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Das Kurzinterview

Richtig Atmen!

Nicht nur bei chronischen Lungenerkrankungen hilft eine optimale Atmung. Warum richtiges Atmen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat erfahren wir von der Physiotherapeutin Dorothea Pfeiffer-Kascha.

DW: Wir atmen alle automatisch, aber machen wir dabei auch alles richtig?

Pfeiffer-Kascha: Im Grunde genommen ja, sofern Gesunde nicht bewusst dauerhaft in den Atemvorgang eingreifen, geschieht das von alleine. Das hochsensible Atemzentrum im verlängerten Rückenmark, im Schädel, verarbeitet Signale aus den verschiedensten Stellen im Körper und steuert damit den Atemvorgang, und das erfolgt komplett unbewusst. Das Ein – und Ausatmen sollte durch die Nase erfolgen, in der die Luft für den Gasaustausch in der Lunge vorbereitet wird, d.h. sie wird erwärmt, gereinigt und angefeuchtet. Durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen, oder nur durch den Mund ein- und auszuatmen ist dagegen nicht förderlich.. Anders ist es bei einer gestörten Nasenatmung, z.B. wenn die Nase angeschwollen ist oder Wucherungen aufweist oder die Nasenscheidewand verbogen ist, dann wird das Mundatmen als leichter empfunden. Da muss natürlich die Ursache in der Nase behoben werden, damit wieder eine physiologische Nasenatmung im Vordergrund steht.

DW: Was sind denn die häufigsten Gründe dafür, dass die Atmung nicht optimal ist?

Pfeiffer-Kascha: Einer der wesentlichen Gründe ist, dass durch den Mund eingeatmet wird und nicht durch die Nase. Wenn durch den offenen Mund ein- und ausgeatmet wird, trocknen Mund und Rachen aus. Aber auch die Schleimhäute in den unteren Atemwegen büßen ihre Funktion ein, sodass Reizhusten oder erhöhte Infektneigung und gegebenenfalls asthmatische Beschwerden verstärkt werden können. Ein weiterer Grund ist, dass weniger mit Hilfe des Zwerchfells geatmet wird Angst und Stress fördern das unbewusste Anspannen der Bauchmuskulatur und der Faszien, so kann sich das Zwerchfell nicht mehr ausreichend absenken weil die Spannung der Bauchmuskulatur und der umgebenden Faszien die Vorwölbung der Bauchdecke verhindert. Das sind zwei ganz häufige Gründe, die bei Lungengesunden das Atmen einschränken. .

DW: Hat falsches Atmen Auswirkungen auf unsere Gesundheit?

Pfeiffer-Kascha: Stress und Angst können zu einem zu tiefen und häufigen Atmen führen, zur Hyperventilation. Dies führt langfristig zur Veränderung von Regelmechanismen in unserem Körper. Die Folge dieses gestörten Atemmusters mit häufigem Seufzen kann sein, dass Atmen vorwiegend im oberen Brustkorb stattfindet, dass dadurch die gesamte obere Muskulatur verspannt, dass Kopfschmerzen, Mißempfindungen und körperliche Schwäche entstehen. Die Lunge ist gesund, dennoch belastet die die Art und Weise des Atmens den Körper.

DW: Was lernen Patienten bei einer Atemtherapie?

Pfeiffer-Kascha: Bei der krankengymnastischen Atemtherapie, die auch Atemphysiotherapie genannt wird, ist das Ziel, die bestmögliche Atemfunktion wieder herzustellen und zu erhalten. Abhängig von dem Befund und der Anamnese erlernen Betroffene ihre Funktionsstörungen bzw. Ihre Atmung überhaupt erst einmal wahrzunehmen und sie zu beeinflussen. Dazu zählen Atemtechniken, die die Belüftung der Lunge verbessern oder Techniken zur verbesserten Ausatmung bei Atemnot, vor allem bei Erkrankungen wie COPD und Asthma. Oder sie erlernen Techniken zur Verbesserung der Sekretlösung z.B bei einer chronischen Bronchitis oder bei Mukoviszidose. Oder sie erlernen Techniken zum effektiveren Abhusten, das auch bei vielen Erkrankungen erschwert ist. Auch lernen sie Entspannungs- und atemkontollierende Techniken bei stressbedingter Hyperventilation. Einen großen Stellenwert nehmen die Selbsthilfetechniken ein, die geeignet sind, das Selbstmanagement von chronisch Kranken zu fördern..

DW: Kann man Krankheiten mit richtiger Atmung positiv beeinflussen?

Pfeiffer-Kascha: Der Umgang mit chronischen Erkrankungen wie z.B. Asthma, Mukoviszidose, COPD lässt sich mit der Unterstützung der erlernten Techniken positiv beeinflussen. Wenn Betroffene erkennen, dass sie zusätzlich zu der medikamentösen Therapie auch eigene Techniken atemerleichternd einsetzen können, hat dies großen Einfluss auf die Akzeptanz der chronischen Erkrankung und auf ihre Lebensqualität.


Dorothea Pfeiffer-Kascha arbeitet als Physiotherapeutin mit Schwerpunkt Atemphysiotherapie in Wuppertal. Sie ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Atemtherapie im Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V.
ag-atemtherapie@physio-deutschland.de

Das Interview führte Marita Brinkmann

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