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Wirtschaft

Rohstoffgigant in Kinderschuhen

Die Deutsche Rohstoff AG hat das Ziel, eines Tages zu den ganz großen Rohstoffproduzenten zu gehören. Obwohl sie bislang fast nur Kosten produziert, scheint das Geschäftsmodell Anleger und Unternehmen zu überzeugen.

Goldförderung in Australien (Foto: Deutsche Rohstoff AG)

Die Deutsche Rohstoff AG fördert Gold in Australien

Weil die deutsche Industrie um die Versorgung mit Rohstoffen bangt, hat Wirtschaftminister Rainer Brüderle sie aufgerufen, eine "Deutsche Rohstoff AG" zu gründen, die sich um eine sichere Versorgung mit Rohstoffen kümmert. Was er nicht wusste: Eine solche Rohstoff AG gibt es schon seit vier Jahren. Und sie hat viel vor: Derzeit werden die weltweiten Rohstoffmärkte von den ganz großen Konzernen beherrscht. BHP Billiton, Rio Tinto, Exxon Mobil und wie sie alle heißen. Bald will auch die Deutsche Rohstoff AG zu diesen Größen gehören.

Dr. Titus Gebel (Foto: Deutsche Rohstoff AG)

Titus Gebel braucht viel Geld für neue Investitionen

Heidelberger Altstadt, 3. Stock, gleich über einer Musikschule - in den Altbauräumen der Rohstoff AG stehen die Telefone an diesem frühen Nachmittag nicht still. Die beiden Vorstände Titus Gebel und Thomas Gutschlag sind in ständigem Kontakt mit den Banken, denn an diesem Freitag sollen 320.000 neue Aktien ausgegeben werden. Das Geld wird gebraucht - für Investitionen, denn: "Langfristig möchten wir die Lücke füllen, die die Preussag und die Metallgesellschaft in Deutschland hinterlassen haben", sagt Gebel. "Das waren global aufgestellte Rohstoffkonzerne, die damals in den 80er-Jahren in der ersten oder zumindest in der zweiten Liga mitspielen konnten." Dafür will die Deutsche Rohstoff AG vor allem in Deutschland und anderen politisch stabilen Ländern Öl, Gas, Gold, Silber und Hightech-Metalle wie Indium, Gallium oder Seltene Erden aus der Tiefe holen.

Alles basiert auf hohen Rohstoffpreisen

Probenahme in Gütting (Foto: Deutschen Rohstoff AG)

Auf der Suche nach Gold in Deutschland

Zum Teil gab es schon einmal die Förderung solcher Rohstoffe in den westlichen Industrieländern. Beispielsweise war Deutschland noch in den 60er-Jahren der größte Ölproduzent Europas. Dann aber sanken die Preise und Förderanlagen wurden stillgelegt, weil sie nicht mehr rentabel waren. Viele Rohstoffe konnten in asiatischen oder afrikanischen Ländern billiger gefördert werden. Inzwischen sind aber die Rohstoffpreise kräftig gestiegen und Gebel meint, das sei keine vorübergehende Marktentwicklung. "Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung in China und Indien gibt es im Rohstoffsektor einen so genannten Superzyklus, also einen Boom in den nächsten 20 Jahren", ist Gebel überzeugt. Durch die daraus entstehenden hohen Rohstoffpreise werden vor allem die europäischen Lagerstätten auch wieder interessant.

Vor allem sind die Länder, die in den vergangenen Jahren relativ günstig Rohstoffe auf den Weltmarkt geworfen haben, politisch instabil oder sie werden ihre Vorkommen künftig für den Eigenbedarf behalten. China verbrauchte noch vor 16 Jahren nur rund acht Prozent des weltweit geförderten Metalls - heute sind es schon 25 Prozent. "Unsere Branchenvertreter sind sich einig: Wenn das Wachstum von China und auch von Indien und Brasilien in etwa so weitergeht wie bisher, dann werden wir in den nächsten 25 Jahren so viel Metall aus dem Boden holen müssen, wie in der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte."

Hauptsächlich Ausgaben, keine Einnahmen

Vorbereitung der Testförderung von Öl in Bedernau/Allgäu (Foto: Deutsche Rohstoff AG)

Öl aus dem Allgäu? Die Rohstoff AG lässt bohren

Das Geschäftsmodell der Deutschen Rohstoff AG, das auf der Annahme von hohen Rohstoffpreisen basiert, scheint die Anleger zu überzeugen. Seit dem Börsengang Anfang 2010 ist der Aktienkurs um rund 35 Prozent gestiegen. Und das, obwohl das Unternehmen seit der Gründung eigentlich nur Ausgaben und kaum etwas verdient hat. Bislang wurden nämlich hauptsächlich Rechte an Lagerstätten und Vorkommen gekauft und Möglichkeiten der Rohstoffförderung erkundschaftet.

Allerdings hat im Oktober die Georgetown Goldmine in Australien, die im Besitz einer Tochter der Deutschen Rohstoff AG ist, die Produktion aufgenommen. Im Dezember erwartet Gebel die ersten Goldbarren aus dieser Anlage. Und sie sollen der Deutschen Rohstoff AG schon in diesem Jahr - spätestens im nächsten - zu schwarzen Zahlen verhelfen. Auch die Rheinpetrolium GmbH, über die die Öl- und Gasprojekte in Deutschland laufen, soll 2011 - spätestens aber 2012 - die ersten Erlöse bringen.

Damit habe die Deutsche Rohstoff AG ihre Projekte außerordentlich schnell aktivieren können, meint Gebel. "Wir schauen uns Lagerstätten an, die bereits in der Vergangenheit erkundet wurden und rechnen durch, ob sich dort mit heutiger Technologie und höheren Preisen, die Förderung lohnt. So kürzen wir diesen enorm langen Zeitraum ab, den wir normalerweise in der Bergbaubranche von der ersten Prospektionsendeckung bis hin zur Produktion haben."

Keine Angst vor übermächtiger Konkurrenz

Vorbereitung zur Verrohrung der Ölbohrung Bedernau/Allgäu (Foto: Deutschen Rohstoff AG)

Die Ölförderung im Allgäu wird vorbereitet

Nicht nur Anleger, auch große Unternehmen scheint das Geschäftsmodell zu überzeugen. So hat der Chemiekonzern BASF in die Deutsche Rohstoff AG investiert, und es gibt Partnerschaften mit dem Ölriesen Exxon Mobile, einem der weltweit größten Rohstoffhändler Glencore und dem größten deutschen Öl- und Gasförderer Wintershall. Die Konkurrenz der riesigen finanzkräftigen Rohstoffkonzerne fürchtet Gebel nicht: Es sei auch für die größten Rohstoffunternehmen auf der Welt nicht möglich, alle möglichen Lizenzgebiete auf der gesamten Welt zu belegen, meint Gebel. Daher gäbe es viele kleine neue Unternehmen weltweit, die noch mal die Archive durchforsten und nach Projekten schauen, die den großen Konzernen zu klein sein.

Die Deutsche Rohstoff AG profitiert dabei von der früheren Teilung Deutschlands und ihren guten Kontakten in die Branche: "Gerade im Bereich ehemalige DDR ist es ganz interessant, weil die DDR das Land quasi perforiert hat auf der Suche nach Uran und anderen Rohstoffen und davon können wir heute zehren", sagt Gebel.

Am späten Freitagnachmittag erstirbt langsam das Klingeln der Telefone. Die Kapitalerhöhung ist über die Bühne gelaufen und Titus Gebel ist zufrieden. Ihm werden vier Millionen Euro in die Kasse gespült, die einen weiteren kleinen Schritt zum deutschen Rohstoffgiganten ermöglichen.

Autor: Insa Wrede
Redaktion: Jutta Wasserrab

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