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Kultur

Rockstar und Friedensapostel

Er gilt als eine der großen Pop-Ikonen des 20. Jahrhunderts: Der Ex-Beatles-Sänger John Lennon. Am 8. Dezember 1980 wurde er im New Yorker Central Park erschossen. Ein Rückblick auf das kurze Leben des Pop-Stars.

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Kurzes, intensives Leben: John Lennon

Mark David Chapman hatte schon Stunden vor dem Dakota-Building direkt am New Yorker Central Park gewartet, als sein Opfer um kurz vor 23 Uhr aus der Limousine kletterte. John Lennon ging an Chapman vorbei auf das Gebäude zu. Der schüchterne junge Mann mit der Hornbrille zog seine Pistole und drückte fünf Mal ab. Lennon brach zusammen und starb während des Transports ins Krankenhaus. An diesem 8. Dezember 1980 endete das Leben eines Mannes, der wie vor ihm nur Elvis Presley das Leben und Denken der Jugendlichen bestimmt hatte.

Verklärung bis ins Mystische

Seit den Schüssen hat das Interesse an dem Gitarristen der Beatles nicht nachgelassen - es ist eher noch größer geworden. Die Figur Lennon wurde ins Mystische verklärt. In unzähligen Biografien wird er gewürdigt, jedes Detail seines wilden Lebens zerrte man ans Tageslicht.

Rockstar, Friedensapostel, Zyniker, Weiberheld, Paranoiker, "drogenverseuchter Taugenichts", Multimillionär, so wurde er bezeichnet. Lennon provozierte und raste mit Lichtgeschwindigkeit durch sein kurzes, nur 40 Jahre umfassendes Leben.

Massenhysterie

Die Beatles

Die Beatles bei einer Probe in London 1963. Von links nach rechts: Paul McCartney, George Harrison, John Lennon und Ringo Starr

Ende 1962 erschien die erste Beatles-Single "Love me do", drei Jahre später waren die "Fab Four" das größte Phänomen im Show-Business des 20. Jahrhunderts, wie Nic Cohn schrieb. Sie hatten bis dahin Millionen von Platten verkauft, Konzerte vor Zehntausenden kreischenden Fans gegeben, in Europa, den USA, in Japan und in Australien. John Lennon und Paul McCartney hatten die Lieder geschrieben, die das Lebensgefühl der 1960er Jahre auf den Punkt trafen. Eine Massenhysterie ungeahnten Ausmaßes brach aus - die John Lennon immer mehr isolierte. Der frühere Kunststudent träumte von den ersten Jahren der Beatles im heimatlichen Liverpool, von den ersten Gastspielen in Deutschland, vom ursprünglichen Rock.

Sehnsucht nach den alten Zeiten

"Wir waren richtige Live-Künstler in Liverpool, in Hamburg, in den Tanzschuppen. Was wir da zu Wege brachten, war einfach fantastisch. Wir spielten einfachen Rock. Und da konnte uns keiner schlagen", so Lennon.

Die Beatles erklommen ungeahnte Höhen, brachen alle Verkaufsrekorde - und verkauften nach Lennons Ansicht ihre Seele. Der provokante Rebell begehrte auf, wo er konnte - etwa, als bei einem Beatles-Konzert Mitglieder der Königsfamilie im Publikum saßen: "Für unser letztes Stück möchte ich Sie um Hilfe bitten. Auf den billigen Plätzen: Bitte klatschen. Und Sie dort auf den anderen Plätzen: Rascheln Sie mit ihren Juwelen."

Kämpfer für den Frieden

John Lennon und Yoko Ono

John Lennon und Yoko Ono demonstrierten 1969 sieben Tage lang in ihrem Bett im Amsterdamer Hilton Hotel für Frieden

1970 trennten sich die Beatles im Streit. Lennon war mittlerweile in zweiter Ehe verheiratet mit Yoko Ono, einer japanischen Avandgarde-Künstlerin. Er begann, sich politisch zu engagieren, wurde zum Kämpfer für den Frieden, thematisierte auf zahlreichen Solo-Platten seine traurige Kindheit, den frühen Tod der Mutter oder den abwesenden Vater. 1975 schließlich wurde Sohn Sean geboren.

Lennon, der mittlerweile in New York lebte, meldete sich vom Rock-Business ab. Er wurde Kinderwagen schiebend im Central Park gesehen, während seine Frau das Vermögen von rund 500 Millionen Dollar verwaltete. Dann - im Herbst 1980 - meldete er sich plötzlich zurück mit einer Platte namens "Double Fantasy", aufgenommen mit seiner Frau Yoko Ono. Eine Welttournee war für 1981 geplant, als Chapman mit seinen Schüssen alle Pläne zunichte machte.

Wilde Gerüchte um den Mord

Offiziell hieß es, der Mörder sei ein Irrer, ein fanatischer Beatles-Fan, der sich selbst für Lennon hielt. Gerüchte schossen ins Kraut: Chapman sei von der CIA angeheuert worden, um den politisch unliebsamen Engländer zu beseitigen. Bewiesen wurde nie etwas. Chapman wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, und Lennon wurde zum Mythos. Seine Frau vermarktete sein Erbe, gab Platten heraus und verkaufte noch die letzte Kritzelzeichnung des leidlich begabten Karikaturisten.

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