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Aktuell Amerika

Richterin begrenzt Strafmaß für Wikileaks-Enthüller

Nachdem der wichtigste Anklagepunkt fallengelassen wurde, muss Wikileaks-Informant Manning nicht mehr die Todesstrafe fürchten. Nun hat eine US-Militärrichterin die mögliche Haftstrafe reduziert – auf 90 Jahre.

Richterin Denise Lind gab einem Antrag der Verteidigung statt, einige der Anklagepunkte zusammenzulegen. Dadurch werde das Strafmaß begrenzt, teilte das Militärgericht in Fort Meade bei Washington mit. Manning war in der vergangen Woche unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls von Dokumenten des Militärs für schuldig erklärt worden.

Der 25-Jährige hatte gestanden, in den Jahren 2009 und 2010 Hunderttausende geheime Dokumente der US-Streitkräfte und des diplomatischen Geheimdiensts an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben.

Der besonders schwerwiegende Vorwurf, den Feind unterstützt zu haben, hatte das Gericht fallengelassen. Dafür hätte die Todesstrafe verhängt werden können.

Entscheidung kam überraschend

Beobachter waren überrascht von der Entscheidung der Richterin. Lind folgte im Militärprozess bislang eher der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Mit dem begrenzten Strafmaß kommt sie nun der Verteidigung entgegen, die vor einer übertrieben hohen Strafe gewarnt hatte.

Lind befand, dass einiger der Manning zur Last gelegten Spionagevorwürfe Ergebnis jeweils ein- und derselben Handlung gewesen seien. Um eine "unvernünftige Vermehrung von Vorwürfen" zu vermeiden, sollten diese Anklagepunkte zusammengezogen werden.

Die Beratungen zum genauen Strafmaß dauern noch an. Die Dauer der Haftstrafe will das Gericht noch im August verkünden.

Der Vater der Obergefreiten, Brian Manning, zeigte sich trotz der Entscheidung des Gerichts erschüttert. Seinen Sohn entlaste auch der Verzicht auf den Vorwurf der Feindesunterstützung nicht wesentlich. "Er dürfte 90 oder 100 Jahre alt sein, ehe er das Tageslicht wieder sieht", sagte Brian Manning dem Sender CNN.

rk/ml (dpa, rtr, afp)