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Digitales Leben

Rich Kids of Tehran - die guten Seiten des Iran?

Protzfotos von reichen jungen Iranern auf Instagram verstießen gegen die religiösen Gesetze des Landes. Das Konto wurde kurzzeitig stillgelegt, und ist nun wieder eröffnet.

Wegen massiver Kritik in den Medien wurde vergangenen Donnerstag "Rich Kids of Tehran", ein Konto mit Bildern superreicher Teheraner Jugendlicher auf der Foto-Plattform Instagram, stillgelegt. Vor wenigen Tagen wurde das Konto in gemäßigter Form wiedereröffnet.

Inspiriert vom enorm erfolgreichen Konto des Portals "Rich Kids of Instagram", wollte das iranische Pendant "der Welt die guten Seiten des Iran" zeigen, so stand es jedenfalls zunächst auf dem Seitenprofil. Auf den Fotos waren junge Iraner zu sehen, die mit teuren Importautos und Luxusuhren protzten oder sich am Pool aalten – la dolce vita mitten in der Islamischen Republik.

"Immer, wenn der Iran im Fernsehen oder in den Nachrichten vorkommt, wird das Land negativ dargestellt, und wir wollen die guten Seiten zeigen", erklärten die Macher des Kontos gegenüber der US-amerikanischen Website "Business Insider."

Ursprünglich im September 2014 erstellt, hatte das Konto rasch mehr als 100.000 Follower. Gut 300 Bilder wurden hochgeladen, die allermeisten von Iranern aus der Hauptstadt. Ab dem 9. Oktober war der Account von der iranischen Regierung geblockt worden und nicht mehr öffentlich zugänglich. Alle Fotos sowie zugehörige Accounts wurden gelöscht und zwar "wegen der Flut unwahrer Berichte", so die offizielle Darstellung bei der Wiedereröffnung am Sonntag unter dem neuen Hashtag #RKOT (Rich Kids of Tehran).

Als Reaktion auf die RKOT waren auf Instagram prompt Bilder von armen Jugendlichen erschienen: "Poor Kids of Tehran." Dessen Macher reagierten auch sofort auf den neuen Hashtag der Rich Kids und gaben ihrem Profilbild den neuen Hashtag #PKOT - Poor Kids of Tehran.

Aufschlussreich waren in dem kontroversen RKOT-Account vor allem Bilder von Frauen in freizügigen Abendkleidern - ein massiver Verstoß gegen die strenge iranische Kleiderordnung, nach der Frauen Kopftücher tragen müssen. Auf anderen Bildern sind offenbar alkoholische Getränke zu sehen - im Iran ebenfalls verboten.

Laut Business Insider sind private Partys und Alkoholkonsum bei den Mächtigen des Landes beliebt, aber Alkoholkonsum sieht man so gut wie nie in den Sozialen Medien. Ihre priviligierte Herkunft scheint die reiche Jugend vor den strengen Regeln der Herrschenden zu schützen. Bisher jedenfalls, denn das Medieninteresse an dem Instagram-Konto hat die Grenzen dessen, was im Iran als akzeptabel gilt, gesprengt.

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