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Alltagsdeutsch – Podcast

Rhetorische Figuren

Metapher, Litotes, Ironie - stilistische Tricks kommen oft in der Alltagssprache vor, besonders, wenn es emotional zugeht. In der Antike haben Redner rhetorische Figuren eingesetzt, um die Sprache kunstvoll zu gestalten.

Sprecher:

Isokrates, Aristoteles, Theophras, Cicero, Quintilian – das waren allesamt begnadete Rhetoriker, Meister der Redekunst!

Sprecherin:

Also echt gute rhetorische Figuren.

Sprecher:

Oh Himmel, hilf! Da verwechselst du aber was. Rhetorische Figuren sind doch keine Menschen!

Sprecherin:

Ich dachte immer, rhetorische Figuren sind redegewandte Gestalten, schlagfertig und nie um ein Wort verlegen.

Sprecher:

Mit rhetorischen Figuren meinten die antiken Redner die unterschiedlichsten Erzähltechniken. Wenn du so willst, stilistische "Tricks". Die antike Kultur war ja eine mündliche, und die Kunst der Rede gehörte damals zur Allgemeinbildung. Die politische Rede vor der Volksversammlung, die Rede vor Gericht oder aber auch die Festrede. Da galt es, das Publikum zu faszinieren, zu überzeugen, manchmal auch zu beeinflussen. Die rhetorischen Figuren dienten den Rednern dazu, Argumente und Gedankengänge zu verdeutlichen, zu veranschaulichen oder auch auszuschmücken.

Sprecherin:

Oh Gott! Da hab‘ ich aber voll daneben gelegen.

Sprecher:

"Oh Gott." Da hast du schon eine rhetorische Figur. Die Apostrophe, das ist die Anrufung einer Person, einer Gruppe oder eines Begriffs. Rhetorische Figuren kommen oft in der Alltagssprache vor, der gesprochenen Sprache, vor allem, wenn man sehr emotional ist. In der Antike haben die Redner rhetorische Figuren aber bewusst eingesetzt, um die Sprache besonders kunstvoll zu gestalten. Im Mittelalter nahm man die Kunst der Rhetorik dann als Vorbild für Predigten, für das Briefeschreiben und auch für die Poesie. Es gibt so viele rhetorische Figuren, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Die antiken Redner haben sie nach Gruppen klassifiziert. Dabei ist man sich heute nicht einig, ob die Tropen, das sind die sprachlichen Bilder, auch zu den rhetorischen Figuren gezählt werden.

Sprecherin:

Der Herr Professor spricht. Verdammt clever. Und so einleuchtend!

Sprecher:

Metapher, Oxymoron, Ironie. Du bist hier diejenige, die rhetorische Figuren am laufenden Band produziert. Spaß beiseite: Bleiben wir bei den sprachlichen Bildern. Wenn du sagst, der Herr Professor spricht, benutzt du die poetische Variante eines Vergleichs, die Metapher. Du setzt mich mit einem Professor gleich. Die Ironie, die da mitschwingt, überhöre ich jetzt mal.

Sprecherin:

Wenn ich meine Katze "Haustiger" nenne, ist das auch eine Metapher?

Sprecher:

Genau. Oder wenn ich von dem Landesvorsitzenden meiner Partei sage: "Er ist der treibende Motor der Regierung!" - Wenn man einen abstrakten Begriff durch ein fassbares Bild ersetzt, dann nennt man das eine Allegorie, das bedeutet auf Griechisch: etwas anderes sagen. Wenn ich zum Beispiel Justizia, die Gerechtigkeit, als "blinde Frau" personifiziere oder auch menschliche Eigenschaften als Frau Tugend und Herr Laster auftreten lasse. All diese sprachlichen Bilder - Metapher, Allegorie oder auch Vergleich - ....

Sprecherin:

...Mein Bruder ist stark wie ein Bär....

Sprecher:

...funktionieren in einer Rede wie auch in der Poesie ähnlich: Sie setzen die Phantasie der Zuhörer in Gang. Und so bleibt das Gesagte dem Publikum lange in Erinnerung.

Sprecherin:

Stimmt. Aber was hast du eben noch gesagt, Oxyirgendwas?

Sprecher:

Oxymoron. Das ist eine rhetorische Figur, die der sprachlichen Verfremdung dient. Hierbei fügt der Sprecher oder Dichter zwei Begriffe zusammen, die entgegengesetzt sind, wie zum Beispiel "scheußlich schön", "scharfsinnige Dummheit" oder "stets wacher Schlaf". - Ja, und die Ironie ist wohl ein recht bekanntes Stilmittel. "Sehr einleuchtend!" sagst du, und meinst eigentlich das Gegenteil. Quintilian, einer der bekanntesten römischen Rhetoriker, rechnete die Ironie zu der Gruppe der "Gedankenfiguren". Die wohl häufigste dieser Figuren ist die so genannte "rhetorische Frage".

Sprecherin:

Die kenne ich. Das ist doch eine Frage, auf die der Redner keine Antwort erwartet.

Sprecher:

Und ihre pädagogische Variante ist die rhetorische Frage, die man selbst beantwortet. "Wie nennt man einen Mann, der sich so verhält wie Hermann Meier? - Einen Betrüger!" "Welche Zeiten, welche Sitten!" kann man dann noch hinterher schieben, eine Exclamatio, einen Ausruf, der "welch schrecklicher Gedanke!" Entrüstung und Überwältigung bekräftigt.

Sprecherin:

Nicht übel. Wenn man so was bewusst einsetzt.

Sprecher:

"Nicht übel", das ist auch eine so genannte Gedankenfigur: die Untertreibung durch doppelte Verneinung, griechisch Litotes, neudeutsch auch understatement. Ihr entgegengesetzt ist die Hyperbel, die bewusste Übertreibung: "Ich bin gestorben, als er das gesagt hat!" oder "Herr Krause ist der Napoleon der Zahnärzte!" - Letztlich dienen alle rhetorischen Figuren dazu, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln und mit eindringlichen Mitteln ein und dasselbe Argument zu wiederholen, damit es in Erinnerung bleibt. Auch ein bisschen sprachliche Schauspielerei hilft da weiter. Zum Beispiel die Aposiopese, von griechisch: das Verstummen oder die Interruptio, die Unterbrechung des Gesagten. Häufig versteckt man dahinter auch eine Drohung, oder drückt eine emotionale Erregung aus. Jedenfalls muss der Zuhörer sich selbst einen Reim auf das Gesagte machen. Bei Heinrich Kleist hört sich das in der "Penthesilea" so an: "Was! Ich? Ich hätt‘ ihn - ? Unter meinen Hunden -? Mit diesen kleinen Händen hätt‘ ich ihn?"

Sprecherin:

Da kann man nicht mehr widersprechen, oder? Klingt auf jeden Fall überzeugender als: "Nein, ich hab ihm nichts getan."

Sprecher:

Diese rhetorische Figur zählt übrigens zu den grammatischen Figuren, die bewusst vom korrekten grammatischen Sprachgebrauch abweichen. Eine dieser Figuren, die mir besonders gefällt und die oft in scherzhafter Absicht gebraucht wird, ist das Zeugma, im Griechischen bedeutet das Joch, Zusammengefügtes. Der Dichter oder Redner bezieht bei diesem Stilmittel ein Satzglied auf Begriffe, die nicht sinnverwandt sind.

Sprecherin:

Wie bitte?

Sprecher:

Er warf die Zigarre in den Aschenbecher und einen Blick aus dem Fenster.

Sprecherin:

Nicht schlecht.

Sprecher:

Eine andere Gruppe der rhetorischen Figuren sind die Wortfiguren, die einen Gedanken oder einen Begriff in gleicher Bedeutung wiederholen und variieren. "Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte, auf seinem Bette weinend saß..."

Sprecherin:

Goethe!

Sprecher:

Ja. Das ist eine Anapher, eine Wiederaufnahme der Worte am Anfang eines Satzes. Wenn man den Schluss wiederholt, kann das auch sehr eindringlich sein. Das nennt sich dann Epipher, griechisch: Zugabe. "Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht!"

Sprecherin:

Na ja, überraschend finde ich das schon, wie viele rhetorische Figuren existieren, und ich weiß nichts davon. Da kann einem fast angst und bange werden.

Sprecher:

Tautologie, Verwendung zweier Begriffe mit gleicher Bedeutung. "Angst" und "Bange".

Kinderlied, „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum....."

Sprecherin:

Ach, Lenchen hört ihre Geburtstagskassetten an, das kann ja heiter werden. "Hopp, hopp, hopp, Pferdchen läuft Galopp“, pass auf, das kommt bestimmt als nächstes.

Sprecher:

Klangfiguren, die sind mir die Liebsten: Lautmalerei oder auch Alliteration, das klingt klasse! Hör doch mal: "Komm Kühle, küsse den Kummer, süß säuselnd von sinnender Stirn..."

Sprecherin:

Will man sich so was anhören? Aber weißt du was? Ich muss nächste Woche eine kurze Rede beim Elternabend halten. Da könnte ich doch gut ein paar rhetorische Figuren einbauen, was meinst du?

Sprecher:

Wenn du meine Wenigkeit fragst...

Sprecherin:

Was war das noch gleich?

Sprecher:

Litotes, bewusste Untertreibung, kommt immer gut.

Sprecherin:

Mh, und dieses Oxymoron, das finde ich auch klasse, das rüttelt die Leute doch aus dem Tiefschlaf: "Wer will allen Ernstes behaupten, diese scharfsinnige Dummheit bringe uns auch nur einen Schritt weiter!"

Sprecher:

Schön finde ich auch die Anapher: "Wer das behauptet, wer das beteuert..."

Fragen zum Text

Welche der drei Figuren ist kein Oxymoron?

1. scheußlich schön

2. scharfsinnige Dummheit

3. sehr einleuchtend

Was ist eine Litotes?

1. ein Vergleich

2. eine rhetorische Figur, die der sprachlichen Verfremdung dient

3. eine Untertreibung durch doppelte Verneinung

„Er warf die Zigarre in den Aschenbecher und einen Blick aus dem Fenster“ ist…

1. eine Anapher

2. eine Metapher

3. ein Zeugma

Arbeitsauftrag:

Haustiger, Wüstenschiff, guter Rat ist treuer, die Nadel im Heuhaufen suchen, jemandem das Wasser reichen, jemandem das Herz brechen - erklären Sie diese und 10 weitere Metaphern Ihrer Wahl.

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