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Sport

Ringer verlieren olympischen Überlebenskampf

Wenn es nach der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geht, soll Ringen aus dem Olympia-Programm der Spiele 2020 gestrichen werden. Droht der Traditionssportart nun der Untergang?

Gerechnet hatte mit dieser Entscheidung keiner. Überraschend hat die IOC-Exekutive bei ihrer Sitzung in Lausanne beschlossen, Ringen aus dem Programm der Olympischen Spiele 2020 zu streichen. Ringen gehörte schon bei den Olympischen Spielen der Antike zu den olympischen Sportarten. Seit den ersten Spielen der Neuzeit, 1896 in Athen, war es ebenfalls ununterbrochen olympisch. Nun aber droht der traditionsreichen Sportart der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Denn ohne die millionenschwere Unterstützung des IOC ist Ringen nur sehr schwer überlebensfähig.

"Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns. Es gab für uns keine Anzeichen weder beim Weltverband noch auf anderen Ebenen. Deswegen hat uns diese Entscheidung natürlich ganz schön hart getroffen", sagt Karl-Martin Dittmann, Generalsekretär des Deutschen Ringer-Bundes, im DW-Interview. Auch Pasquale Passarelli, Olympiasieger im Ringen von 1984, nahm die Streichung der Traditionssportart mit großer Bestürzung auf. "Das ist traurig. Es ist eine der ältesten Sportarten", meint der 55-Jährige. "Das Ringen ist zwar in letzter Zeit schlechter geworden, auch durch die Regeländerungen. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht. Ich dachte, die Sportart kann sich noch erholen."

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Ringen keine Olympia-Disziplin mehr

Das IOC begründete seine Empfehlung unter anderem mit den niedrigen Werten, die das Ringen bei einer detaillierten Analyse aller 26 olympischen Sommersportarten bekam. Die Programm-Kommission des IOC hatte dazu insgesamt 39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität für Jugendliche untersucht. "Wir sind in weit über 150 Ländern der Erde verbreitet und hatten bei den Olympischen Spielen in London Teilnehmer aus 70 oder 80 verschiedenen Nationen", sagt Dittmann gegenüber der DW. "Das zeigt die Vielfalt und die Verbreitung der Sportart und daher können das meiner Meinung nach nicht die Kriterien gewesen sein."

Definitiv ist das Olympia-Aus für die Ringer noch nicht. Die Entscheidung der Exekutiv-Kommission muss von der IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires zunächst noch bestätigt werden. Doch gilt dieser Schritt als reine Formalie. Bei ihrer Sitzung im Mai in St. Petersburg wird die Exekutive zudem empfehlen, welche Sportart nachrückt. Ringen kann sich dann mit den sieben olympischen Ersatzkandidaten (Baseball/Softball, Sportklettern, Karate, Rollschuhsport, Squash, Wakeboarden, Wushu) noch einmal dem Votum stellen. Mit einer unmittelbaren Wiederaufnahme ins Programm ist aber kaum zu rechnen.

"Der Weltverband muss bis Mai beim IOC Lobby-Arbeit machen und auf die internationale Verbreitung, die hohe Anzahl der teilnehmenden Nationen bei Olympischen Spielen und die ausverkauften Hallen, sowie die tolle Stimmung, die es dort gegeben hat, aufmerksam machen", meint Karl-Martin Dittmann. Er hofft auf einen Verbleib des Ringens im Olympia-Programm

IOC-Präsident Jacques Rogge bei einer Pressekonferenz (Foto: AP Photo/Fabian Bimmer)

IOC-Präsident Jacques Rogge hätte lieber auf den Modernen Fünfkampf im Olympia-Programm verzichtet

Vermächtnis des Pierre de Coubertin

Während die Ringer den Schock des drohenden Olympia-Ausschlusses erst einmal verdauen müssen, freuen sich die Vertreter des Modernen Fünfkampfs darüber, dass sie ihren Olympia-Status behalten dürfen. Intern hatte der Moderne Fünfkampf, bei dem sich die Athleten im Laufen, Schwimmen, Schießen, Fechten und Reiten messen, als Streichkandidat Nummer eins gegolten. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte bereits zweimal vergeblich versucht, sein Premium-Produkt Olympia auch auf Kosten des Modernen Fünfkampfes zu modernisieren, bei seinen Reformvorstößen auf der Session 2002 in Mexiko-Stadt und 2005 in Singapur aber jeweils empfindliche Niederlagen erlitten.

Doch auch dieses Mal retteten die Modernisierungsmaßnahmen des deutschen Weltverbandspräsidenten Klaus Schormann die Mehrkämpfer vor dem prophezeiten Ausschluss. Mit einem offenen Brief hatte er an die olympische Familie appelliert, "das Vermächtnis von Pierre de Coubertin", dem Begründer der modernen Olympischen Spiele, nicht zu zerstören, der den Modernen Fünfkampf stets als Inbegriff des Olympismus bezeichnet hatte. "Das ist beruhigend", kommentiert Bundestrainerin Kim Raisner den Verbleib im Olympia-Programm. Für Olympiasiegerin Lena Schöneborn wäre das Aus "ein unbeschreiblicher Verlust" gewesen. Die 26 Jahre alte Olympiasiegerin von 2008 sagt, dass der Abschied von den Olympischen Spielen "die Wurzeln unseres Sports" getroffen hätte. So hat es stattdessen das Ringen erwischt – eine der klassischen Sportarten der Antike.

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