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Aktuell Asien

Rodrigo Duterte gewinnt Präsidentenwahl auf Philippinen

Er will Todesschwadronen einführen und das Parlament im Falle des "Ungehorsams" auflösen. Der "Hardliner" Rodrigo Duterte wird neuer Präsident der Philippinen.

Der 71-Jährige Duterte liege bei der Auszählung der Präsidentenwahl mit knapp sechs Millionen Stimmen Vorsprung uneinholbar in Führung, teilte die Wahlkontrollorganisation PPCRV in Manila mit. "Ich nehme das Mandat der Wähler mit extremer Demut an", sagte Duterte. "Ich werde nicht nur in jeder Stunde meines Tages, sondern auch im Schlaf mein Bestes geben."

Weit abgeschlagen folgen der Kandidat der regierenden Liberalen Partei, Mar Roxas, und die unabhängige Senatorin und ehemalige Lehrerin Grace Poe. Amtsinhaber Benigno Aquino durfte gemäß der Verfassung nach sechs Jahren nicht erneut antreten. Roxas räumte seine Niederlage ein und wünschte seinem Konkurrenten Erfolg.

"Vergesst Gesetze und Menschenrechte"

Duterte hatte sich im Wahlkampf mit markigen Sprüchen profiliert. Er prahlte damit, dass seit den 80er Jahren in der von ihm regierten Millionenmetropole Davao rund 1700 angeblich "Kriminelle" getötet worden seien. "Vergesst Gesetze und Menschenrechte", rief er auf seiner Abschlusskundgebung vor der Wahl. Der für "Recht und Ordnung" einstehende Politiker kündigte an, die Philippinen innerhalb von sechs Monaten von Drogen, Kriminalität und Korruption zu befreien, auch mit dem Einsatz von Todesschwadronen.

Anhänger Dutertes verschenken im Wahlkampf T-Shirts (Foto: Reuters)

Anhänger Dutertes verschenken im Wahlkampf T-Shirts

Auch drohte Duterte damit, im Falle eines Wahlsiegs das Parlament aufzulösen und das Kriegsrecht zu verhängen, sollten ihm die Abgeordneten nicht gehorchen. Der 71-Jährige prahlte zudem mit angeblichen sexuellen Leistungen und beschimpfte den Papst - und das im einzigen mehrheitlich katholischen Land Asiens.

Angst vor neuer Diktatur

Menschenrechtler und politische Gegner Dutertes befürchten, dass die Philippinen mit dessen Wahl zum Präsidenten 30 Jahre nach dem Sturz von Diktator Ferdinand Marcos erneut in autoritäre Verhältnisse abgleiten könnten. Der scheidende Präsident Aquino hatte Duterte als Gefahr für die Demokratie bezeichnet und ihn in einem Atemzug mit Adolf Hitler genannt. Aquinos Vater war 1983 von Schergen des Marcos-Regimes ermordet worden.

Die Philippinen werden seit Jahrzehnten von krimineller Gewalt und schwerer Korruption geplagt. Ein Viertel der gut 100 Millionen Einwohner lebt unter der
Armutsgrenze. Aquino war es zwar gelungen, die philippinische Wirtschaft zu stabilisieren, doch kamen die Früchte des Aufschwungs bei der Masse der Bürger nicht an. Duterte ist nicht zuletzt auch deshalb so erfolgreich, weil er nicht zu den einflussreichen Politikerfamilien des Landes zählt, aus der "Provinz" und nicht aus der Hauptstadt Manila stammt und weil er gegen die "alten Eliten" zu Felde zieht.

wl/haz (dpa, afp, kna, epd, dpa)