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Deutschland

Richtfest bei der Elbphilharmonie

Sie soll Hamburgs neues Wahrzeichen werden und ist mittlerweile Sorgenkind der Stadt. Der Bau der Elbphilharmonie in der Hafencity verzögert sich und kostet deutlich mehr als geplant. Nun wird erstmal Richtfest gefeiert.

Architekt Pierre de Meuron auf der Baustelle posierend im Hintergrund duie halbfertige Elbphilharmonie (Foto: AP)

Architekt Pierre de Meuron auf der Baustelle im Mai 2010

Es ist Hamburgs prominenteste Baustelle. Fast rund um die Uhr wird hier gearbeitet. Aber es ist eben auch Hamburgs komplizierteste Baustelle: 4000 Baumängel haben die Planer bislang festgestellt - auch im so wichtigen Großen Konzertsaal, der später mal 2150 Menschen fassen und einer der besten der Welt mit einer exzellenten Akustik sein soll. Darum machen sich Planer derzeit die meisten Sorgen. Denn die Federpakete, auf denen der große Saal aus Schallschutzgründen ruhen soll, seien schief eingebaut, bemängeln die Architekten in einem aktuellen Prüfbericht.

Der große Saal (Foto: Herzog & de Meuron)

Das Herzstück: der große Saal

Diesen Vorwurf will der Hamburger Chef von Hochtief, Thomas Möller, nicht auf sich sitzen lassen. Nur bei einem Bruchteil der Federpakete stimme die Lage nicht und das werde man natürlich sofort beheben.

Der Teufel steckt eben im Detail. Und es gibt so viele Details bei der Elbphilharmonie - diesem komplizierten Gebilde aus Konzertsälen, Hotel, Restaurants und Luxus-Wohnungen in bester Hafenlage.

Erst der Rausch, dann die Sorgen

Bild der Philharmonie - Nordostansicht (Foto: Herzog & de Meuron) Bilder, Fotos, Videos Die Bilder stehen Ihnen für die redaktionelle Berichterstattung über unsere Konzerthäuser und Veranstaltungen bei Nennung des Fotografen kostenlos zur Verfügung. Eine kommerzielle Nut

So soll die Philharmonie einmal aussehen

Als 2005 die Hamburger Bürgerschaft den Bau der Elbphilharmonie beschließt, waren alle wie berauscht von dem kühnen Entwurf der Schweizer Star-Architekten Pierre de Meuron und Jacques Herzog: ein moderner Konzertsaal mit wellenförmiger Fassade auf einem alten Kaispeicher, eine geniale Verbindung aus Alt und Neu, hanseatischer Tradition und Weltsensation.

Auch der Erste Bürgermeister, Ole von Beust, geriet damals ins Schwärmen: Um international Profil zu gewinnen, brauche eine Stadt ein Bauwerk, das beim Betrachter ein Raunen der Bewunderung auslöse. Heute, fünf Jahre später, bezeichnet von Beust die Entwicklung des Baus als unerfreulich - ein Problem jage das nächste.

Baustelle der Elbphilharmonie (Foto: AP)

So sieht die Philharmonie Ende Mai 2010 noch aus

Das Prestige-Objekt ist zum Sorgenkind geworden. Der öffentliche Anteil der Stadt an den Baukosten hat sich vervierfacht: von 77 Millionen auf 323 Millionen Euro. Und die Eröffnung hat sich verschoben von Herbst 2009 auf - vermutlich - Herbst 2013. Die Hintergründe für Kostenexplosion und Bauverzögerungen soll nun ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären.

Architekten - Baufirma - Stadt

Schuld an allem sind laut Baufirma die Architekten, weil sie Detailpläne oft zu spät ablieferten. Die Architekten bestreiten das, halten Hochtief die Baumängel vor. Und zwischen beiden Seiten steht als Vermittler die Stadt Hamburg.

Projekt-Koordinator Heribert Leutner sieht seine Rolle als "Moderator, Mediator, Prügelknabe" und gibt sich optimistisch. Die schwierigsten Probleme, was Statik und Akustik angeht, habe man bereits gelöst. "Nun hapert es nur noch an der Umsetzung." Allerdings bestehe kein Zweifel darüber, dass die Vision Elbphilharmonie Wirklichkeit werde.

Bleibt die Frage, wann und zu welchem Preis. Denn schon jetzt stellt die Baufirma Hochtief Nachforderungen in Höhe von 35 Millionen Euro. Die Stadt hat diese Forderungen bislang noch nicht anerkannt, klagt ihrerseits vor Gericht von Hochtief einen verbindlichen Zeitplan für den Bau ein.

Nun wird aber erstmal mit Fischbrötchen, Bier und 1200 Ehrengästen Richtfest gefeiert - auch wenn hinter den Kulissen weiter die Fetzen fliegen.

Autor: Jörg Armbrüster
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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