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Hessisch

Rischtisch herrlisch!

Das Hessische hat einen Hang zu Verkleinerungsformen und harte Laute sind dem Dialektsprecher ein Gräuel. Wenn man dann noch ein paar Worte am Ende kürzt, klingt alles gleich viel freundlicher: Hessisch eben!

Zieht man einen Sprachwissenschaftler zu Rate, so wird er erklären, dass es eigentlich gar keinen einheitlichen hessischen Dialekt gibt. zählt er gleich fünf Varianten der Mundart auf: Niederhessisch, Osthessisch, Mittelhessisch, Südhessisch und das so genannte Neuhessisch.

Eingefleischte Hessen berichten, dass sich schon zwischen einzelnen Dörfern der Dialekt verändert. Umso mehr ärgert es sie, dass im Allgemeinen mit dem Stichwort Hessisch meist der Altentertainer Heinz Schenk oder der Mainzer Fastnacht in Verbindung gebracht werden.

Die Justitia-Figur des Gerechtigkeitsbrunnens auf dem Frankfurter Römer

Grundregeln des Hessischen
Für jeden ist es eine große Herausforderung, sich etwas hessische Mundart anzueignen und dabei nicht an der Oberfläche der Mundartunterhaltung zu schwimmen. Bei genauem Hinhören ergeben sich trotzdem ein paar Grundregeln, die recht schnell zu erlernen sind.

Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr verwandeln die Hessen den ich-Laut in einen isch-Laut. Aus dem Wort wichtig wird also ein gesprochenes wischtisch. Das mag man ferschterlisch finden, oder eben einfach nur ganz herrlisch!

Am Wortende neigen die Hessen zu Abkürzungen. Bei allen -en-Endungen wird deshalb das -n weggelassen. Aus singen wird so singe, aus laufen wird laafe und so weiter. Endet aber ein Wort auf -e, zum Beispiel die Wiese, dann fällt das -e weg, das ist die Wies. Beim Plural wird es allerdings schon wieder kompliziert, denn aus die Wiesen wird nicht etwa die Wiese, sondern das sind die Wisse.

Der Innenraum der Frankfurter Paulskirche

Kurz gesagt
Und so kommt man zur nächsten Eigenheit des Hessischen, den Vokalverkürzungen: Endet ein Wort auf –el oder –en, spricht man oft den vorderen Vokal im Wortstamm kürzer. Nehmen wird zu nemme, Kübel zu Kibbel. Damit die Sprache noch ein bisschen lockerer wird, machen die Hessen meist aus dem etwas härteren b im Wort ein w. Hebel wird also Hewwel, aus haben wird hawwe.

Eine typische Erscheinung des Hessischen sind außerdem die Verkleinerungsformen. Auch ein großes Haus bekommt den Namen Häusje. Ist von mehreren die Rede, sind das die Häuserschen, Autos haben Rädersche, Männer tragen Hütersche.

Jetzt fehlt nur noch der hessische Genitiv. Denn wo es im Hochdeutschen so einfach geht, nehmen die Hessen lieber dem umständlichen Weg. Es handelt sich nicht etwa um Marias Auto, sondern es ist der Maria ihr Auto. Oder, wenn der Bruder von Maria Klaus heißt: Klaus seiner Schwester ihr Auto.

Die Documenta in Kassel

Die Urahnen der Hessen
Das sprachliche Kernland von Hessen liegt übrigens nicht in der heute wichtigsten und weltweit bekannten Finanzstadt Frankfurt, sondern weiter nördlich. In der Nähe der kleinen Stadt Fritzlar, wo Fulda und Eder zusammenfließen, war im 1. Jahrhundert nach Christus der germanische Volksstamm der Chatten zu Hause, auf die Hessisch zurückgeht. Im 16. Jahrhundert, als die dortigen Landgrafen eine Grafschaft bei Darmstadt beerbten, ist der Dialekt nach Süden exportiert worden.

Konservierte Sprache
Das ursprünglichste Hessisch wird heute übrigens in Ungarn gesprochen. Dorthin ist vor fast 300 Jahren eine große Gruppe aus der damals sehr armen Region Hessen ausgewandert. Diese Gruppe hat sich zumindest in den älteren Generationen ihre Heimatsprache, das Odenwälderisch und das Stiftsfulderisch bis heute erhalten. Auch unter den Russlanddeutschen werden zum Teil noch sehr alte Formen der hessischen Dialekte gesprochen.

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