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Wissen & Umwelt

Rheuma: Dichtung und Wahrheit

Gegen so manche Krankheit hatten die Großeltern ihre ganz eigenen Rezepte und oft falsche Vorstellungen. Die haben sich teilweise bis heute gehalten. Zu Rheuma etwa gibt es viele Mythen. Wir klären auf!

Rheuma trifft nur alte Leute - FALSCH

Ein Mythos, der sich noch immer hält. Aber auch Kleinkinder - sogar Babys - können an Rheuma erkranken. In Deutschland leiden rund 40.000 Kinder und Jugendliche an verschiedenen Formen von Rheuma, der sogenannten "Juvenile idiopathische Arthritis". 1952 wurde in Garmisch-Partenkirchen die erste Spezialklinik gegründet. Das Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugend-Rheumatologie. Mittlerweile gibt es diverse ähnliche Einrichtungen in Deutschland, an die sich

junge Rheumakranke

wenden können.

Rheuma ist eben Rheuma - FALSCH

Rheuma ist lediglich der Oberbegriff für weit über 100 verschiedene Krankheitsbilder, und die sind nicht immer schnell und eindeutig zu diagnostizieren. Das aber ist eine wichtige Voraussetzung, um die Krankheit erfolgreich therapieren zu können. Da gibt es die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, wie etwa Rheumatoide Arthritis. Die setzen die meisten Menschen mit Rheuma gleich.

Aber auch Morbus Bechterew gehört in diese Kategorie der rheumatischen Erkrankungen. Arthrose zählt zu den degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen. Daneben gibt es den Weichteilrheumatismus - zum Beispiel Tennisarm - oder etwa "Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden", beispielsweise die Gicht.

Arthritis und Arthrose sind ein und dasselbe - FALSCH

Wer Rheuma sagt, meint meistens die rheumatoide Arthritis. Davon können alle Gelenke betroffen sein, oft sind es Finger- und Fußgelenke. Darin entwickelt sich eine Entzündung, die im späteren Stadium zu irreparablen Gelenkschäden führen kann und zu starken Schmerzen. Bei der Arthrose hingegen ist es genau umgekehrt. Dabei erkrankt der Gelenkknorpel und das führt in akuten Phasen zu schmerzhaften Entzündungen. Nimmt die Knorpelmasse ab, reiben die Knochen aneinander, und das schmerzt.

Rheuma betrifft nur die Gelenke - FALSCH

Von wegen: Muskeln, Knochen, Sehnen und auch innere Organe können erkranken. Gerade bei entzündlichen Rheumaerkrankungen ist höchste Vorsicht geboten: Rheuma kann sogar das Auge betreffen. Der medizinische Fachbegriff ist "Iridozyklitis". Es ist eine Form der Entzündung von Iris und dem sogenannten Ziliarkörper, dem Verbindungsstück zwischen Regenbogen- und Aderhaut des Auges. Diese Erkrankung kann zu Grauem oder Grünem Star führen.

Bloß nicht bewegen - FALSCH

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Rheumatoide Arthritis: Bewegung hilft!

Wie bei vielen Erkrankungen gilt auch bei Rheuma: Je früher man zum Arzt geht und eine klare Diagnose bekommt, umso besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie. Gerade die Bewegung der Gelenke und der Muskelaufbau helfen dabei, dass die Gelenke nicht versteifen oder schwächer werden.

Dabei helfen Krankengymnastik, Ergotherapie und bestimmte Sportarten. Fahrradfahren und Schwimmen sind meist ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Medikamente einnehmen bis es nicht mehr weh tut, ist nicht der richtige Weg. Der Schmerz ist nur das Symptom. Die Entzündungen in den Gelenken schreiten fort und was einmal kaputt ist, kann am Ende oft nur noch mit Ersatzgelenken gerichtet werden.

"Katzenfell hilft bei Rheuma" - FALSCH

Im Apothekenmuseum Dortmund gibt es sie noch: Katzenfelle. Diese Behandlungsmethode gegen Rheuma gehört jedoch in die Zeit der Großeltern oder Urgroßeltern. Die haben darauf geschworen, dass die Wärme von Katzenfellen die Schmerzen bei Rheuma lindern. Man konnte sie in Apotheken kaufen. "Die wilden Katzenfelle gebraucht der gemeine Mann gegen Flüsse und Gliederweh", heißt es in einem Warenlexikon aus dem Jahr 1814.

Im November 2007 war damit Schluss, denn die Agrarminister der Europäischen Union beschlossen, ein Importverbot für Haushunde- und Hauskatzenfelle in die EU zu erlassen. Jetzt steht es im Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz. Und außerdem: Wärme tut nicht immer gut. Bei so mancher Entzündung gilt: Je kälter, desto besser.

"Kastanien in der Hosentasche" - VIELLEICHT

Glaubt man dem Volksmund, dann sollte man im Herbst eine Kastanie in die Hosentasche stecken, denn die schützen angeblich vor Rheuma und vor Gicht. Wer's glaubt. Tatsache aber ist, dass die Blätter von Esskastanien in Sitzbädern und in Tees verwendet werden.

Auch die Rinde, die Blüten und die Kastanie selbst werden in der Naturheilkunde eingesetzt: in Salben und Tinkturen. Sie sollen helfen bei Krampfadern oder Venenleiden, bei Hämorrhoiden und bei Schwellungen und noch vielen anderen Beschwerden. Ob Kastanien gegen Rheuma helfen? Wissenschaftlich bewiesen ist es nicht. Aber die erste gefundene Kastanie im Jahr bringt Glück!

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