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Kultur

Riesenbammel vor dem 3:2

Fast 50 Jahre nach dem Sieg gegen Ungarn wird das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft von 1954 wieder lebendig: in dem Film "Das Wunder von Bern". Ein Exklusiv-Interview mit Sascha Göpel, dem Darsteller von Helmut Rahn.

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Sascha Göpel spielt den zweifachen Torschützen

DW-WORLD: Wann hast Du zum ersten Mal vom "Wunder von Bern" gehört?

Sascha Göpel: Als ich zehn Jahre alt war. Da habe ich in der E-Jugend gespielt und Helmut Rahn war der Ehrengast bei einem Sommerturnier meines Vereins. Wir wurden vorher gut gebrieft und wussten genau, wer Helmut Rahn ist. Das war das einzige Mal, dass ich ihn getroffen habe. Ich ahnte nicht, was das "Wunder von Bern" noch mal in meinem Leben bedeuten sollte.

Was wusstest Du vor den Dreharbeiten von Helmut Rahn?

Helmut Rahn war mit meiner Oma auf der Volksschule und hat in derselben Siedlung gewohnt. Daher kenne ich natürlich viele Anekdoten. Zum Beispiel, dass Rahn für ein Motorrad und einen Zaun von den Sportfreunden Katernberg zu Rot-Weiß Essen gewechselt ist. Katernberg konnte bei seinen Heimspielen keinen Eintritt nehmen, weil der Sportplatz nicht umzäunt war. Damit Rahn zu Rot-Weiß Essen wechselt, hat der Präsident von Rot-Weiß dann einen Zaun gesponsort.

Wie bist Du zu der Rolle gekommen?

Eine Freundin rief mich mitten in der Nacht an, weil sie von dem Casting für einen Fußballfilm gehört hatte. Mehr wusste sie auch nicht. Sie gab mir die Telefonnummer der Produktionsfirma und ich habe am nächsten Tag gleich dort angerufen. Ich war im zweiten Jahr auf der Schauspielschule also ein absoluter Niemand. Außerdem war die Bewerbungsfrist für das Casting schon abgelaufen. Aber ich habe am Telefon so lange genervt, bis man mich irgendwann eingeladen hat.

Wie hast Du dich auf die Rolle vorbereitet?

Da Helmut Rahn gesundheitlich stark angeschlagen war, war ein Treffen unmöglich. Also habe ich Zeitzeugen befragt. Zuerst natürlich meine Großeltern, aber auch ehemalige Spieler von Rot-Weiß Essen. Außerdem habe ich viel in Jahrbüchern und Vereinschroniken geforscht und seine Biografie gelesen.

Was habt Ihr gemeinsam?

Wir kommen beide aus Essen, sind beide hier groß geworden und haben beide bei Rot-Weiß Essen gespielt. Menschlich verband uns vielleicht so ein Grund- Enthusiasmus, ein Ja-Gefühl zum Leben. Ein positives Denken. Fritz Walter hat immer wieder erzählt, mit welcher Energie Helmut Rahn den größten Mist verzapft und immer für Stimmung gesorgt hat.

Was hättest Du Helmut Rahn gefragt, wenn Du ihn selbst noch einmal getroffen hättest?

Ich hätte ihn nicht nach dem 3:2 gefragt. Weil der arme Mann diese Frage ungefähr sechs Milliarden Mal in seinem Leben beantworten musste. Ich hätte ihn eher gefragt, wie das war, Teil eines Mythos´ zu sein.

Was hat es für Dich bedeutet, den Boss zu spielen?

Das ist die absolute Traumrolle, weil ich da meine Fußballeidenschaft mit meinem Schauspielberuf perfekt verbinden kann. Und dann darf ich natürlich noch einen Fußballhelden spielen. Und wenn man selber früher Fußballprofi werden wollte, dann bedeutet das sehr viel. Dazu kommt, dass ich aus Essen komme und Helmut Rahn der Held dieser Stadt ist.

Was war denn das Schwierigste an dem Dreh?

Das 3:2. Davor hatte ich einen Riesen-Bammel. Es musste ja exakt so aussehen wie damals. Hinterher bei den Schauspielszenen hatte ich immer jemanden an der Seite, den ich um Hilfe bitten konnte, zum Beispiel Sönke Wortmann, Peter Lohmeyer oder Peter Franke.

Du hast den damaligen Weltmeister Horst Eckel getroffen. Wie war das?

Sehr spannend. Horst Eckel hat uns erzählt, was damals so ablief bei der Nationalmannnschaft, wie die Stimmung war. Toni Turek hat im Mannschaftsbus Akkordeon gespielt und die Mannschaft hat sich warmgesungen. Das kann man sich ja jetzt alles gar nicht mehr vorstellen. Das war ja auch eine ganz andere Generation.

Hast Du noch Kontakt zu den anderen Darstellern der deutschen Mannschaft?

Ja, einen sehr guten sogar. Ab und zu trifft man sich. Schließlich sind wir zusammen Weltmeister geworden. Am kommenden Wochenende spielen wir sogar als Mannschaft bei einem Turnier in Hamburg mit.

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