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Kultur

Ring-Eifel: Papst bleibt ein besonderes Amt

Wird es normal sein, wenn Päpste in Zukunft wegen Krankheit zurücktreten? Äußerungen von Papst Franziskus legen das nahe. Die Bedeutung des Papstamtes schmälert er damit nicht, meint Ludwig Ring-Eifel.

DW: Papst Franziskus hat gesagt, er werde dem Beispiel seines Vorgängers folgen und zurücktreten, wenn er sich durch Krankheit nicht mehr in der Lage fühlt, sein Amt auszuüben. Welche Bedeutung hat diese Aussage für das Papsttum?

Ludwig Ring-Eifel: Es ist insofern bahnbrechend, als er die Bedingungen noch mal genauer präzisiert hat und er diese einmalige Geste von Papst Benedikt damit relativiert. Franziskus hat gar nicht so sehr von Krankheit gesprochen, sondern er hat gesagt, wenn ich merke, dass ich wegen des Alters die Kräfte nicht mehr habe, dann werde ich beten und werde zurücktreten. Das heißt, er hat den Rücktritt jetzt zu einem vollkommen normalen, institutionellen Vorgang erklärt, der zum Papstamt dazu gehört. Dabei lässt Franziskus vollkommen offen, wie Päpste in Zukunft aus dem Amt scheiden. Auch der Weg, den Johannes Paul II. damals gegangen ist, in der schweren Krankheit weiter im Amt zu bleiben, bleibt weiterhin möglich. Nur hat Franziskus für sich gesagt: Ich werde diesen Weg nicht gehen.

Was für ein Zeichen setzt Papst Franziskus, indem er betont, dass auch seine Möglichkeiten begrenzt sind?

Einerseits wird damit das Amt etwas entzaubert, gewissermaßen normalisiert, aber es behält natürlich das Besondere, dass vom Kirchenrecht her niemand den Papst zum Rücktritt zwingen kann, dass er auch nicht von irgendeiner Altersgrenze her gezwungen werden kann, sondern er allein entscheidet. Das bleibt das Besondere am Papstamt, während ja ein Bischof mit 75 Jahren seinen Rücktritt einreichen muss. Der Papst kann das, aber er hat weiterhin die freie Entscheidung, wann er das tut.

Wird mit der "Entzauberung", die Sie ansprachen, das Papstamt geschwächt?

Nein, eine solche Schwächung wäre nur dann gegeben, wenn eine Altersgrenze festgeschrieben würde oder man eine Institution einsetzt, wie zum Beispiel den Kardinalsrat, der bestimmt, wann der Papst zurückzutreten hat. Das alles ist nicht der Fall. Der Papst bleibt Herr des Verfahrens. Er allein entscheidet, ob er zurücktritt und wann er zurücktritt. Das Papstamt ist und bleibt ein ganz besonderes Amt.

Bisher wurde es aber doch scheinbar als Tabubruch gesehen, wenn Päpste zurücktreten. Warum?

Das war teilweise auch ein Missverständnis. Das Kirchenrecht sah immer schon den Rücktritt des Papstes als Möglichkeit vor. Es gibt einen Paragraphen, der das regelt. Es war mehr so eine Art Nimbus, der sich um dieses Amt gebildet hatte, vor allen Dingen die Befürchtung, dass, wenn ein Papst zurücktritt, dann entstehen zwei Päpste, es gibt so eine Art heimliche Kirchenspaltung zwischen den Anhängern des alten und denen des neuen Papstes. So, wie man das aus dem Mittelalter kannte. Das ist in diesem Fall überhaupt nicht eingetreten. Die Frage, die man Franziskus gestellt hatte, lautete ja: "Wie sind Ihre Beziehungen zum früheren Papst Benedikt? Und dann hat Franziskus erklärt, dass er sich mit Benedikt berät, dass sie im Austausch stehen, dass sie sich Briefe schreiben und miteinander sprechen. Das heißt, obwohl diese beiden Päpste sehr unterschiedlich sind in ihrer Persönlichkeit und Amtsführung, ist da keine Spaltung entstanden zwischen den beiden. Es geht also sehr gut mit diesem Modell, dass man einen alten, emeritierten Papst und einen neuen amtierenden Papst hat.

Jetzt gibt es zwei, was bedeutet es denn, wenn der Vatikan in einigen Jahren womöglich drei noch lebende Päpste beherbergt?

Ich glaube nicht, dass das einen wesentlichen Unterschied macht. Nur wird man dann für den zweiten emeritierten Papst einen weiteren Wohnsitz suchen müssen, sei es im Vatikan oder doch in der alten Papst-Residenz in Castelgondolfo in den Albaner Bergen. Es würde dann doch etwas eng werden, wenn in den vatikanischen Gärten mehrere emeritierte Päpste ihren Ruhestand verbringen.

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) und langjähriger Vatikankorrespondent.