1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Ritterschlag für China-Aktien

Viele Jahre musste Peking auf diesen Schritt warten. Jetzt ist es endlich soweit: Chinesische Festlandaktien, die sogenannten A-Shares, werden in den globalen Index für Schwellenländer aufgenommen.

China ist künftig Mitglied in dem vielbeachteten MSCI-Index für Schwellenländer. Der US-Finanzdienstleister und Börsenbetreiber bezieht ab August 222 sogenannte A-Aktien in die Berechnung des 1,5 Billionen Dollar schweren Index mit ein, wie MSCI am Dienstag mitteilte. Damit ist China die Aufnahme im vierten Anlauf gelungen. In den vergangenen drei Jahren war die Volksrepublik mit dem Antrag abgeblitzt, weil MSCI den eingeschränkten Zugang von Investoren zum chinesischen Kapitalmarkt sowie die häufigen Unterbrechungen beim Aktienhandel kritisch sah.

A-Aktien sind Wertpapiere von Unternehmen, die in der chinesischen Währung Renminbi gehandelt werden. Ursprünglich konnten die Titel nur von Bürgern aus China gehandelt werden. An den Börsen in Shanghai und Shenzhen gibt es auch B-Aktien, die in ausländischen Währungen gehandelt werden.

Experten bewerten die Aufnahme chinesischer Papiere in den Index positiv. "Chinas Markt für A-Aktien ist der zweitgrößte Aktienmarkt weltweit", sagt Fondsmanagerin Jing Ning vom Vermögensverwalter Fidelity. Zahlreiche in China gelistete Unternehmen hätten etablierte Geschäftsmodelle, eine starke Preismacht und seien weltweit aktiv. Die nun in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommenen Papiere haben einen Anteil von 0,73 Prozent. MSCI bezieht in seine Schwellenländer-Berechnungen bereits chinesische Aktien ein, die an den Börsen in Hongkong und den USA gehandelt werden.

Symbolischer Schritt

"Die Entscheidung hat Strahlkraft", schreibt das "Handelsblatt". "Denn viele Fondsmanager orientieren sich am MSCI. Mit der Entscheidung des Börsenbetreibers könnten sie nun in China zukaufen." Große Marktbewegungen werde es jedoch nicht geben, sagte Huang Weiping, Vorsitzender des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Pekinger Volksuniversität. "Das ist ein symbolischer Schritt", urteilte der Professor.

Schließlich sind viele der erfolgreichsten chinesischen Unternehmen in Hongkong gelistet und schon seit Jahren internationalen Investoren zugänglich und in Indexfonds wie dem MSCI China Index enthalten. Besonders Technologiefirmen wie Tencent und Alibaba haben den Index im diesem Jahr bereits um 25 Prozent in die Höhe getrieben. Beide Firmen sind mit einer Bewertung von jeweils mehr als 330 Milliarden Dollar in die Riege der größten Firmen der Welt aufgerückt.

Auf- oder Abwärtsspirale?

In China wird die Entscheidung des MSCI als eine Bestätigung und Anerkennung der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes gewertet. "Für uns ist diese Entscheidung der Beginn einer Aufwärtsspirale, die zu einer höheren Anzahl an und einer stärkeren Gewichtigkeit der im MSCI Emerging-Markets vertretenen chinesischen Unternehmen führen wird", erklärte Danny Dolan, Geschäftsführer von China Post Global, der Vermögensverwaltungstochter der staatlichen Post. Peking erhofft sich zudem eine Zunahme ausländischer Investitionen.

Andere Beobachter mahnen jedoch zur Vorsicht. Sie argumentieren, dass momentan in China die größten Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft bestehen. Viele Staatsbetriebe sind überschuldet, produzieren ineffizient, kämpfen mit Überkapazitäten und werden nur durch Subventionen aus Peking am Leben gehalten. Bleiben diese aus, müssten Millionen von Arbeitern freigesetzt werden, was zu sozialen Unruhen und zu heftigen Kursverlusten führen könnte. Je mehr chinesische Aktien in globale Indices aufgenommen würden, desto schneller könnte ein Platzen der China-Blase auf andere Finanzmärkte übertragen werden.

wen/ul (dpa, Handelsblatt, boerse.ard.de, Archiv)