1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Risikofaktor Armut: WHO-Gipfel zu vernachlässigten Tropenkrankheiten

Vor allem Menschen in Entwicklungsländern sind von vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTD) betroffen - weltweit etwa 1,6 Milliarden. Unzureichende Behandlung und Versorgung kommen erschwerend hinzu.

Elephantiasis Beine eines Erkrankten (Content Providers: CDC)

Elephantiasis zählt zu den Vernachlässigten Tropischen Krankheiten

Jedes Jahr sterben 170.000 Menschen an NTDs, Neglected Tropical Diseases, an sogenannten vernachlässigten Krankheiten. Hinzu kommen Millionen, die als Folge solcher Krankheiten behindert sind oder entstellt. Bei den meisten handelt es sich um parasitäre und bakterielle Infektionen, aber auch um Virusinfektionen.

Vom 19. bis 22. April findet in Genf nun ein Gipfel von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der NTD-Community statt. Wege sollen gefunden werden, um die Krankheiten besser kontrollieren und verhindern zu können und die NTDs letztendlich auszurotten.

18 der wichtigsten vernachlässigten Tropenkrankheiten hat die WHO in einer Liste zusammengefasst. Wir beschreiben fünf davon:

Elephantiasis (Lymphatische Filariaris)

Diese Krankheit wird auch als Elefantenmann-Syndrom bezeichnet. Durch Lymphstau schwillt ein Körperteil sehr stark an. Meist sind das die Beine oder auch äußere Geschlechtsteile, wie die Hoden beim Mann. Die Haut ist dann verhärtet. Eine Ursache für die Elephantiasis können erbliche Faktoren oder  Entwicklungsstörungen sein. Bei dieser angeborenen Form leiden schon die Säuglinge an geschwollenen Extremitäten. Eine andere Ursache ist der Fadenwurm. Die Larven der Fadenwürmer gelangen durch Stechmücken in die Haut und dringen so ins lymphatische System des Körpers. Es kommt zu Entzündungen und zum Lymphstau. 120 Millionen Menschen leiden weltweit unter dieser Krankheit. Sie kommt in ganz Afrika südlich der Sahara und in großen Teilen Asiens vor. Es ist eine chronische parasitäre Krankheit. Sie wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Eine echte Heilung gibt es nicht. 

Bilharziose (Schistosomiasis)

Würmer Pärchenegel Schistosoma (picture-alliance/OKAPIA)

Dieser Wurm ist auch als Pärchenegel bekannt

Übertragen wird diese Krankheit durch die Larven eines Saugwurms. Schnecken, die in Süßwasser leben, dienen als Zwischenwirt. Die Erreger werden auch als Pärchenegel bezeichnet. Sie sind getrenntgeschlechtlich. Der weibliche Wurm befindet sich in der Bauchfalte des Männchens. Es gibt fünf Arten, die Bilharziose beim Menschen auslösen können. Zunächst gelangen die Bilharziose-Erreger in die Lunge, dann in die Leber. Sind die Würmer erwachsen, haben sie eine Größe von ein bis zwei Zentimetern. Die Wurmpaare siedeln sich dann in Blase und Darm an. Dort können sie Jahre bis Jahrzehnte leben. Ein Weibchen produziert zwischen 100 und 3000 Eiern pro Tag. Sie gelangen in den Urin oder den Stuhl.

Die Erreger schwimmen frei im Süßwasser und können in die Haut von Personen gelangen, die im Wasser schwimmen oder auch nur darin waten. Die Bilharziose kommt beispielsweise in Brasilien vor, in Surinam, in einigen Teilen Venezuelas, im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas sowie in Südwest- und Südostasien. Therapiert wird die Erkrankung meist mit Medikamenten gegen Wurminfektionen. Wird diese Behandlung nicht schon früh durchgeführt, kann die Bilharziose chronisch werden und in jedem Krankheitsstadium lebensbedrohlich sein. Weltweit sind etwa 200 Millionen Menschen infiziert.

Flussblindheit (Onchozerkose)

Flussblindheit Kwatu Dada Nigeria (picture-alliance/dpa/Christoffel-Blindenmission)

Eine winzige Stechfliege überträgt die Flußblindheit

Verursacht wird die Krankheit durch parasitische Fadenwürmer. Sie setzen sich im Bindegewebe fest. Dort verbreiten sie die sogenannten Mikrofilarien, die sich dann im Körper verteilen. Bei zehn Prozent sind die Augen betroffen. Die Menschen erblinden und haben eine um bis zu 15 Jahre verkürzte Lebenserwartung. Übertragen wird die Flussblindheit durch blutsaugende Kriebelmücken. Sie setzen Mikrofilarien frei. Die wandern durch die Haut und verursachen Dermatitis. Sie erreichen dann die Augen, wo sie große Schäden verursachen, die dann bis zur Blindheit führen. Einzige mögliche Therapie ist die Gabe von Entwurmungsmittel zu einem möglichst frühen Zeitpunkt. Eine Impfung gibt es nicht. Weltweit leiden etwa 40 Millionen Menschen unter Onchozerkose. Die meisten von ihnen leben in West- und Zentralafrika sowie in Zentral- und Südamerika.

Leishmaniose

Erreger der Leishmaniasis Leishmaniose (imago/Science Photo Library)

Erreger der Leishmaniose als Computer-Illustration

Übertragen wird diese Krankheit durch weibliche Sandmücken. Als Reservoir dienen Hunde, Nagetiere und andere Säugetiere. Wenn die Sandmücke infizierte Tiere oder Menschen sticht, nimmt sie das Virus auf. Über infiziertes Blut oder Spritzen kann es auch zur Übertragung von Mensch zu Mensch kommen. Es gibt verschiedene  Formen der Leishmaniose: die viszerale, die kutane und die mukokutane Leishmaniose.

Die viszerale Leishmaniose befällt die inneren Organe, vor allem Leber und Milz, aber auch das Knochenmark. Die Krankheit hat meist einen schweren Verlauf und kann tödlich enden, selbst bei intensiver Behandlung.

Die kutane Leishmaniose betrifft die Haut. Dort kommt es zu meist schmerzlosen Geschwüren. Sie heilen meist ohne medikamentöse Behandlung von selbst wieder ab. Aber es können tiefe Narben entstehen.

Die mukokutane Leishmaniose betrifft die Schleimhäute und die Haut. Der Verlauf dieser Krankheit ist meist ein schwerer. Sie befällt vorwiegend den Rachen- und Nasenbereich und muss unbedingt behandelt werden. Sie kommt ausschließlich in Südamerika vor.

Betroffen sind etwa zwölf Millionen Menschen. Gefährdet sind 250 Million, betroffen sind auch die Mittelmeerländer.

Trypanosomiasis (Afrikanische Schlafkrankheit)

Tsetse Fliege (picture-alliance/dpa)

Die Tsetse-Fliege überträgt Krankheiten über das Blut

Die Tsetsefliege ist Überträger der afrikanischen Schlafkrankheit. Parasiten verbreiten sich im Körper und greifen das zentrale Nervensystem an. Es kommt zu schweren Krampfanfällen, die Infizierten geraten in einen permanenten Dämmerzustand. Wird diese Krankheit nicht umgehend diagnostiziert und entsprechend behandelt, verläuft sie fast immer tödlich. Die ersten Anzeichen für eine Infektion sind Schlafstörungen, Unruhe, Reizbarkeit, Lethargie. Es können Epilepsien folgen. Im Endstadium nimmt der Dämmerzustand der Infizierten zu. Schließlich fallen sie ins Koma, das dann tödlich endet. Rund 30.000 Menschen sind betroffen, 70 Millionen in Zentralafrika sind gefährdet. Eine Impfung gibt es nicht.

Video ansehen 03:41

Im Kampf gegen vernachlässigte Krankheiten

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema