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Wirtschaft

Riss in der Boomtown

Erfahrungen des DW-Reporters Joachim Eggers in Indien.

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Eggers (rechts) in Aktion

"In einigen Fällen habe ich schon Krebskranke mit dem Pendel geheilt." S.V. Laksminarayana ist stolz auf seine Erfolge als Freizeit-Homöopath. Er behandelt Nachbarn und Bekannte, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Hauptberuflich Pressechef von MICO, einer Tochter der deutschen Firma Bosch, sitzt mir der 57-jährige streng gescheitelt gegenüber. Wir sind gerade beim Essen und Mr. Lakshmi, wie ich ihn nennen darf, ist ganz feierlich. Jetzt, beim Abschiedslunch im Hotel "Taj Residency" in Bangalore, ist er mit sich und seiner Arbeit zufrieden.

Keine Fragen

Zwei Tage lang hat er praktisch ununterbrochen auf mich eingeredet, hat die Vorzüge seines Arbeitgebers in den höchsten Tönen gelobt und fast scheint es, als hätte ich, der Journalist aus Deutschland, keine Fragen mehr. Also spricht er über Privates. Bereits 38 Jahre sei er im Unternehmen, als Stenotypist habe er angefangen und sich bis in die Pressestelle hochgearbeitet. Im nächsten Jahr gehe er in Rente. MICO, das größte deutsch-indische Joint-Venture, sei ein Unternehmen, das sich um seine Mitarbeiter kümmert: "Und trotzdem kann ich mir kein Auto leisten wie die Software-Ingenieure, die sich schon eins in ihrem ersten Berufsjahr kaufen."

Euphorische Aufbruchsstimmung

Durch die Wirtschaftswelt der Boomtown Bangalore verläuft ein tiefer Riss, der sich nicht mehr wegpendeln lässt. Auf der einen Seite gibt es die hochmodernen, expandierenden IT- und Biotech-Firmen, deren beinahe euphorische Aufbruchsstimmung mich an die Anfangszeiten der New Economy hierzulande erinnert. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die nicht an diesem Boom teilhaben, wie auch MICO. Obwohl sich die Tochterfirma von BOSCH seit den 50er Jahren maßgeblich an der Industrialisierung Indiens beteiligt hat. "Es gibt kaum ein Fahrzeug auf Indiens Straßen," sagt Mr. Lakshmi, "das ohne Zündkerzen von MICO auskommt, und kaum einen LKW, der nicht mit einer MICO-Einspritzpumpe fährt. "Aber trotzdem", entgegne ich, "wurden Teile der Produktion im letzten Jahr für einige Wochen stillgelegt, weil es keine Aufträge gab !?" "Das ist Vergangenheit", antwortet Mr.Lakshmi, "aber sind Sie denn schon satt?"

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