1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Rohstoffe für die Industrie von morgen

Energiewende und Digitalisierung: Deutschlands Wirtschaft braucht dringend Rohstoffe. Doch wie können die Menschen in den Exportländern profitieren?

Zum Beispiel Terbium (Artikelbild): Bis zum Jahr 2035 soll sich die Nachfrage nach dem seltenen Mineral mehr als verdreifachen. Es wird für Motoren in Elektrofahrzeugen und Windkraftanlagen gebraucht.

Deutschlands Industrie braucht Rohstoffe wie Terbium dringend, wenn sie bei neuen Technologien Vorreiter sein will. "Ohne Rohstoffe gibt es keine Energiewende, keine Elektromobilität, keine schnellen Breitbandnetze und keine Industrie 4.0", warnte Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) auf dem Rohstoffkongress in Berlin.

Doch bei der Versorgung drohen Engpässe, fürchtet Grillo. Nicht nur, weil manche Bodenschätze selten sind. Die Konkurrenz auf den Weltmärkten wächst. "Am Zugang zu Rohstoffen wird sich die Frage entscheiden: 'Made in Germany' oder 'Made in China'?", sagte der BDI-Präsident.

Afrika Kongo Zinngewinnung

Arbeiter in einer Zinn-Mine südlich der Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo

Mehr Transparenz, mehr Arbeitsschutz, mehr Umweltschutz

Trotz des hohen Bedarfs: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mahnte die deutsche Industrie, die Bedingungen in den Herkunftsländern im Blick zu halten. "Unsere Abhängigkeit von Importen bringt auch eine Verantwortung gegenüber Menschen und der Umwelt in den Herkunftsländern mit sich", sagte Gabriel vor den Teilnehmern des Rohstoffkongresses.

Viele der begehrten Bodenschätze kommen aus Entwicklungsländern: Tantal etwa aus Ruanda, Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo.

"Vernünftige soziale und ökologische Standards erhöhen die Akzeptanz in der Bevölkerung in den Entwicklungsländern, aber auch in Deutschland", betonte Gabriel. Dafür müssten Politik und Wirtschaft sorgen - auch wenn es Länder gäbe, die darauf keine Rücksicht nähmen.

Video ansehen 06:11

Kongo: Das Geschäft mit illegalen Rohstoffen (24.08.2015)

Gemeint war wohl China, das sich mit einer aggressiven Expansionspolitik Zugriff auf Bodenschätze in Afrika sichern will. "Von Akteuren im Rohstoffsektor Transparenz zu fordern, ist keine Einbahnstraße. Diese Haltung nimmt uns auch selber in die Pflicht", sagte der Minister.

Risiko "Konfliktmineralien"

Es müsse vor allem verhindert werden, dass durch sogenannte Konfliktmineralien Kriege in Entwicklungsländern indirekt unterstützt würden, so Gabriel. Durch den illegalen Diamantenexport finanzierten sich unter anderem Rebellengruppen in den Bürgerkriegen in Sierra Leone und Liberia in den 1990er Jahren. In der Demokratischen Republik Kongo machten Rebellengruppen Gewinne aus dem Verkauf von Koltan. Auch deutsche Unternehmen gehörten zu den Käufern.

Der faire Handel von Rohstoffen auf den Weltmärkten sei eine Vorbedingung, damit die Menschen in den Herkunftsländern profitierten, sagte Marc Bungenberg, Völkerrechtler an der Universität des Saarlandes. "Nachhaltigkeit muss genauso Teil des internationalen Handelsrechts sein wie gute Regierungsführung und der Abbau von Marktbarrieren."

Zudem sei auch Transparenz in den Exportländern selbst wichtig. "Wie kann sichergestellt werden, dass das Geld, das für Förderlizenzen gezahlt wird, nicht auf irgendwelchen Nummernkonten versickert?", so Bungenberg.

Eine Möglichkeit: Die EITI-Initiative (Extractive Industries Transparency Initative). Auch Deutschland arbeitet darin mit. Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich, Rohstoff-Fördermengen und die Einnahmen aus dem Verkauf der Bodenschätze offenzulegen.

Auch Konsumenten sind gefordert

Neben Politik und Wirtschaft sollen auch die Konsumenten in Europa und den USA aktiv werden. "Die Konsumenten können natürlich darauf achten, fair gehandelte Produkte zu beziehen", sagt Peter Buchholz, Leiter der Deutschen Rohstoffagentur (DERA).

"Solche Konzepte werden gerade auch für Tantal, Zinn, Wolfram oder auch Gold diskutiert". Ein Beispiel ist das sogenannten "Fairphone". Zumindest ein Teil der Materialien dieses Smartphones stammt aus dem fairen Handel.

Mehr Produkte aus fair gehandelten Bodenschätzen - das sei nicht nur gut für die Menschen in den Entwicklungsländern, glaubt Buchholz. "Solche Produkte sind ja auch eine Chance für Unternehmen, einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen bei Konsumenten, die besonders nachhaltig eingestellt sind."

Audio und Video zum Thema