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Deutschlehrer-Info

Roboter soll Kindern Deutsch beibringen

Ein kleiner Roboter namens Nao soll Migrantenkindern zukünftig beim Deutschlernen helfen. An Schulen ist er in einigen Fächern schon im Einsatz, jetzt wollen Forscher Nao auch zum Sprachtrainer ausbilden.

Nao ist gerade mal 60 Zentimeter groß und sieht aus wie ein niedliches Roboterkind. Er kann sehen, hören und sich unterhalten. Das Licht der Welt erblickte er 2006. Er ist das Produkt eines französischen Roboterherstellers und hat sich an Schulen und Universitäten in den sogenannten MINt-Fächern schon bewährt – also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Ob Nao aber auch geeignet ist, Vier- bis sechsjährigen Migrantenkindern beim Deutschlernen zu helfen, muss sich erst noch zeigen. Forscher der Universität Bielefeld testen in den kommenden drei Jahren, ob er als Sprachtrainer taugt. Denn die Erzieher in Kindertagesstätten haben einfach nicht die Zeit, jedes Migrantenkind einzeln zu unterrichten. Die Roboter sollen aushelfen. „Die Sprachförderung durch den Roboter ist eine individuelle Ergänzung zu den bestehenden Angeboten“, sagt Stefan Kopp, Experte für künstliche Intelligenz an der Universität Bielefeld.

Förderung oder Isolation?

Im Januar 2016 ist das von der EU geförderte Forschungsprojekt namens „L2TOR“, gesprochen: „El Tutor“, angelaufen. Dabei kooperieren Informatiker, Pädagogen und Sprachwissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und der Türkei. „Wir programmieren den Roboter so, dass er die Interaktion mit dem Kind steuern kann, so dass das Kind möglichst gut unterstützt wird“, sagt Kirsten Bergmann aus der Bielefelder Forschungsgruppe. Zu den Kursinhalten gehören Vokabeln, einfache grammatische Strukturen und Zahlen, die möglichst spielerisch vermittelt werden sollen. Nao soll die Kinder mit simplen Übungen und einfachen Bildergeschichten auf einem Tablet durch den Sprachkurs führen.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. „Roboter sind keine Lösung für ein gesellschaftliches Problem“, moniert Beate Kennedy, Vorsitzende des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband. „Sprache ist ein Kernelement des Miteinanders. Sie bildet sich unter anderem auch fort durch Sozialisation, man übernimmt Wortschätze und orientiert sich an anderen.“ Ein Roboter schließe dies aus und dränge Einwandererkinder in die Isolation. „Andere Kinder spielen miteinander und das Kind sitzt mit einem Roboter in der Ecke.“

Eins-zu-Eins-Kommunikation mit Nao

Solche Bedenken hat Stefan Kopp nicht. Nicht nur eingewanderte Kinder bekämen die Chance, sich die neue Sprache spielerisch anzueignen, so der Professor. Auch deutsche Kinder könnten erste Erfahrungen mit einer Fremdsprache wie Englisch machen. Dafür setzen die Forscher auf das Modell der Eins-zu-Eins-Kommunikation, denn so lernen Kinder ihre Muttersprache. „Eltern stellen sich dabei auf das Kind ein und reden langsam und betont“, sagt Wissenschaftlerin Kirsten Bergmann. Nao soll es ihnen gleich tun. Seine Kamera fängt Mimik und Gestik der kleinen Sprachschüler ein, so dass er weiß, ob ein Kind frustriert ist oder sich freut. Um mit ihm kommunizieren zu können, muss Nao beide Sprachen, also die jeweilige Ziel- und Muttersprache, beherrschen.

Bevor der Roboter in anderthalb Jahren tatsächlich in einer Kita getestet wird, beobachten die Forscher aber zunächst echte Lernsituationen zwischen Schülern und Lehrern, denn im Unterricht lassen sich aufschlussreiche Hinweise sammeln. Schließlich soll Nao ein aufmerksamer Lehrer werden. Die Wissenschaftler tüfteln sogar daran, dass er die Stimmungslage und Lernfortschritte der Kinder erkennen und darauf reagieren kann. Eins hat Nao seinen menschlichen Kollegen auf jeden Fall voraus: Als Roboter verliert er niemals die Geduld mit seinen Schülern.

suc/mk (dpa,kna)

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