrolle zur Speckrolle

Eine Rolle ist aber auch eine Kugel, eine Walze oder ein Rädchen, auf und wodurch etwas rollt. Da gibt es das Gardinenröllchen oder die Rolle, über die das Seil eines Flaschenzugs läuft. Nicht zu vergessen: den Deoroller mit der rollierenden Kugel! Es gibt auch essbare Rollen: Die Erdbeerrolle etwa.

Sie trägt aber, vor allem wenn sie häufig und mit ordentlich Extra-Sahne genommen wird, bei manchen Menschen zur Bildung einer anderen Rolle bei, der so genannten Speckrolle. Sie kann nur durch zähe Turnübungen, die Vor- und Rückwärtsrollen beinhalten, zum Verschwinden gebracht werden.

Gerollte Fische

Da wir gerade bei essbaren Rollen sind, müssen wir die gute Rindsroulade erwähnen. Natürlich handelt es sich hierbei keineswegs um ein aufgerolltes Rind, sondern um ein feines Stück Rindfleisch, das aufgerollt wird.

Ähnlich ist es beim Rollmops. Auch er ist nur ein gerolltes Teil, aber mitnichten das eines Mopses, sondern eines Herings. Weshalb er Rollmops heißt, wird nie so ganz zu klären sein. Sicher ist jedoch, dass Rollmops besser als Rollhering klingt. Ach, nun haben wir ganz die politische Bühne mit ihren Akteuren vergessen. Aber das spielt jetzt auch keine große Rolle mehr.

Fragen zum Text

Wer aus der Rolle fällt, …

1. benimmt sich schlecht.

2. bricht sich sämtliche Knochen.

3. ist sehr dick.

Nicht essbar ist …

1. die Erdbeerrolle.

2. die Speckrolle.

3. die Rindsroulade.

Ein beliebtes Fischgericht ist der …

1. Rollhering.

2. Rollbarsch.

3. Rollbutt.

Arbeitsauftrag

Spielen Sie ein wenig "Theater" in Form einer Scharade: Bilden Sie zunächst zwei Mannschaften. In den Gruppen denken Sie sich dann eine bestimmte Anzahl von zweigliedrigen, anschaulichen Begriffen aus, die anschließend ein Spieler der jeweils anderen Mannschaft seinen Mitspielern pantomimisch darstellt.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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