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Kultur

Rheinromantik mit Kaiserstandbild

Wo Rhein und Mosel zusammenfließen, wo Fachwerk und Burgenromantik das Bild prägen, ist immer Hochsaison. In Scharen strömen Touristen aus aller Welt zum Deutschen Eck in Koblenz. Eine sommerliche Ortsbesichtigung.

Deutsches Eck, der Reichsadler am Denkmal von Kaiser Wilhelm I. Foto: Jürgen Hube

Hier wacht der Reichs-Adler

Der Busparkplatz in Koblenz ist schon morgens voll. Rhein und Mosel glänzen in der Sonne, der Himmel ist blau – und über den Bäumen scheint ein Reiterstandbild in den sommerlichen Lüften zu schweben: Kaiser Wilhelm I. grüßt die Besucher der Stadt schon von Ferne aus einer stolzen Höhe von 37 Metern. Nur der Baustellenlärm zu seinen Füßen stört das Idyll ein wenig. Ein Drehorgelspieler empfängt an der Rheinpromenade die Touristen, die auf verschiedensten Wegen hierher gekommen sind: mit dem Rad oder dem Schiff, zu Fuß oder mit Bussen. Aus allen Teilen der Welt.

Rheinidyll und Moselschönheit

Deutsches Eck: eine Familie aus China besucht den Rhein. Foto: Jürgen Hube

Aus Wuhan nach Koblenz

"Wir kommen aus Wuhan und machen eine Rundreise durch Europa. Hier am Rhein ist es so friedlich - wunderschön", erzählt eine dreiköpfige chinesische Familie. Eine Gruppe englischer Touristen ist soeben einem der zahlreichen Rheinschiffe entstiegen: Kreuzfahrt auf dem deutschesten aller Ströme – die Damen und Herren sind enthusiastisch. Auch aus Israel sind Reisende da. "Wir waren schon in Paris und in Holland, jetzt wollen wir von hier weiter über die Weinstraße bis zum Schwarzwald", berichtet ein Familienvater.

Dem Kaiser zu Füßen

Das Deutsche Eck ist eigentlich nicht mehr als ein malerischer Aussichtspunkt auf einer Landzunge mit Blick auf die beiden Flüsse. Links liegt ein großer Campingplatz, rechts thront, erreichbar über eine Seilbahn, martialisch die Festung Ehrenbreitstein. Im wahrsten Sinne des Wortes gekrönt wird der Platz von dem riesigen Reiterstandbild, dessen Bedeutung nicht alle kennen. Irgendwie kühn sieht der Reiter aus, sagt eine holländische Touristin. Andere rätseln ein bisschen. Und ein Radfahrer aus Essen meint, wenig beeindruckt: "So einen haben wir bei uns auch. Nur kleiner."

Deutsches Eck, das Reiterdenkmal zeigt Kaiser Wilhelm I. Foto: Jürgen Hube

Wilhelm I. - hoch zu Ross

Wer wissen will, was es mit Wilhelm I. auf sich hat, sollte sich an den Mann mit der Drehorgel wenden. "Ich hab das Denkmal noch gekannt, als da oben gar nichts mehr drauf war", erzählt er. "Das Pferd wurde ja am letzten Kriegstag 1945 abgeschossen. Und von dem Rest hat man damals die Verkabelung für die Straßenbahn gebaut. Allerdings: das Alte war aus reinem Kupfer und das neue da ist nur Bronze."

Streit ums Denkmal

Der leere Sockel wurde später zu einem Mahnmal für die deutsche Einheit umfunktioniert - das freilich nach dem Fall der Mauer seine Bedeutung verlor. Aber wer hätte gedacht, dass sich in Koblenz Jahrzehnte nach dem unrühmlichen Untergang von Kaiser und Reich wieder ein Bündnis von Kaisertreuen bilden würde?! Anfang der 90er Jahre nämlich setzte sich eine Gruppe um ein wohlhabendes Ehepaar für die Rekonstruktion des kaiserlichen Reiters ein. Die Wogen schlugen damals hoch in der Stadt. Sie könne das immer noch nicht verstehen, erzählt eine Kioskbesitzerin. Die Erinnerung an den Kaiser passe nun wirklich nicht mehr in die heutige Zeit.

Ihr Nachbar mit der Drehorgel ist da anderer Meinung und echauffiert sich ein wenig. Unerhört sei das gewesen. Da habe man den Wilhelm mit viel Geld und Mühe neu gegossen und zusammen geschweißt und dann hätten die Grünen seine Aufstellung am alten Ort verhindert. "Es wurde prozessiert! Jahre hat das gedauert! Als das Reiterdenkmal schließlich drauf war, war der Mann, der es gestiftet hat, tot!" Aus dem Streitobjekt wurde inzwischen ein Touristenmagnet. Dass das Rhein-Mosel-Idyll derzeit von einer riesigen Baustelle mit entsprechendem Lärm etwas beeinträchtigt wird - Koblenz rüstet sich für die Bundesgartenschau 2011 - stört die Besucher nicht.

Lederhosen am Deutschen Eck

Deutsches Eck, englische Touristen, soeben ihrem Schiff entstiegen. Foto: Jürgen Hube

Rheinromantik gesucht

Häufig gehen die Europareisen ausländischer Touristen mit einer Rhein- und Burgentour zu Ende. In Koblenz steigt man dann aus. Viele fliegen vom nahen Frankfurt in ihre Heimat zurück. Also werden am Koblenzer Rheinufer noch rasch Souvenirs gekauft. Mit Geld wird dabei nicht gespart. 200, 300 Euro lässt jeder Besucher durchschnittlich da, erzählt die zufriedene Kioskbesitzerin. Und weiß auch sonst Überraschendes zu berichten.


"Die Überseetouristen aus Amerika, Lateinamerika, Australien, Neuseeland kennen von Deutschland in erster Linie Lederhosen und das Schloss Neuschwanstein. Das haben sie ja auch besucht. Und deshalb haben wir hier am Stand auch viele Dinge über Neuschwanstein – die sind unser Hit und verkaufen sich am besten!" Wenn das Kaiser Wilhelm wüsste – dass ihm ein bayerischer Märchen-König den Rang abgelaufen hat! Wenn auch nur bei den Souvenirjägern.

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Aya Bach

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