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Kultur

Riverbanks: Die Geschichten hinter den Flüchtlingsdramen

Die Nachrichten über die Flüchtlinge werden in Deutschland und Europa von Zahlen beherrscht. Kunstwerke wie der Film "Riverbanks" geben den Zahlen ein Gesicht.

Zigtausend neue Flüchtlinge pro Tag, hundertausende mehr als im Vorjahr, Statistiken und Hochrechnungen allerorten. Flüchtlinge aus Nah- und Mittelost, aus Afrika und aus den Balkanstaaten in bisher unbekannter Anzahl. Die Kommunen in Deutschland sind überlastet, die Politik verfällt in Streit. Das sind die Schlagzeilen, die derzeit die Zeitungen beherrschen, die allabendlich in den Nachrichten zu hören sind und im Internet während des ganzen Tages abrufbar.

So notwendig wie die Berichterstattung über den Flüchtlingsstrom nach Europa ist, so sinnvoll auch die Daten und Statistiken sind - Zahlen sind nicht alles. Dass man sich auch immer wieder mit den Menschen, die hinter diesen Zahlen stehen, beschäftigt, ist ebenso wichtig. Reportagen in Fernsehen und Zeitungen blicken oft hinter die Kulissen. Doch auch Spielfilme übernehmen diese Aufgabe, weil nur auf diese Weise die Debatten auch eine menschliche Seite bekommen.

Filmstill Mediterranea (Foto. DCM)

Flucht aus Afrika: Szene aus dem Flüchtlingsdrama "Mediterranea"

Vor kurzem (15.10.) lief schon der erschütternde Spielfilm "Mediterranea", eine internationale Co-Produktion des US-amerikanisch-italienischen Regisseurs Jonas Carpignano, in den Kinos. "Mediterranea" schildert das Schicksal zweier Flüchtlinge aus Burkina Faso, die ihr Glück in Europa suchen, greift deren Ratlosigkeit und Sehnsucht auf.

Nun kommt nach Festival-Premieren in Hamburg und Thessaloniki der griechisch-deutsche Film "Riverbanks" in die Kinos. Das Werk von Regisseur Panos Karkanevatos könnte aktueller nicht sein.

Blick auf Schleuser, Flüchtlinge, Soldaten und Beamte

Karkanevatos erzählt gleich mehrere Geschichten in seinem Film in Parallelhandlungen: Die der Schleuserin Chryssa, die ihr kärgliches Einkommen aufbessert, um ihre Familie zu ernähren. Der Soldat Yannis arbeitet als Minensucher am Grenzfluss Evros und wird tagtäglich mit den Fluchtversuchen der Menschen entlang der grünen Grenze zwischen der Türkei und Griechenland konfrontiert.

In Nebenhandlungen stellt der griechische Regisseur den Zuschauern noch andere Protagonisten vor. Eine kurdische Flüchtlingsfamilie, die sich in Istanbul aufhält und die zunächst die eigenen Kinder über die gefährliche Fluchtroute nach Europa schicken will. In Griechenland und der Türkei gestrandete elternlose Kinder, die, völlig auf sich allein gestellt, in die Fänge der Schleuser geraten. Schließlich die kriminellen Banden und Schleusergruppen, die in der griechischen Provinz agieren.

Filmplakat zum Film Riverbanks von Regisseur Panos Karkanevatos (Foto: RFF Real Fiction)

Filmplakat von "Riverbanks"

Europa als Hoffnungskontinent

Sie alle stellt Panos Karkanevatos in den Fokus, erzählt ihre Geschichten, kreuzt die Schicksale der Protagonisten, verzahnt ihre Lebensläufe. Angesiedelt ist das Geschehen des Films in der Region des Fluss es Evros, also an der Nahtstelle zwischen den beiden Ländern Griechenland und Türkei. Für die Flüchtlinge wird der Wasserlauf zum Symbol für eine möglicherweise bessere Zukunft: "Mit der Reise über den Grenzfluss ändert sich ihr gesamtes Leben", sagt der Regisseur, "Europa ist die Hoffnung vieler Flüchtlinge, für eine neue Heimat ohne Gefahr oder Verfolgung."

Karkanevatos: "Grauen eines Lebens am Limit"

Der Film sei der Versuch, sich der Geschichte der Flüchtlinge und ihrer Schleuser zu nähern: "Er lässt das Grauen eines Lebens am Limit erahnen." Was Karkanevatos gelingt, ist nichts weniger als dem nackten Zahlenspiel der Nachrichten ein Gesicht zu geben. Bei all den Debatten über die Verteilung der Flüchtlinge in Europa und die Überlastung der Behörden ist es gut, wenn der Zuschauer sich bewusst macht, um was es bei den vielen Schicksalen geht: um das nackte Überleben der Flüchtlinge.

Darüberhinaus erzählt der Regisseur davon, wie schwierig es ist zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, zwischen Richtig und Falsch. In der Figur der Schleuserin Chryssa zeigt Karkanevatos, dass es auch unter denjenigen, die den Flüchtlingen helfen, Menschen gibt, die nicht aus Raffgier und kriminellen Motiven handeln - aber dennoch zu Schleusern werden. Das macht die Sache für den Betrachter nicht einfach, muss er sich doch ein eigenes moralisches Urteil bilden. Dennoch zwingt ein Film wie "Riverbanks" im Idealfall die Zuschauer zukunftig zu einer differenzierten Betrachtung des komplexen Themas.

Das Thema Flüchtlinge steht derzeit bei vielen Filmveranstaltungen und -festivals im Mittelpunkt. So zeigen "Cine Cologne" in Köln (17.-22.11) oder "Blicke - das Filmfestival des Ruhrgebiets" (25.-29.11.) Filme zum Thema. Gleichzeitig kooperieren zahlreiche Festivals mit Flucht-, Jugend und Sozialeinrichtungen und arrangieren spezielle Vorführungen für Geflüchtete oder stellen Tickets zur Verfügung.

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