1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Rohstoffpreise erklimmen neue Höhen

Kaum verabschiedet sich die Wirtschaftskrise, schießen die Rohstoffpreise wieder nach oben. Noch mehr als Öl und Kohle werden Lebensmittel dabei zum Sorgenkind.

Weizenfeld (Foto: AP)

Weizenpreise auf Rekordhoch

Containerschiff (Foto: Bentin)

Die Krise verschaffte dem Markt nur eine kleine Pause

Auf der ganzen Welt sind in den Fabriken die Fließbänder wieder angesprungen, mancherorts laufen sie sogar schon auf Hochtouren. Doch um die große Nachfrage zu sättigen, brauchen die Firmen Rohstoffe. Kaum der Wirtschaftskrise entflohen, stöhnen sie nun über zu hohe Preise für Kohle, Baumwolle und Weizen. Allein im Dezember sind die Rohstoffpreise um 9,4 Prozent gestiegen, besagt der aktuelle Index des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Im gesamten Jahr 2010 legten die Preise um knapp ein Drittel zu. Die Krise hat dem Rohstoffmarkt somit nur eine kleine Verschnaufpause gegönnt. Dass Rohstoffe auf kurz oder lang immer knapper und dadurch teurer werden, ist unausweichlich.

Jeder denkt zuerst an sich

Schwellenländer brauchen ihre Rohstoffe zunehmend selbst und exportieren weniger nach Europa. China hält eine schützende Hand über seine Spezialrohstoffe, die vor allem in der Elektroindustrie gebraucht werden. Russland exportiert nach den verheerenden Bränden des letzten Sommers voraussichtlich noch bis zum kommenden Herbst kein Getreide mehr. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) verurteilt solche Einschränkungen im Handel. Einige Firmen seien dadurch schon in ihrer Existenz gefährdet.

Schluckauf am Lebensmittelmarkt

Es sind allerdings nicht nur fossile Rohstoffe, die im letzten Jahr teurer geworden sind. Noch nie waren die Preise für Grundnahrungsmittel so hoch wie im Dezember. Besonders knapp sind Zucker, Getreide und Fette. So ist der Weizenpreis 2010 um 72 Prozent gestiegen. Der renommierte Bonner Agrarökonom Joachim von Braun sieht die Gründe dafür nicht allein in der wachsenden Weltbevölkerung: "Lebensmittel sind heute so teuer, weil die Industrienationen lange Jahre versäumt haben, richtig zu investieren." Zwischen Angebot und Nachfrage gibt es auf dem Markt für Lebensmittelrohstoffe kaum noch Spielraum. Wenn das Wetter wie gerade in Australien eine ganze Ernte ruiniert oder Minen unzugänglich macht, kommt es gleich zu extremen Preissteigerungen. "Jeder kleine Schluckauf führt zu einer nervösen Preisreaktion", sagt Braun. "Außerdem spielen Spekulanten eine immer größere Rolle, wenn es auf dem Markt eng wird."

Große Schwankungen, große Gewinne

Schokolade (Foto: AP)

Spekulanten treiben den Kakaopreis nach oben

Investoren freuen sich derzeit über stattliche Renditen. Vom Großinvestor bis zum Kleinanleger sehen viele hier eine Chance und legen ihr Geld in Soja und Baumwolle an. Im Juli kaufte eine Gruppe Londoner Händler auf einen Schlag sieben Prozent der Welternte an Kakao auf und trieb den Preis auf den höchsten Stand seit 33 Jahren. Mit entsprechend großem Gewinn verkauften die Investoren den Kakao an Schokoladenhersteller. Das brachte Milka, Ritter Sport und Co. ordentlich ins Schwitzen, denn unter ihnen ist die Konkurrenz so groß, dass Preiserhöhungen im Laden kaum möglich waren.

Wenn es sogar teurer wird, Rohstoffe am Weltmarkt zu erstehen als sie in Deutschland zu fördern, könnten sich neue heimische Bergwerke lohnen. Im Erzgebirge fand vor kurzem die erste Sprengung im Bergwerk Niederschlag an der tschechischem Grenze statt. Ab 2014 sollen dort jährlich 135000 Tonnen Fluss- und Schwerspat, auch bekannt als die Mineralien Fluorit und Baryt, gefördert werden. Außerdem können Kupfer und Blei als Nebenprodukte gewonnen werden.

Autorin: Annika Reinert

Redaktion: Henrik Böhme

Die Redaktion empfiehlt