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Asien

Rohstoffe statt Militär - China und Afghanistan

Während der Westen am Hindukusch den Terrorismus bekämpft, sichern sich chinesische Staatskonzerne Ressourcen in Afghanistan. Militärisches Engagement lehnt die Führung in Peking ab.

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China überlässt den Militäreinsatz in Afghanistan lieber anderen

Im afghanischen Boden lagern riesige Mengen an Kupfer und Eisenerz. Chinesische Staatsunternehmen haben es darauf abgesehen. Vor zwei Jahren kaufte ein chinesisches Bergbaukonsortium die Schürfrechte an der Kupfermine von Aynak für 3,4 Milliarden US-Dollar. In der größten Kupfermine der Welt in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul will man in den nächsten 25 Jahren 11 Millionen Tonnen des Edelmetalls fördern. Chinesische staatliche Unternehmen interessieren sich auch für die Eisenerzminen im zentralafghanischen Hajigak. Deshalb wird im Westen der Vorwurf immer lauter: China sichere sich Rohstoffe, während die USA und ihre Verbündeten gegen Taliban und Al-Qaida kämpften. „Die Strategie ist, dass man sich auf die ökonomischen Aspekte zurückzieht und sich in das Politische möglichst wenig einmischt“, sagt Conrad Schetter vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn. Die chinesische Führung hoffe, dass die USA und die NATO den Terrorismus eindämmen und China selbst nicht aktiv werden muss.

Wirtschaftsbeziehungen fördern die Sicherheitslage – sagt China

Afghanistan Taliban

Radikale Taliban sind auch für China eine Bedrohung, denn Peking fürchtet,...

Ye Hailin, Generalsekretär des Forschungszentrums für Südasien der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, weist solche Vorwürfe jedoch zurück. Investitionsprojekte wie in Aynak seien Teil der chinesischen Entwicklungsstrategie. China habe ein großes Interesse an der Verbesserung der Sicherheitslage in Afghanistan, betont Ye. Durch den Aufbau der regionalen Wirtschaft würden Arbeitsplätze geschaffen. Das käme langfristig auch der Sicherheit zugute. "Die Sicherheitslage hat auch Einfluss auf die gesellschaftliche Ordnung in unseren nordwestlichen Regionen“, so Ye Hailin. "Es ist nicht im Interesse Chinas, dass Afghanistan ein Trainingslager für Extremisten auf der ganzen Welt wird. Sollte das so kommen, wäre das eine Bedrohung für ganz Ostasien und für alle Anrainerstaaten.“

Die USA fordern ein militärisches Engagement

Dem Westen reicht das nicht. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte deswegen im Februar letzten Jahres Unterstützung von der chinesischen Regierung in Afghanistan. Sie schlug sogar eine Intervention des chinesischen Militärs in Pakistan und Afghanistan vor. Doch die kommunistische Führung lehnte ab. China und die USA verfolgten in Afghanistan unterschiedliche Interessen. Die USA und die NATO müssten die Verantwortung in Afghanistan alleine tragen, so die Begründung.

Keine Intervention des chinesischen Militärs in Afghanistan

China Xinjiang Uiguren in Karla Plakat auf Chinesisch

...dass al-Qaida versucht, die Unabhängigkeitsforderungen in der chinesischen Provinz Xinjiang zu unterstützen

Letztlich aber seien die Interessen von China und den USA bezüglich Afghanistan gar nicht verschieden. Nur, das spreche niemand offen aus: „Gerade in Bezug auf Afghanistan will die chinesische Führung nicht zugeben, dass sie letztlich die gleichen Sicherheitsinteressen hat wie die NATO “ sagt Bernt Berger von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Denn al-Qaida stellt auch für China eine Bedrohung dar. Al-Qaida verfolge das Ziel, die uigurische Unabhängigkeitsbewegung in der chinesischen Provinz Xinjiang zu unterwandern und den Konflikt zu islamisieren, vermutet Berger. Die NATO handelt mit ihrem Kampf gegen den Terrorismus am Hindukusch daher auch im Sicherheitsinteresse Chinas. Den Vorschlag von US-Außenministerin Hillary Clinton wird China aber dennoch nicht befolgen, macht Ye Hailin unmissverständlich klar. "China trägt nur mit finanziellen und wirtschaftlichen Mitteln zum Aufbau Afghanistans bei. Das entspricht Chinas Außenhandelsstrategie und seiner Außenhandelstradition. Ohne UN-Mandat wird China garantiert keine militärischen Aktionen im Ausland vornehmen.“

Autor: Christoph Ricking

Redaktion: Silke Ballweg