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Wissen & Umwelt

Riesiges Ozonloch über der Arktis

Ein riesiges Ozonloch über dem Nordpol beunruhigt Wissenschaftler weltweit. Das Loch von der fünffachen Größe Deutschlands hat gefährliche UV-Strahlung frei gesetzt. Betroffen waren auch Teile Europas.

Computer-abbildung des Ozonlochs (Foto: dpa)

Das Loch über dem Nordpol wird immer größer

Erstmals haben Wissenschaftler in diesem Frühjahr ein riesiges Ozonloch über der Arktis nachgewiesen. "Der Ozonverlust im Frühjahr 2011 übersteigt jeden, der bisher über der Arktis gemessen wurde", schreibt das internationale Team, darunter der Potsdamer Atmosphären-Forscher Markus Rex, im Fachjournal "Nature".

Das Ozonloch sei binnen zwei Wochen über Osteuropa, Russland und die Mongolei hinweggezogen, berichten die Wissenschaftler. Dabei seien Menschen bisweilen hohen Strahlungen von ultraviolettem Licht ausgesetzt gewesen.

Ozonvernichtung im großen Ausmaß

Ein Ozonloch über der nördlichen Polkappe könnte so wie im Süden der Erdkugel auch in der nördlichen Erdhälfte Gefahren für Pflanzen und Tiere bedeuten. Das Ozon absorbiert in der Stratosphäre das ultraviolette Licht. Der Mangel an Ozon, der durch freigesetzte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), aber vor allem durch extreme Kälte hervorgerufen wird, setzt alle Lebewesen auf der Erde verstärkt dem ultravioletten Licht aus und führt beim Menschen zu Hautkrebs.

Auseinandergebrochene Eisschollen schwimmen auf dem Meer (Archivfoto: AP/dapd)

Der Klimawandel wirkt sich in der Arktis immer dramatischer aus

"Hier zeigen wir, dass die chemische Ozonvernichtung über der Arktis im Frühjahr 2011 - das erste Mal seit Messbeginn - vergleichbar zu der im Antarktischen Ozonloch war", erläutern die rund 30 Forscher in dem Wissenschaftsjournal. Wissenschaftler vom Alfred-Wegener- Institut (Abteilung Potsdam) und weiteren Forschungsstellen hatten bereits im Frühjahr auf das riesige Ozonloch aufmerksam gemacht. Sie veröffentlichten nun die Daten und die Entstehungsgeschichte des Lochs in einem Fachartikel.

Auch Deutschland betroffen

Die Luftmassen, die dem Ozonverlust über der Arktis ausgesetzt waren, drifteten nach Angaben von Rex im vergangenen Winter auch ein paar Tage lang nach Südeuropa. Das Ozonloch habe Norddeutschland Ende März gestreift, ein weiterer Ausläufer sei an einem Wochenende Anfang April über Süddeutschland gezogen. "An den Tagen hatten wir eine erhöhte UV-Strahlung", sagte der Forscher. "Da sind sicherlich zusätzliche Sonnenbrände aufgetreten, die zu Hautkrebs führen können."

Eine Ursache des Ozonlochs sei die ungewöhnlich lange Kälteperiode im vergangenen Winter gewesen. Demnach führten extrem niedrige Temperaturen in der Stratosphäre - einer Schicht etwa 20 Kilometer über der Erdoberfläche - zu einer Zunahme des ozonschädigenden Chlors.

Klimawandel trägt Mitschuld

Nach den Messungen der Forscher ging die arktische Ozonschicht Anfang dieses Jahres um 80 Prozent zurück - auf einer Länge von 18 bis 20 Kilometern. Die Ozonschicht wird jeweils bis zum arktischen Frühjahr dünner und füllt sich in den darauffolgenden Monaten wieder auf.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ozonlöcher sogar bei wesentlich milderen Temperaturen als in der Antarktis möglich sind", schreiben die Experten. Ob und wann es wieder zu solch großen Ozonverlusten kommen werde, sei bisher jedoch nicht absehbar. "Es gibt viele Winter, in denen man sich keine Sorgen machen muss", sagte Rex. Der Klimawandel führe jedoch verstärkt zu kühleren Temperaturen in der Stratosphäre.

Autor: Martin Schrader (afp, dpa)
Redaktion: Martin Muno

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