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Bücher

Roland Kaehlbrandt: Deutsch für Eliten

Dieser Sprachführer lädt ein zum Flanieren durch die Kathedralen elitedeutscher Sprachschöpfung und führt durch Hallen voller Fußangeln und Gelächter, denn Sprachwelt ist Glitzerwelt.

Buchcover: Roland Kaehlbrandt - Deutsch für Eliten

Die deutsche Sprache, Gott sei's geklagt, wird verhunzt - in den Medien, von den Politikern, von den Sportlern, von den Journalisten, von den Industriekapitänen, von den Gewerkschaften, von den Jugendlichen, von den Popstars. Wenn man ehrlich ist: von allen.

Und die deutsche Sprache steht nicht allein: Denn das "amerikanische Englisch" ist häufig auch nicht als Englisch zu erkennen und selbst das von der "Académie française" geheiligte und gepflegte Französisch hat schwer mit den Modernismen zu kämpfen und unterliegt immer öfter. Es ist also nicht nur die deutsche Sprache, die sich einem Medienslang unterwirft, aber sie ist es eben auch.

"Vertrag zwei Jahre"

Zwei Beispiele gefällig? Dem deutschen Nationalstürmer Jürgen Klinsmann verdanken wir das ständig und stereotyp gebrauchte "wo", selbst dort, wo es weh tut. Denn Klinsmann und mit ihm Zehntausende von Sprachanhängern reden gerne so: "Im Sommer, wo" oder in der "Saison, wo".

Das richtige "wenn" oder "wann" scheint nur noch Goethekennern geläufig. Ebenfalls aus der Fußballwelt: Dort hat kein Spieler mehr "einen Vertrag noch über zwei Jahre", sondern der Spieler hat "Vertrag zwei Jahre" - auch wenn es sprachrhythmisch und grammatikalisch schmerzhaft knirscht.

Trendsetzende Talkshows

Beliebt durch Talkshows wurde auch die alles einleitende, Bescheidenheit vortäuschende Floskel "Ich denke" oder noch bescheidener "Ich denke mal", die wohl einfach aus dem Englischen übernommen wurden. Dieses "ich denke" verdanken wir der Politik, boshafte Spötter allerdings meinen, den Feministinnen in der Politik, die sich so vom Machohabitus der Männer absetzen wollten.

Nun gibt es endlich ein wunderbares Buch, ein kleines Lexikon "Deutsch für Eliten", in dem die schrecklichsten Worte aufgespießt werden - unterteilt nach Substantiven, Verben, Adjektiven und anderen Wortklassen. Der Romanist Roland Kaehlbrandt legt einen Sprachführer durch das moderne, das geläufige Mediendeutsch vor.

Falsche Benutzung

Er spürt nachhaltig und neugierig den gedanklichen und sprachlichen Unschärfen des Kauderwelschs und Wortmülls nach, das uns alle umgibt. Dabei sind die Worte ganz unschuldig, sie werden einfach falsch benutzt oder sind zu falschen Sprachbeispielen erstarrt.

Ob "die Denke", "die Ängste" oder "die Akzeptanz" - Kaehlbrandt zeigt dem Leser sachlich und logisch, was es mit dem Begriff auf sich hat und wann man ihn einsetzen kann oder gar muss. Und er baut Hürden für den sensiblen Leser auf - beispielsweise beim Begriffspaar "meistens immer". Da schreibt Kaehlbrandt:

"Wir fahren, sagt ein Kunde im Reisebüro, im Urlaub meistens immer nach Spanien". Ein anderer Kunde dagegen bevorzugt Italien, denn: "Bei den spanischen Hotels weiß man doch meistens nie, was einen erwartet."

Alles klar? Oder nur meistens immer? Oder meistens nie?


Roland Kaehlbrandt
Deutsch für Eliten
Econ, 2001
ISBN 3548750088
EUR 7,45