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Richten

Klar, die wirklich bedeutenden Urteile werden von Richtern im Gericht gefällt. Jedes Wochenende jedoch scheint es, als gäbe es da noch wichtigere Entscheidungen – wenn etwa ein Schiedsrichter das Abseits übersehen hat.

Schiedsrichter signalisiert eine Arbeitsstellung

Das gibt bestimmt wieder Proteste ...

"Der soll es nun richten!" Ein Satz, der häufig zu hören ist, wenn im Radio oder Fernsehen über ein Fußballspiel berichtet wird. Gemeint ist damit Folgendes: Ein Spieler der Mannschaft, die zurückliegt, wird soeben eingewechselt. Vielleicht kann er ja wenigstens noch den Ausgleich erzielen, damit das Ding nicht verloren geht. Er soll auf dem Spielfeld noch etwas ausrichten, soll heißen, mindestens ein Tor schießen oder auch mehr.

Der Herr der Spielregeln

Richten – ein Verb, das eng verbunden ist mit dem Nomen Richter. Und ein Richter im engeren Sinn ist auch der Schiedsrichter. Weshalb heißt der berühmte Mann in Schwarz denn Schiedsrichter?

Nun, er wacht darüber, dass die Regeln des Spiels eingehalten werden, und entscheidet kraft seines Amtes, was zu geschehen hat, wenn gegen die Regeln verstoßen wird. In gewisser Weise sind seine Entscheidungen einem Richterspruch vergleichbar. Auch er, der Schiedsrichter, sorgt dafür, dass dem Recht – in seinem Fall den Spielregeln – Geltung verschafft wird. Mal macht er das mit mehr, mal mit weniger Augenmaß.

Der Handwerker kriegt's hin

Richten ist ein Bewirkungswort. Was darunter zu verstehen ist, lässt sich am besten mit der Grundbedeutung von richten erklären. Es heißt nichts anderes als gerade machen. Das ist ganz wörtlich zu verstehen. Richten heißt aber auch, etwas eine ganz bestimmte Richtung geben.

Etwas richten ist ein Begriff, der vor allem im Handwerk geläufig war. Noch heute kann man vor allem im Süddeutschen hören: "Das lässt sich richten". Gemeint ist: Das kann man machen; das lässt sich wieder in Ordnung bringen oder auch reparieren. Die Uhr ist gerichtet. Sie geht jetzt wieder richtig. Der Uhrmacher hat sie repariert.

Den Blick in die richtige Richtung richten

Damit sind wir schon bei einer übertragenen Bedeutung des Wortes richten, und zwar in adverbialem Gebrauch. Richtig kann aber auch die Funktion eines Adjektivs annehmen. Beispiel: "Das ist der richtige Weg" – im Gegensatz zum falschen. Oder der von Politikern so ermüdend oft bemühte Schritt in die richtige Richtung, wobei dieser samt der richtigen Richtung ausschließlich in bildhafter Bedeutung zu verstehen ist.

Auch das Verb richten kann in entsprechendem Zusammenhang eine Richtung, ein Ziel markieren. Einige Beispiele: "Er richtet den Blick stets nach vorn" – oder – "Das Mädchen richtete seine Blicke auf ihn; sein Herz schlug schneller". Man kann aber auch jemandem Grüße ausrichten lassen, das Wort an die Zuhörer richten, sich nach jemandem richten oder die Aufmerksamkeit auf etwas richten.

Da lässt sich nichts mehr richten

Man kann aber auch etwas oder jemanden zugrunde richten. Damit ist – auch das hat in gewisser Weise mit Richtung zu tun – ein unablässiger und gleichermaßen zerstörerischer Vorgang gemeint. Sozusagen in gerader Linie vom Guten ins Schlechte – oder ganz dramatisch – von der Existenz in die Vernichtung. Jemand kann sich gesundheitlich zugrunde richten; eine Firma lässt sich zugrunde richten – egal was: alles lässt sich zugrunde richten.

Wörter nehmen in ihrer Bedeutungsentwicklung oft nicht so recht zu bestimmende Richtungen ein. Richten ist da keine Ausnahme. So kann richten auch fertig machen und sich zurechtmachen bedeuten. Manchmal mit und manchmal ohne Vorsilbe.

Welch ein Unterschied so eine kleine Vorsilbe doch macht …

So heißt zum Beispiel das Essen richten entweder, zu kochen beginnen, oder das, was auf den Tisch kommen soll, herrichten und es dann – wenn’s beliebt und so man hat – auf einer Anrichte hübsch anrichten. Wenn Gäste zum Essen erwartet werden, empfiehlt es sich, einiges vorzurichten, also vorzubereiten.

Was Vorsilben bedeutungsmäßig anrichten können, wird schlagartig klar, wenn wir unser Wort mit der Vorsilbe hin- kombinieren. Hinrichten und Hinrichtung sind Begriffe aus der Rechtssprechung. Hinrichtung ist die Vollstreckung der Todesstrafe aufgrund eines richterlichen Urteils.

Juchhu, das Haus steht!

Wir wollen aber nicht mit einem so schrecklichen Beispiel enden. Zurück zu den Anfängen, zurück zu richten im Sinne von gerade machen. Da sind wir noch einmal beim Handwerk, bei den Maurern und Zimmerleuten, die sich mit ihrer Richtschnur oder dem Richtscheit vergewissern, dass Mauern und Dachstuhl genau senkrecht, im Lot, stehen. Wenn das Haus im Rohbau aufgerichtet ist, wird der Richtbaum am Dachfirst angebracht und Richtfest gefeiert. Nun haben wir doch noch einen richtig schönen Schluss gefunden; und was die Schiedsrichter angeht: Die allermeisten machen ihre Sache schon richtig. Ein paar schwarze Schafe gibt's überall.

Fragen zum Text

Wenn jemand sagt: "Das lässt sich richten", so meint er/sie damit, dass …

1. über etwas leicht ein Urteil gefällt werden kann.

2. etwas wieder in Ordnung gebracht werden kann.

3. etwas hübsch zurechtgemacht werden soll.

Man richtet seine Aufmerksamkeit …

1. an etwas.

2. gegen etwas.

3. auf etwas.

Zu einem Richtfest gehört …

1. eine Richtschnur.

2. ein Richtbaum.

3. ein Schiedsrichter.

Arbeitsauftrag

Ob be-, ver-, vor-, hin-, her-, auf-, an- oder aus-: richten lässt sich mit zahlreichen Vorsilben kombinieren, wodurch sich die Bedeutung oft stark verändert. Bilden Sie zu jeder der hier genannten Vorsilben plus richten einen Satz.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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