1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Niederrheinisch

Rheinischer Fächer

Das Sprachgebiet am Niederrhein ist vielfältig: In Kleve wird Kleverländisch gesprochen, in Mülheim an der Ruhr Mölmsch, in Krefeld Krieewelsch und in Grefrath wiederum Grefrather Platt.

Niederrheinisch ist, wie so viele Mundarten, ein Sammelbegriff für Dialekte und Regiolekte – dialektal geprägte Umgangssprache. Zunächst ist der Sprachraum zwischen Kleve und Krefeld gemeint. Und wenn Niederrheiner vom Niederrhein sprechen, dann meinen sie den Raum des linken Niederrheins.

Räumliche Differenzierungen
Die Sprache dort gehört zu den plattdeutschen Dialekten. Es muss jedoch genau differenziert werden. Zur Gliederung der Dialektlandschaft stützen sich Sprachforscher meist auf prägnante Lautgrenzen – im Rheinland sind dies die Linien des so genannten Rheinischen Fächers.

Dieser trennt die niederrheinischen Dialekte räumlich in drei Gebiete: Im Norden, also am unteren Niederrhein, wird Niederfränkisch gesprochen. Die Uerdinger Linie trennt dieses Niederfränkische vom Südniederfränkischen und die Benrather Linie trennt wiederum letzteres vom Ripuarischen.


Gut gemacht
So sagen die Einheimischen seltener, dass sie Niederrheinisch sprechen, sondern eher Kleverländisch oder Mölmsch, wenn sie aus Mülheim an der Ruhr sind. In Krefeld wiederum spricht man Krieewelsch und in Grefrath Grefrather Platt.

Die Benrather Linie gilt als Hauptgrenze der Lautverschiebung und wird auch "maken/machen"-Linie genannt. Nördlich von ihr, im niederdeutschen Sprachraum, heißt es in den Mundarten maken statt hochdeutsch machen. Südlich der Benrather Linie, also im Hochdeutschen, hat die Lautverschiebung von k zu ch im Gegensatz dazu stattgefunden.

Niederrheinisch und Niederländisch
Niederfränkisch ist die Bezeichnung für einen großen, zwei Staatsgrenzen übergreifenden Dialektraum, denn nicht nur Niederrheinisch, sondern auch die flämischen, holländischen und brabantischen Mundarten gehören zum Niederfränkischen.


Demnach ergeben sich auffällige Parallelen zwischen dem heutigen Niederländisch und dem Niederrheinischen: Die Begriffe Plaatekopp für hochdeutsch Glatze, puupsatt für übersatt und Pät für Kröte werden sowohl im Raum Venlo als auch am Niederrhein benutzt.

Nicht vergessen
Dialekte haben aber nicht nur ihr ganz eigenen Vokabeln sondern teilweise auch ihre eigene Grammatik: In Grefrath zum Beispiel geht man nach der Kirche und nach dem Arzt. Also: no de Kerk, no de Doktor, no den Apotheker.

Eine Besonderheit des Grefrather Platts ist, dass das Verb "vergessen" nicht mit "haben" sondern mit "sein" konjugiert wird. Es heißt also nicht "Dat habb ich verjeate", sondern "dat bön ich verjeate".

Ein weiterer Spezialfall ist der Gebrauch eines anderen Verbs. Im Hochdeutschen kennt man die Regel: "Wer 'brauchen' ohne 'zu' gebraucht, braucht 'brauchen' gar nicht zu gebrauchen." Auf Grefrather Platt verwendet man auch "dürfen" im Infinitiv mit zu. Man sagt also nicht: "Du darfst mitspielen" sondern "Du darfst mit zu spielen" – "Do dorfst möt te speele."

Asien am Niederrhein
Im Süden des Niederrheins, also in der Krefelder Ecke, wurde im Dialekt sehr viel aus dem Kölner Raum übernommen, zum Beispiel so Aussprachen wie fong statt fand, oder Bronk statt Brand, und wenn man das dann akkumuliert, dann hört sich das schon für fremde Ohren verteufelt chinesisch an.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links