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Afro.Deutschland

Robin Rhode: Schwarz-Weiß-Malerei gibt es bei ihm nur in der Kunst

Seine Bilder sind schwarz-weiß. Wenn es um die Hautfarbe geht, hält der südafrikanische Street-Art-Künstler Robin Rhode von diesen Gegensätzen nichts. In seinem Berliner Atelier will er Zeichen gegen Apartheid setzen.

Robin Rhode liebt es, mit der Vorstellungskraft der Betrachter zu spielen. Er malt dreidimensionale Kreidebilder auf Mauern und Straßen und bezieht sich selbst als handelnde Person in diese Bilder ein. Der "Urban Artist" hat mit seinen monochromen Schwarz-Weiß-Arbeiten längst einen Platz in der internationalen Kunstszene.

Seit 2002 lebt Robin Rhode in Deutschland. Die Architektur habe ihn fasziniert, sagt er. Ein altes Brauhaus hat der südafrikanische Künstler in Berlin zum Atelier ausgebaut. Dort skizziert er seine Ideen und probt seine künstlerische Performance. "Ich sehe mein Studio als Labor. Die Zeichnungen, die hier entstehen, sind Übungen", erzählt Robin Rhode im DW-Interview. Er trainiert die Posen seines Körpers und die Bewegungen seiner Hände. "Wenn ich dann raus gehe und irgendwo eine passende Straße oder Wand finde, kann ich meine Ideen sehr effizient und schnell umsetzen." Die passenden Plätze findet der Street-Art Künstler meist in seiner Heimat, in Johannesburg. "Die Wände sind dort herrlich vom Ausmaß her, und sie bekommen so viel Sonnenlicht."

Rhodes Arbeit mit Tucci Russo

Buchcover Robin Rhode: Tension (Copyright: Hatje Cantz Verlag/Robin Rhode)

10 Jahre Robin Rhode in der Galerie Tucci Russo

Viel Zeit verbringt Robin Rhode auch in Italien. Genauer gesagt in der Galerie Tucci Russo in Torre Pellice, wo er 2005 seine erste große Soloausstellung "S.N.O.W." konzipierte. "S.N.O.W." steht für "Sculpture in Non-Objective Way". Gemeint sind Gebilde, die wie Skulpturen wirken, aber keine Objekte sind. So zeichnet er abstrakte geometrische Figuren und einfache Gegenstände wie Fahrrad, Klavier oder Pfeife auf Häuserwände und Straßen. Jeden Abschnitt des Entstehungsprozesses lässt er filmen oder fotografieren. Er selbst ist dabei Akteur, der an gemalten Ringen turnt oder die Pfeife raucht, deren Qualm sich auf einer Hauswand ausbreitet.

Mit Tucci Russo verbindet Robin Rhode eine tiefe Freundschaft. Der Galerist will nicht nur Kunst ausstellen und verkaufen, sondern auch den Entstehungsprozess von Kunst zeigen. Seine Galerie konnte Robin Rhode von Anfang an als Forschungsraum nutzen. Beeinflusst wurde er dabei von der Arte Povera, aber auch von den "Ready Mades" eines Marcel Duchamp. Eines seiner Vorbilder ist der italienische Künstler und Fotograf Paolo Mussat Sartor, der Performances und Gesten in den 1960er und 70er Jahren dokumentierte. Von ihm hat Rhode auch die monochrome Ästhetik der Schwarz-Weiß-Fotografie übernommen.

Gestikulieren mit den Händen, das ist Robin Rhode vertraut. "Diese Idee des Spielerischen und der Gesten war ein Teil der Gesellschaft, in der ich groß geworden bin. Das ist noch immer Quelle meiner Inspiration", sagt er. Komische und mitunter absurde Gesten untermalen in seiner Heimat Geschichten. Auch Robin Rhode will mit seinen Gesten und Bildern Geschichten erzählen. Mal humorvoll poetisch, mal mit ernstem politischen Hintergrund, geprägt von der Apartheid, die bis 1994 in Südafrika andauerte.

Street-Art mit "Spannungen"

Rhode arbeitet mit Kohle, Kreide oder Pinsel,  greift aber auch gerne zur Spraydose. Als Graffiti-Künstler sieht er sich allerdings nicht, denn anders als anonyme Sprayer will er bewusst Teil des Kunstbetriebs sein. Er arbeitet mit Musikern zusammen, die seine Kunstwerke beflügeln, konserviert seine Performances in Videos und Fotos und bearbeitete sie mit dem Computer. Außerdem entwirft er seine eigenen Kataloge, in denen die aufgenommenen Sequenzen in Fotostrecken abgebildet sind. Würde man die Seiten schnell hintereinander blättern, so entstünde der Eindruck eines bewegten Bildes - Kino im Kopf.

Robin Rhode: Tension / Broken Windows, 2011 (Copyright: Hatje Cantz Verlag/Robin Rhode)

Wie kommt etwas aus einem Fester heraus und wieder hinein, wie diese Jalousie?

Robin Rhodes jüngster Bildband heißt "Tension" (Spannung) und bildet zehn Jahre seines Schaffens in der Galerie Tucci Russo ab. Gemeint ist etwa die Spannung zwischen Abstraktion und Realismus, zwischen Köper und Malfläche, drinnen und draußen oder zwischen schwarz und weiß. Die Arbeit mit diesen Gegensätzen hat auch eine politische Dimension, ein Zeichen des Protestes und Widerstands gegen die Apartheid.

Was verbirgt sich hinter einer Wand? Was ist wirklich drinnen, was ist draußen? In der Vorstellung könnte die Mauer eine Gefängnismauer sein, verbunden mit dem Wunsch, durch ein gemaltes Fenster zu sehen, was draußen in der Welt vor sich geht. Imagination ist für den Künstler der Post-Apartheid die Essenz seiner Kunst. "Wenn man aus einer politisch und geografisch marginalisierten Gesellschaft kommt, befreit die Imagination emotional", sagt Robin Rhode. "Während der Apartheid wurde bei mir der Samen gesät, um eine imaginäre Freiheit zu trainieren."

Ein Leben mit Rassismus

Robin Rhode wurde 1976 in Kapstadt geboren. Bis 1998 studierte er in Johannesburg Kunst. Seine Erlebnisse und Erfahrungen während der Apartheid verarbeitet er nicht nur indirekt, sondern manchmal auch ganz direkt. In seinem Atelier lehnt ein überdimensionaler Kamm an der Wand. Schwarze Locken sind um seine Zargen an die Wand gemalt. "Die Arbeit thematisiert meine südafrikanische Identität. Der Afro-Kamm ist ein starkes Symbol", meint Rhode.

Videostill aus dem Film 'Afro.Deutschland': Robin Rhode mit einem Afro-Kamm über der Schulter (Foto: DW/S. Jacob-Engelmann)

Der Afro-Kamm, für Robin Rhode ein Symbol auch für Rassentrennung

Die Locken symbolisieren seine afrikanischen Wurzeln. Der Kamm selbst wurde in Zeiten der Apartheit benutzt, um die Rassen zu klassifizieren. Ging der Kamm schwer durch das Haar, dann wurde es für "Afro-Haar" befunden und man galt als "Schwarzer". Robin Rhode selbst sieht sich weder als schwarz noch als weiß, sondern als "colored". "Ich bin stolz auf meinen kulturellen Hintergrund, der von vielen Kulturen beeinflusst ist. Ich ziehe viel Positives daraus. Es hat mich bestärkt, eine sehr authentische künstlerische Sprache zu entwickeln."

Mit Kunst die Gesellschaft stärken

Nicht nur die Straßen und Wände in Johannesburg ziehen den Künstler immer wieder in die alte Heimat. Es sind auch die Menschen, die ihm am Herzen liegen. Gerade die Kinder möchte Robin Rhode unterstützen. Deshalb bindet er Kinder immer wieder in seine Kunstaktionen ein, gibt ihnen einen Pinsel in die Hand, damit sie ihm beim Malen helfen. Auf diese Weise gehöre ihnen das Bild zu einem Teil. "Wenn ich dann Südafrika wieder verlasse, bleiben die Bilder an den Wänden unberührt, weil sie den Leuten gehören", erklärt Robin Rhode. "Je mehr Leute am Besitz des Werkes beteiligt sind, desto mehr kann die Kunst die Gesellschaften weiterbilden und stärken."

Der Bildband "Robin Rhode Tension" ist im Hatje-Cantz-Verlag Berlin erschienen.

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