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Kölsch

Rheinischer Singsang

Als Kind erlebte Lehrer Armin Foxius in der Schule den Kölsch-Exorzismus. Auch die Eltern seiner Schüler kennen die Schule nur als eiserne Verfechterin der deutschen Hochsprache. Einfach drauflos reden war verboten.

Auf der Straße Kölsch, im Klassenzimmer Hochdeutsch – so war das früher. Heute sind beispielsweise an der Ursula-Kuhr-Schule kölsche Töne nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Armin Foxius leitet dort seit 20 Jahren eine Kölsch-AG. Vor ihm sitzt gespannt ein Grüppchen aufgeweckter Fünft- bis Siebtklässler: Türken, Iraner und Deutsche. Sie wollen Kölsch lernen.

Der Dreikönigsschrein im Kölner Dom

Wenn der Rheinländer spricht, dann singt er. Also müssen sich die Schüler erst einsingen. "Och, nä." Das och hebt Foxius in die Kopfstimme, beim rutscht er in den Hals. Kopfstimme, Hals. Kopfstimme, Hals. Foxius singt vor, die Kinder ahmen ihn nach. Manche sprechen fast perfekt. Einige fangen bei Null an und finden Kölsch so schwer wie eine Fremdsprache.


So klingt Kölsch
Volker Gröbe von der "Akademie för uns kölsche Sproch" findet Kölsch auch schwer. Trotzdem sieht er es nicht so gerne, dass viele einen Mischmasch aus Hochdeutsch und Kölsch reden. Also unterrichtet er einmal pro Woche Erwachsene.

Detailansicht Steinmetzarbeit am Kölner Dom

"Kaum eine Sprache hat so viele Vokale wie Kölsch", erklärt er. Im Hochdeutschen sei das o entweder offen und kurz oder geschlossen und lang. Kölsch sei da viel komplizierter, denn es besitze zusätzlich noch ein offenes langes und geschlossenes kurzes o. Und beim Wörtchen Jold, also Gold, fängt der Kölner beim o an und zieht es in einer Schleife zum u. "Rheinischer Singsang", lacht Gröbe und leitet über zur Grammatik.

Konjugieren auf Kölsch
Kölsch im Schnelldurchlauf: Ich komme, du kommst, er kommt und so weiter. "Wenn ein Ausländer im Deutschen konjugieren muss, stöhnt er", sagt Gröbe. "Der soll erst mal Kölsch lernen." Dann wird es nämlich richtig kompliziert. Im Dialekt heißt es: Ich kumme, do küss, hä kütt, mir kumme, ehr kutt, se kumme.

Detailansicht eines Domfensters

Bei der Deklination macht sich der Kölner das Leben da schon leichter: Ob dä Möpp dä Jupp oder dä Jupp dä Möpp arch fies jän hät – ob der Hund den Jupp oder der Jupp den Hund zum Fressen gern hat – dem Kölner ist das egal. Also weg mit dem Akkusativ. Den Genitiv umschreibt er einfach mit dem Dativ. Dann heißt es nicht mehr Jupps Hund ist verrückt, sondern däm Jupp singe Möpp es jeck, dem Jupp sein Hund ist verrückt. Fäadich! Fertig.

Direkt mit Dialekt
Lehrer Foxius will mit seinen Schülern allerdings erst einmal keine Grammatik pauken. Sie sollen sich beim Kölschsprechen wohlfühlen. Dann könnten sich auch andere in der Nähe seiner Schüler wohlfühlen. Denn wer Kölsch spricht, hät et Hätz op der Zung. Was einfach nur heißt: Die Kölschen sagen ehrlich und direkt, was sie denken.

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