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Politik

Rice: Expertin für sowjetischen Byzantinismus

Für zwei Tage reist US-Außenministerin Rice zu politischen Gesprächen nach Moskau. Besuche in der russischen Hauptstadt sind für Rice keine Besonderheit, denn ohne Russland wäre ihre politische Karriere kaum denkbar.

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Keine leichte Gesprächspartnerin: Condoleezza Rice in Moskau

Condoleezza Rice besucht Russland zwar zum ersten Mal als US-Außenministerin, aber im politischen Moskau kennt sie sich jedoch bestens aus: Russland und die politischen Geschehnisse im Schatten des Kremls spielen in ihrem Leben eine besondere Rolle. Angesichts der russisch-amerikanischen Beziehungen im 20. Jahrhundert mag es erstaunlich klingen: Bei keinem anderen US-Außenminister zuvor war der Aufstieg so eng mit Russland verbunden wie bei der ersten afroamerikanischen US-Außenministerin.

Amerikanischer Traum im Zeichen der Sowjetunion

Der Kreml

Der Kreml hat Condoleezza Rice schon seit ihrer Jugend interessiert

Die Karriere der 1954 in Birmingham, Alabama, geborenen Rice ist in vieler Hinsicht bemerkenswert: Bereits mit 15 Jahren beginnt sie ihr Studium an der Universität von Denver. Anfangs gilt ihre Liebe der klassischen Musik. Mit der Zeit wächst jedoch das Interesse für sowjetische Politik. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Professor Josef Korbel, der an der Universität von Denver Internationale Politik lehrt. Korbel ist nicht nur ein früherer tschechischer Diplomat, der vor den Nazis und dann den Kommunisten aus seiner Heimat geflohen war, sondern auch der Vater der späteren US-Außenministerin Madeleine Albright.

Vor einigen Jahren gefragt, was die Sowjetunion zu jener Zeit für sie so interessant gemacht habe, antwortete Rice: "Ich war angezogen von der byzantinischen Natur der sowjetischen Politik und davon, wie Macht funktioniert und genutzt wird."

Fortan dreht sich jedenfalls alles um die Sowjetunion. Im Alter von 19 erwirbt Rice in Denver einen Bachelor in Politikwissenschaften, im Anschluss daran einen Master an der Universität von Notre Dame, Indiana. Danach kehrt sie nach Denver zurück, um dort mit einer Dissertation zu den militärischen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und der Sowjetunion im Kalten Krieg zu promovieren. Der Lohn der Mühe: Mit 26 Jahren wird sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Internationale Sicherheit und Rüstungskontrolle der berühmten Elite-Universität Stanford. Ihr Fachgebiet dabei: die Sowjetunion.

Von der Theorie zur Praxis

Doch akademische Weihen sind ihr nicht genug. In den 1980er Jahren zieht es sie mehrmals als Beraterin für Militärpolitik und Nuklearstrategie ins politische Washington. 1989 holt sie schließlich Brent Scowcroft, der Berater für Nationale Sicherheit des damaligen US-Präsidenten George Bush senior, in sein Team. Bis 1991 verantwortet sie im Nationalen Sicherheitsrat alle Fragen zu Europa und zur Sowjetunion. In dieser Rolle berät sie auch US-Präsident Bush in einer Zeit, als Deutschland wiedervereinigt wird, der Warschauer Pakt und dann auch die Sowjetunion zusammenbricht. Bush senior soll Rice 1989 dem damaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow mit den Worten vorgestellt haben: "Alles, was ich über die Sowjetunion weiß, weiß ich von ihr."

Bush und Rice

Rice mit George W. Bush, den sie in seinem ersten Wahlkampf unterstützt hat

1991 kehrt Rice nach Stanford zurück. Sie hält jedoch Kontakt zur Bush-Familie und unterstützt George W. Bush seit dessen erstem Wahlkampf. In den ersten Monaten von Bushs erster Amtszeit bestimmt sie als seine Beraterin für Nationale Sicherheit durchaus mit harten Worten die US-Politik gegenüber Russland. Dabei setzt sie sich für die Kündigung des ABM-Vertrages ein und kritisiert heftig die Beschränkungen der Pressefreiheit in Russland sowie den Krieg in Tschetschenien. Erst der 11. September 2001 führt zu einer von Pragmatismus geprägten Russlandpolitik der USA.

Demokratische Defizite in Russland haben jedoch sowohl ihr Vorgänger Powell als auch bereits US-Außenministerin Rice öffentlich angesprochen. Rice dürfte daher im Kreml weiterhin auch unangenehme Themen offen ansprechen. Ihre intimen Russland-Kenntnisse machen sie dabei zu keiner leichten Gesprächspartnerin.

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