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Wirtschaft

Rezessionsgefahr für Europa

Dunkle Wolken über Europa: Sowohl die EU-Kommission als auch die Europäische Zentralbank warnen vor einer Rezession - und fordern Haushaltsdisziplin, um das Vertrauen der Märkte wieder zu gewinnen.

Dunkle Wolken (foto: flickr)

Alarm aus Brüssel und aus Frankfurt: Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die EU-Kommission haben am Donnerstag (10.11.2011) vor einem Absturz der Konjunktur in Europa gewarnt. "Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen, es besteht das Risiko einer erneuten Rezession", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel bei der Vorlage der Herbstprognose der EU-Kommission.

Und die EZB mahnt in ihrem jüngsten Monatsbericht Europas Regierungen angesichts des drohenden Absturzes der Konjunktur zu tiefgreifende Reformen. Der EZB-Rat fordere "alle Regierungen des Euroraums auf, die Umsetzung substanzieller und umfassender Strukturreformen dringend zu beschleunigen", schreibt die Notenbank.

Wachstumsaussichten trüben sich ein

Währungskommissar Olli Rehn (Foto: AP)

Währungskommissar Rehn ist pessimistisch

Einer EZB-Expertenumfrage zufolge trüben sich die Wachstumsaussichten zunehmend ein: Die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum wurden sowohl für dieses Jahr als auch für 2012 und 2013 nach unten korrigiert. In diesem Jahr halten die Experten noch 1,6 Prozent Plus beim realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) für möglich, 2012 nur noch 0,8 Prozent. Währungskommissar Olli Rehn ist sogar noch etwas pessimistischer: Das BIP in der gesamten Union wird der Prognose zufolge "bis weit ins Jahr 2012 stagnieren" und im gesamten kommenden Jahr nur noch um 0,6 Prozent wachsen.

Griechenlands Schulden steigen

Schlechte Nachrichten hat Währungskommissar Olli Rehn auch für Griechenland: Ohne einen Forderungsverzicht privater Gläubiger wird der Schuldenstand Griechenlands im kommenden Jahr drastisch zulegen. Nach der EU-Prognose würde die Gesamtverschuldung nach knapp 163 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf fast 200 Prozent im kommenden Jahr steigen. In dem Szenario ist allerdings nicht die vor Kurzem angekündigte Forderung berücksichtigt, dass die privaten Gläubiger Griechenlands auf 50 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen verzichten sollen.

In Italien, das derzeit ebenfalls im Fokus der Krise steht, ist die Lage weitaus weniger dramatisch. Die Neuverschuldung sinkt nach der Prognose von 4,0 Prozent des BIP in diesem Jahr auf 2,3 Prozent 2012 sowie auf 1,2 Prozent 2013. Die Regierung in Rom hat allerdings Maßnahmen angekündigt, mit denen der Haushalt im Jahr 2013 ausgeglichen werden soll. Der Schuldenstand soll laut Prognose im kommenden Jahr bei 120 Prozent verharren und ab 2013 leicht sinken.

Stagnation im Frühjahr

Laut Kommission wird die Wirtschaft der Eurozone mit 17 Ländern im 4. Quartal 2011 gegenüber den drei Vormonaten leicht um 0,1 Prozent schrumpfen. Im 1. Quartal des kommenden Jahres wird dann mit 0,0 Prozent eine Stagnation erwartet. Viele Ökonomen sprechen bei zwei negativen Quartalen hintereinander von einer Rezession.

Die Kommission spricht von einem drastischen Vertrauenseinbruch, der Investitionen und Konsum behindere. Rehn sagte, der Schlüssel zu mehr Wachstum liege darin, das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Budgets und in das Finanzsystem wiederherzustellen.

Euro-Skulptur EZB Frankfurt (Foto: AP)

Mehr Spielraum für die Geldpolitik

Trübe Aussichten also für Europa - was allerdings der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu mehr Spielraum verhelfen könnte. Denn in einer Rezession mit sinkender Nachfrage wird es den Unternehmen kaum gelingen, Preiserhöhungen durchzusetzen. So rechnet die EZB in ihrem jüngsten Monatsbericht mit einem Rückgang der Inflation: Die jährliche Teuerung dürfte nach Einschätzung der Fachleute 2012 mit 1,8 Prozent knapp unter die EZB-Warnschwelle von 2,0 Prozent sinken.

Für das laufende Jahr wird ein Wert von 2,6 Prozent erwartet. Diese Daten stützen den Kurs der Notenbank. Die Währungshüter hatten gleich in der ersten Sitzung unter Leitung des neuen EZB-Präsidenten Mario Draghi Anfang November die Zinsen gesenkt und damit die Geldschleusen wieder weiter geöffnet - zur Überraschung von Ökonomen und Märkten.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, rtr, afp, EZB)

Redaktion: Monika Lohmüller

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