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Sport

Robert Harting: Der Goldtraum wird real

Der Druck war riesig: Diskuswerfer Robert Harting hat ihm standgehalten. Der Weltmeister sicherte sich in einem spannenden Duell mit dem Iraner Ehsan Hadadi den Olympiasieg. Es ist das sechste Gold für Deutschland.

Die Fotografen lauerten, dann kam die Geste auf die alle gewartet haben: Mit einem Urschrei riss sich Diskus-Hüne Robert Harting sein Trikot vom Oberkörper. Es folgte eine Ehrenrunde mit der deutschen Fahne und einer kleinen Hürden-Einlage, die bei den 80.000 Zuschauern im Stadion für Erheiterung sorgte. Harting ist der erste deutsche Leichtathletik-Olympiasieger seit den Spielen in Sydney 2000.

Gold in London - das war Hartings einziges Ziel. Darauf hatte er sein Training komplett ausgerichtet. Den Europameistertitel in Helsinki im Juni nahm er quasi im Vorbeigehen mit. Er verzichtete sogar auf seine übliche Jubelgeste mit dem zerissenen Trikot. Seine Begründung: "Das hebe ich mir für London auf." Seine Sehnsucht nach dem Olympiasieg war vielleicht auch deshalb so groß, weil er in Peking als Vierter knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt war. "Ich werde nie wieder Vierter", hatte er damals geschworen. Kurz vor den Spielen in London hatte er noch einmal nachgelegt: "Ich brauche den Olympiasieg, um die negativen Sachen aus meinem Leben zu spülen, um mich selber zu ertragen."

Großmaul mit Leistungsnachweis

Porträtaufnahme von Diskuswerfer Robert Harting (Photo: Marius Becker dpa)

129 Kilogramm Wettkampfgewicht bringt Harting auf die Waage

Das zeigt mit welcher Verbissenheit der Sportsoldat seine Ziele verfolgt. Der 2,01 Meter große Athlet ist in Cottbus geboren. 2001 feierte er seinen ersten großen sportlichen Erfolg. Mit dem Diskus wurde er Vize-Juniorenweltmeister. Es folgten weitere Titel. Bei der Leichtathletik-WM 2009 und 2011 gewann er die Goldmedaille. Nicht nur seiner Erfolge wegen war Harting im Gespräch. Am Rande der Heim-WM in Berlin 2009 hatte er sich für die Freigabe von Doping ausgesprochen und ätzte gegen eine Gruppe von DDR-Dopingopfern. Der Leichtathletik-Verband entschuldigte sich anschließend in seinem Namen für die "unbedarften" Aussagen. 

Harting ist ein Lautsprecher, seine Kritiker sehen in ihm ein Großmaul. Allerdings ist er ein Sportler, der auch in schwierigen Situationen Nervenstärke zeigt und seine markigen Sprüche mit Leistung unterstreicht. Abseits des Diskusrings macht Harting sein Ding. Er studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Berliner Universität der Künste und bezeichnet sich als Unternehmer. Nach eigener Aussage versucht er mit seinen Sprüchen als "unterbezahlter" Athlet in die Schlagzeilen zu kommen, um mehr Sponsoren zu finden. Als vermutlich einziger deutscher Goldmedaillengewinner in der Leichtathletik dürfte das nach diesen Olympischen Spielen auch so etwas leichter fallen.

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