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Amerika

Robert Gates: Der neue Mann an der Spitze des Pentagons

Der am Montag als neuer Verteidigungsminister vereidigte Robert Gates ist kein Unbekannter in der US-Politik. Der frühere CIA-Chef war unter Bush senior einer der engsten Berater im Weißen Haus und Chef der CIA.

Robert Gates, neuer US-Verteidigungsminister und Nachfolger von Donald Rumsfeld.

Robert Gates, neuer US-Verteidigungsminister und Nachfolger von Donald Rumsfeld.

Es ist ein gewaltiger Sprung: Eben noch Universitätsprofessor in College Station, einer texanischen Studentenstadt, jetzt US-Verteidigungsminister und Hoffnungsträger für einen Kurswechsel in der amerikanischen Irak-Politik. Doch Robert Gates ist keine unbekannte Person in Washington. Der 63-Jährige gilt als enger Freund der Familie Bush und wurde von Präsident George W. Bush bereits vor einem Jahr als Kandidat für den neu geschaffenen Posten des Geheimdienstkoordinators in Betracht gezogen.

Eine gute Beziehung wird ihm vor allem zu George Bush senior nachgesagt. Unter dem Vater des derzeitigen Präsidenten stand Gates von 1991 bis 1993 an der Spitze des US-Geheimdienstes CIA. Zuvor hatte er den Posten des stellvertretenden nationalen Sicherheitsberaters inne und war damit einer der engsten Berater des Präsidenten im Weißen Haus.

26 Jahre bei der CIA

Noch während seines Geschichtsstudiums an der Indiana University wurde der damals 23-jährige Gates 1966 von der CIA angeworben. Als Aufklärungsanalytiker und späterer Spezialist für Abrüstungsfragen beriet er in den frühen 1970er-Jahren die amerikanischen Unterhändler und promovierte neben seiner Arbeit mit einer Dissertation über die russisch-chinesischen Beziehungen. Noch in der Amtszeit von Richard Nixon wechselt Gates als Delegierter des CIA in den Stab des Nationalen Sicherheitsrates und arbeitet hier auch unter den Präsidenten Gerald Ford und Jimmy Carter.

Ab 1981 wurde Gates wieder in die Zentrale des CIA berufen und 1986 zum stellvertretenden Leiter ernannt. Als sein Chef, William J. Casey im gleichen Jahr schwer erkrankte, schien der Berufung von Gates an die Spitze des CIA nichts im Wege zu stehen. Doch Gates stolperte über die als Iran-Contra-Affäre bekannt gewordene Verwicklung des CIA in geheime Waffenlieferungen an den Iran und Weiterleitung des Geldes an die Contra-Rebellen in Nicaragua. Gates beteuerte zwar, über das Iran-Contra-Geschäft weitgehend in Unkenntnis gehalten worden zu sein, seine Nominierung als CIA-Direktor wurde jedoch fallengelassen.

Erst vier Jahre später, zu diesem Zeitpunkt bereits stellvertretender nationaler Sicherheitsberater und enger Berater Bush seniors, wurde Gates erneut der Posten des CIA-Chefs angetragen. Nach seinem Eingeständnis von Versäumnissen in der Iran-Contra-Affäre wurde die Nominierung vom Senat angenommen. Gates kurze Amtszeit bis zum Ausscheiden der Bush-Administration zum Jahresanfang 1993 verlief unspektakulär.

"Frische Perspektive"

Als Nachfolger Donald Rumsfelds tritt Gates nun im Pentagon ein schweres Erbe an. Die Wahlniederlage der Republikaner in den Kongresswahlen wird vor allem auf die Unzufriedenheit der Wähler mit der amerikanischen Politik im Irak zurückgeführt, die von Rumsfeld wesentlich beeinflusst wurde. Bush Entscheidung, sich von seinem Wegfährten Rumsfeld zu trennen, kommt einem Eingeständnis des Scheiterns nahe. Das US-Verteidigungsministerium brauche nun eine "frische Perspektive", hieß es aus dem Weißen Haus.

Ob Gates, dessen sicherheitspolitische Ansichten maßgeblich vom Kalten Krieg geprägt wurden, eine solche Perspektive eröffnen kann, bleibt zunächst offen. Es wird erwartet, dass Gates vor allem einen pragmatischeren Ansatz als ein Vorgänger Rumsfeld verfolgen wird und zudem die Fähigkeit besitzt, mit Politikern beider Seiten konstruktiv zusammenzuarbeiten. Bush betonte, er schätze an Gates Integrität, Klarheit und ein gesundes Urteilsvermögen.

Gates ist seit August 2002 Präsident der A&M-Universität in Texas. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nebenbei hatte Gates zuletzt in der Expertenkommission Iraq Study Group mitgearbeitet, einem überparteilichen Gremium, das im Auftrag des Kongresses Auswege aus der Irak-Krise weisen soll. (ba)