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Wirtschaft

Riad wirbt um Investoren

Am Rande der Reise von Bundeskanzler Gerhard Schröder in die Golf-Region wollen deutsche Unternehmen Großaufträge in dreistelliger Millionenhöhe unterzeichnen. Wie stehen die Chancen in Saudi-Arabien?

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Verstärktes Interesse an Deutschland: Kronprinz Abdullah bin Abdulaziz

Das Attraktive an Investitionen in Saudi-Arabien sei ihre Profitabilität, die weit über der vieler anderer Märkte liege. Suliman Al-Sayyari ist Chef der "Saudisch-Deutschen Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft" (SAGECO) in Riad und er ist fest überzeugt, dass sein Land der deutschen Wirtschaft attraktive Angebote zu machen habe. Und das, obwohl Saudi-Arabien nur einen sehr begrenzten Markt und nicht viele einheimische Arbeitskräfte hat, obwohl es als Nichtanrainerstaat des Mittelmeers nicht einmal über Präferenzabkommen mit der EU verfügt.

Liberale Marktpolitik

"Sie haben recht, dass Saudi-Arabien in manchen Bereichen nicht konkurrenzfähig ist. Aber ich glaube, in einigen ist es das doch. Und das natürlich nicht allein für den saudischen Markt oder den europäischen, sondern für den Weltmarkt", sagt Al-Sayyari. Was Arbeitskräfte betreffe, so sei Saudi-Arabien liberal und ermögliche das Anwerben zum Beispiel gelernter asiatischer Arbeitskräfte, deren Lohn weit unter denen in der EU liege. Jede neue Firma könne so viele Arbeitskräfte anwerben, wie sie brauche. Saudi-Arabien verfolge weiter eine liberale Marktpolitik, bei der Geldtransfer kein Problem sei. Gewinne könnten also zum Beispiel problemlos ins Ausland transferiert werden.

Energieüberfluss

Ölraffinerie in Saudi Arabien

Ölraffinerie in Saudi-Arabien

Und auch andere Faktoren seien natürlich wichtig: "Saudi-Arabien erfreut sich eines Überflusses an Energie von Öl und Gas - dem Rohstoff für die Petrochemie. Ees gibt eine Anzahl guter Vorkommen von Mineralien, Saudi-Arabien hat ein Programm zur Unterstützung der Industrie und es finanziert Industriebetriebe bis zu 50 Prozent über Regierungsfonds bei minimalen Zinsen."

Interessanter Standort

Natürlich könne man bei all dem nicht mit einigen Produkten konkurrieren, die heute zum Beispiel in osteuropäischen Staaten für den EU-Markt hergestellt werden. Aber sicher sei Saudi-Arabien ein interessanter Standort für den Export zahlreicher Produkte in die Golfstaaten und nach Asien. Warum aber sollte ein so reiches Land ohne eigene Arbeitskräfte sich so viel Umstände machen, fremden Investoren so sehr entgegenzukommen?

Infrastruktur und Handel

Um noch mehr Profit zu machen, sagt Suliman Al-Sayyari ganz offen. "Wir haben natürlich Rohstoffe, die wir verkaufen, vermarkten möchten. Und man kann dabei natürlich mehr verdienen, wenn man sie zu anderen Produkten verarbeitet", erklärt er. Aber es gibt auch noch andere Gründe: So sind die Zeiten längst vorbei, dass Saudi-Arabien nur im Überfluss gelebt hat. Zum erstenmal ist auch offiziell eingeräumt worden, dass es auch Armut im Königreich gibt und zum erstenmal macht man sich daran, Saudis selbst - und nicht nur aus Asien importierte Arbeitskräfte - in den lokalen Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Saudis werden nun nicht zu Fabrikarbeitern mutieren, aber ausländische Investititionen erfordern mehr Infrastruktur und mehr Handel. Und da fühlen die Saudis sich stark.

Schwierige Beziehungen zu den USA

Das verstärkte Interesse an Deutschland schließlich hat nicht nur historische Gründe: Die deutsche Industrie hat in Saudi-Arabien immer noch einen guten Namen, aber die verstärkte Zuwendung zu Deutschland und auch anderen europäischen Ländern hat ihren Ursprung in den Anschlägen vom 11. September 2001: Die USA haben seitdem Saudi-Arabien als Ursprungsland dieser Anschläge verdächtigt, bisher völlig auf die USA fixierte Saudis in den Vereinigten Staaten sind schikaniert worden und sie vergessen nicht so schnell. Trotz des unverändert großen Einflusses der USA in Saudi-Arabien ist nicht zu übersehen, dass diese alte und sehr enge Beziehung einen schweren Schlag erlitten hat.

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