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Asien

Rivalen im Syrien-Konflikt

Beim Gipfeltreffen der islamischen Staaten vergangene Woche war viel von Einheit und Gemeinschaft die Rede. Aber die Suspendierung Syriens hat einmal mehr die Rivalität zwischen Iran und Saudi-Arabien unterstrichen.

Das Gipfeltreffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) war schon durch den Tagungsort Mekka, die heilige Stadt des Islams, symbolträchtig. Die Rivalen um die Führung der islamischen Welt, Saudi-Arabien und Iran, waren während des Zusammentreffens (15.-16.08.2012) äußerlich um Harmonie bemüht. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erhielt einen Sitzplatz unmittelbar neben Gastgeber König Abdullah. In seiner Rede betonte der Gast aus dem Iran die Gemeinsamkeiten der islamischen Länder, die schwerer wögen als die Differenzen. Alle hätten eine gemeinsame Religion, einen gemeinsamen Propheten und ein gemeinsames heiliges Buch.

Diplomatische Niederlage Teherans

Teilnehmer der Gipfeltagung der IOC in Mekka (Foto: dapd/AP)

In Mekka wurde die Einheit der islamischen Gemeinschaft beschworen

Aber weder der hervorgehobene Sitzplatz noch die versöhnlichen Töne Ahmadinedschads änderten etwas am politischen Ergebnis des Treffens: der Suspendierung der Mitgliedschaft Syriens und damit der diplomatischen Niederlage Irans, des engsten und wichtigsten Verbündeten Syriens in der Region, und unter den islamischen Staaten.

Bereits vor dem Gipfel hatte Hermidas Bawand, Professor für Internationale Beziehungen an der Teheraner Universität, auf der zum Reformlager gehörenden Webseite "Iran Diplomacy" geschrieben: "Wir werden in Mekka vorgeführt."

Ahmadinedschad hatte selbst nicht erwartet, dass er die antisyrische Resolution verhindern könnte: "Meine Stimme war die einzige Gegenstimme, die auf dieser Konferenz erhoben werden musste", rechtfertigte er seine Reise nach der Rückkehr in den Iran. Dass Ahmadinedschad in Mekka nichts erreicht hat, liegt auch daran, dass die Saudis wissen, dass seine Ära sich dem Ende zuneigt: Er bleibt zwar bis zum Frühjahr nominell Staatspräsident, doch über Schicksalsfragen der Islamischen Republik wie das Atomprogramm und die Beziehung zu Syrien hat er nicht viel zu sagen. Die Saudis wissen, dass es der Revolutionsführer Ali Khamenei ist, der in Teheran den Weg weist. Und das ist ein Weg der Konfrontation.

Rivalen der islamischen Gemeinschaft

Anti-Assad-Demo in Damaskus (Foto: dapd/AP)

Teheran versucht, Assads Sturz zu verhindern

Die alte Rivalität zwischen Iran und Saudi-Arabien, die große Frage, wer die islamische Welt führt, "der Diener der heiligen Schreine in Mekka und Medina", wie sich der saudische König nennt, oder der "Führer der Islamischen Revolution" Khamenei, über diese Frage wird auch auf syrischem Boden gekämpft.

Der inoffizielle Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien wurde Anfang August wieder ins Schlaglicht gerückt, als 48 Iraner in Damaskus entführt wurden. Kurz nach dem Bekanntwerden der Aktion erklärte das iranische Außenministerium, die entführten Männer seien harmlose Pilger. Nur wenige Stunden später übernimmt eine pro-saudische sunnitische Rebellengruppe aus Damaskus, die sich nach einem Weggefährten des Propheten Al Beraa nennt, die Verantwortung. Im von Saudi-Arabien finanzierten Sender Al-Arabiya werden die Entführten vorgeführt. Der Sprecher der Rebellen hält Dokumente in die Kamera, die beweisen sollen, dass die Entführten keine Pilger seien, sondern Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden.

USA besorgt über Irans Rolle

General Pasdar Esmail Ghaani , Stellvertretender Kommandeur der Quds-Brigaden (Foto: IQNA)

Ismail Ghaani, Vizekommandeur der Quds-Einheit der Revolutionsgarden

Die Revolutionsgarden bestreiten ihr Engagement in Syrien nicht. Das Land sei die Stütze des Widerstandes gegen Israel, deshalb unterstütze man Syrien und stehe mit Stolz dazu, sagte General Ismail Ghaani, Vizekommandeur der Quds-Brigaden der Revolutionsgarden, Anfang Juli gegenüber einer iranischen Webseite: "Wenn wir nicht da wären, würden noch mehr Menschen sterben." Die Zitate wurden später gelöscht.

Die USA gehen inzwischen davon aus, dass der Iran versucht, Milizen zur Unterstützung des Regimes von Assad in Syrien aufzubauen. Zumindest einige der entführten angeblichen Pilger gehörten zur militärischen Eliteeinheit der Republikanischen Garden, die auf solche Auslandseinssätze spezialisiert sind, hieß es aus Washington. Man sei über diese Entwicklung sehr besorgt, so Verteidigungsminister Leon Panetta. Der Iran solle sich aus dem Konflikt heraushalten. Gleichzeitig deutete Panetta an, dass die Verbündeten der USA in der Region der syrischen Opposition "aggressivere Unterstützung" zukommen lassen würden - ein kaum verhüllter Hinweis auf Waffenlieferungen an die Rebellen durch die Türkei, Katar und Saudi-Arabien.