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Kultur

Rockstars noch vorm Stimmbruch

Wenn in Deutschland früher 15-Jährige sangen, trugen sie Anzüge, viel zu breite Krawatten und trällerten im Fernsehen Liedchen über die "Liebe Oma". Bei der Magdeburger Boygroup "Tokio Hotel" ist das völlig anders.

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'Tokio Hotel': Helden aller Mädchen, aber nicht schwiegermutterkompatibel

Knüppelharte Gitarren untermalen den Prä-Stimmbruchgesang von "Tokio Hotel"-Sänger Bill, der sich die gesammelten Frustrationen eines Pubertierenden von der Seele brüllt. "Ein Song auf dem Album heißt 'Gegen meinen Willen', da geht es um die Trennung der Eltern, was auch bei Georg, Tom und mir auch ein Thema war", erzählt Bill. Manche würden sagen, die Texte klängen zu erwachsen. Dabei könne man auch mit 15 schon viel erleben - "zwar nicht mit dem Umfang, oder der jahrelangen Erfahrung, aber es sind dann so kurze Situationen, aus denen diese Texte entstehen."

Poesie mit Kajal-Rand

Tokio Hotel

'Schrei': Die Boygroup lässt ihren Frust raus

Sänger Bill Kaulitz und sein Zwillingsbruder Tom sind seit dem Sommer 2005 wohl das für die deutschen Mädchen, was die Beatles für ihre Omas waren: Grund zur völlig haltlosen Hysterie, sobald sie irgendwo erblickt werden. Und das, obwohl Bill durch sein Aussehen sehr für Verwirrung sorgt. Toupierte Haare, Kajal-Stift um die großen Kulleraugen und lackierte Fingernägel, gepaart mit seiner Vorstimmbruch-Stimme - all das hinterlässt oft den Eindruck, dass da ein Mädchen am Mikrophon steht.

Wenn Bill dann noch sein Lied "Durch den Monsun" anstimmt, eine wie aus einem Poesiealbum abgeschriebene Geschichte eines romantischen Jungen auf der Suche nach seiner ersten Liebe, dann schmelzen Mädchenherzen wie Butter auf Lava-Steinen. Bill und Tom wären keine echten Rockstars, wenn sie dieses Gefühl nicht erwidern würden: "Wir haben uns schon oft in dieselbe verliebt, aber es gab dann noch nie Stress", betont Bill. "Wir lassen das Mädchen dann entscheiden, dann ist es für den anderen auch okay."

Ungecastet, ungezähmt

Bill von Tokio Hotel

Die Jungs um Bill Kaulitz geben sich als echte Rockstars - inklusive Tattoos und Zimmerverwüstung

Bill, Tom, Gustav und Georg: Die Jungs von "Tokio Hotel" leben gerade den großen Traum vom Rockstar - in einem Alter, in dem Mädchen normalerweise noch "doof" sind und Sammelbilder von Fußballspielern auf dem Schulhof getauscht werden. Dabei wäre es beinahe ganz anders gekommen. Denn Bill nahm im Jahr 2004 an der Castingshow "Starsearch" teil und hat es sogar ins Achtelfinale geschafft. Hätte er gewonnen, wäre er wohl nach einem Sommerhit dahin gekommen, wohin alle Castingshow-Gewinner kommen: in den One-Hit-Wonder-Himmel.

Aber da es nicht so ist, hetzten "Tokio Hotel" standesgemäß gegen alle Castingsbands, zertrümmern Hotelzimmer, piercen und tätowieren sich jede freie Hautstelle. Beliebtes Motiv: das eigene Bandlogo. "Wir fangen jetzt an, professionell Musik zu machen!", erklärt Bill. "Und an diese Zeit will ich mich immer erinnern."

Neid auf dem Schulhof

Jede Single Platz eins in den Charts, Goldauszeichnungen, den Echo Award und die "Krone" vom Radiosender Eins Live - "Tokio Hotel" sind nicht mehr aufzuhalten. Aber der Erfolg hat seine Schattenseite. Auf ihrem Schulhof wird die Band nicht nur bewundert. Neider beschimpfen und bedrohen die Jungs dermaßen, dass sie sich vom Unterricht haben frei stellen lassen. Angeblich bekommen die "Tokios" jetzt Privatunterricht. Aber ansonsten freuen sie sich immer wieder, in ihre Heimatstadt Magdeburg zurückzukehren. Denn hier, in ihrer gewohnten Umgebung, stellen sie immer wieder fest, wie groß ihr Erfolg eigentlich ist. "Wir treten so viel auf und kamen dann nach langer Zeit mal wieder nach Magdeburg", erzählt Bill. "Dann kamen ganz viele Leute, die einen erkannt haben und Autogramme wollten. So richtig versteht man das gar nicht, wie schnell das geht und wie viele Menschen darauf reagieren."

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