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Kultur

Rockband R.E.M. "verlässt die Party"

Die Mitglieder der Kultband R.E.M. gehen nach über dreißig Jahren gemeinsamen Musizierens getrennte Wege. Als College-Band gegründet, wollten sie die Welt verändern - und schrieben Musikgeschichte.

Das R.E.M. Trio (Foto: dpa)

Die Mitglieder von R.E.M. trennen sich - und die Fans trauern

Die Kommentare in der Twitter-Szene waren wohl voraussehbar: "It’s the end of the world, as we know it …. And R.E.M. feel fine." Die Fans erleiden das Ende der Welt, die sie kennen – nur der Indie-Rockband, die Schuld daran ist, geht es gut: Eine Anspielung auf den Text eines der Lieder, mit denen R.E.M. in den vergangenen drei Jahrzehnten Weltruhm eingespielt hat. Am Mittwoch (21.09.2011) dann das unerwartete Ende: Leadsänger Michael Stipe gab die Auflösung bekannt. Es sei keine einfache Entscheidung gewesen. Dennoch: "Alle Dinge müssen einmal zu Ende gehen und wir wollen es richtig machen, auf unsere Art", schrieb er auf der Internetseite der Band.

In einer gemeinsamen Erklärung der Mitglieder hieß es: "Wir gehen fort mit einem tiefen Gefühl von Dankbarkeit, von Endgültigkeit und mit Erstaunen über all das, was wir erreicht haben." Erreicht haben sie viel: Als College-Band startete R.E.M., die sich stilistisch nie ganz einordnen ließ, in den 1980ern im US-Bundesstaat Georgia. Damals seien sie eine Gruppe 19-Jähriger gewesen, die die Welt verändern wollten, erklärte Gitarrist Peter Buck.

Weltruhm mit 15 Alben

Leadsänger Stipe beim Konzert (Foto: dpa)

Leadsänger Michael Stipe beim Live-Auftritt in Magdeburg 2004

Mittlerweile sind die Gründungsmitglieder Buck, Leadsänger Stipe, Bassist Mike Mills und Schlagzeuger Bill Berry, der in den neunziger Jahren ausstieg, alle Anfang fünfzig. Ob sie seit ihrer College-Zeit tatsächlich die Welt verändert haben, darüber lässt sich streiten. Zumindest sind sie mit ihren oft melancholischen Liedern wie "Losing My Religion", "Everybody Hurts", "Imitation of Life" und "Man on the Moon" weltberühmt geworden. Und nebenbei heimsten sie auch mehrere Grammys und MTV-Music-Awards ein – und schafften es sogar in die legendäre "Rock 'n' Roll Hall of Fame".

Noch dieses Jahr brachte R.E.M. mit "Collapse into now" ihr 15. Studioalbum heraus, das auf Anhieb die deutschen Charts erstürmte. Mit dem Song "Überlin" lieferte das Trio eine Hommage an die deutsche Hauptstadt: Stipe besingt darin seine nächtlichen Streifzüge durch Berlin. Kritiker waren begeistert, doch der große Hit blieb aus.

Fangemeinde trauert

Der wachsende Druck von Plattenlabels, immer mehr Alben zu produzieren, habe sicher zum Ausstieg von R.E.M. aus dem Musikgeschäft beigetragen, sagte Ethan Kaplan im Interview mit mit der amerikanischen Musikzeitschrift "Rolling Stone". Der Leiter einer R.E.M.-Internetfanseite erklärte, das Ende der Band sei deshalb eigentlich vorhersehbar gewesen. Oder wie Leadsänger Stipe es ausdrückte: "Ein weiser Mann hat einmal gesagt, die Kunst besteht darin, die Party zum richtigen Zeitpunkt zu verlassen."

Die Nachricht von der Auflösung der Gruppe kam überraschend für die Fangemeinde. "Ich bin traurig, ich weine – aber ich liebe euch", schrieb etwa Gunilla aus Schweden auf der von Fans spontan eingerichteten Seite "thankyourem.com". AB dankte R.E.M. dafür, dass die Band seine High School Zeit aushaltbar gemacht habe. Frei nach dem Motto: "I’ve said too much, they haven’t said enough…"

Autorin: Naomi Conrad (dapd, dpa, rtr)

Redaktion: Martin Schrader